„Solange es irgendwie geht, so viele wie möglich rausholen“

„Solange es irgendwie geht, so viele wie möglich rausholen“

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Berlin
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Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich am Dienstagmorgen zu den aktuellen Entwicklungen bei der Evakuierung deutscher Staatsangehöriger und afghanischer Ortskräfte aus der Hauptstadt Kabul geäußert. Man hoffe, gemeinsam mit den USAUnited States of America eine „richtige Luftbrücke“ aufbauen zu können, so die Verteidigungsministerin.

Ministerin Kramp-Karrenbauer spricht in die Mikrofone der Presse

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer äußert sich am Montag vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zur Lage in Afghanistan. Nach dem Abzug der NATO-Truppen haben die islamistischen Taliban das Land wieder unter Kontrolle gebracht.

picture alliance/dpa

„Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen. Vor allem durch die Menschenmengen. Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen“, sagte Annegret Kramp-Karrenbauer im Fernsehinterview mit dem „Morgenmagazin“. Hauptziel sei gewesen, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr zur Absicherung der Evakuierungsaktion nach Kabul zu bringen. „Damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen.“

Über Nacht alles für die Evakuierung am Flughafen Kabul vorbereitet

Der erste Evakuierungsflug war in der Montagnacht mit nur sieben Schutzsuchenden an Bord aus Kabul gestartet. „Wir hatten nur ganz wenig Zeit, und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren. Und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein“, sagte die Ministerin. Über Nacht hätte die Bundeswehr alles für eine weitere Evakuierung Schutzsuchender vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt vorbereitet. 

Großer Teil der Ortskräfte mit Familien in Deutschland

Die afghanischen Ortskräfte der Bundeswehr seien überwiegend in Sicherheit, so die Ministerin. Sie seien seit 2013 identifiziert worden und hätten bis letzte Woche mit regulären Flugzeugen das Land verlassen können. „Davon ist ja auch ein großer Teil schon in Deutschland mit ihren Familien.“ Für diejenigen, die noch in Afghanistan seien und keine Reisepapiere hätten, sei ein vereinfachtes Einreiseverfahren eingeleitet worden. „Diese Gruppe ist identifiziert, und von denen sind auch viele jetzt in der Nähe des Flughafens, also in Kabul selbst, und können auch mitgenommen werden.“

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M (von der Seite zu sehen) in der Luft kurz nach dem Start

Die Bundeswehr evakuiert deutsche Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte aus Kabul. Hier bricht ein Airbus A400M-Transportflugzeug der Luftwaffe vom Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover auf.

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Robuste Kräfte vor Ort – Luftbrücke soll eingerichtet werden

Man sei auf zwei mögliche Szenarien vorbereitet, sagte Kramp-Karrenbauer. „Das eine ist das Szenario, dass der Flughafen nur über kürzere Zeit offen gehalten werden kann. Dafür haben wir auch sehr robuste Kräfte jetzt vor Ort, und verstärken weiter.“

Man hoffe aber – und dies sei das zweite Szenario, so die Ministerin –  in den kommenden Tagen zusammen mit den USAUnited States of America eine „richtige Luftbrücke“ aufbauen zu können. „Dafür stellen wir am Ende bis zu 600 Soldaten und Soldatinnen. Jetzt ist es wichtig, dass wir vor Ort alles so aufbauen, dass diejenigen, die wir rausholen wollen – das sind nicht nur deutsche Staatsangehörige, das sind Ortskräfte, das sind gefährdete Personen –, dass wir die rausholen können.“

Man werde auch anderen Nationen bei der Evakuierung helfen, so Kramp-Karrenbauer. „Der Auftrag der Bundeswehr ist klar: Solange es irgendwie geht, so viele wie möglich rausholen.“

Aufarbeitung der Ereignisse in der NATO

Nach dem Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan hatte die radikalislamische Taliban-Miliz das Land binnen kürzester Zeit unter Kontrolle gebracht. Nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt sei von der Dynamik der Ereignisse überrascht worden, sagte die Ministerin – man werde die Ereignisse in Afghanistan innerhalb der NATO aufarbeiten müssen.

„Es wird dann aber auch die Fragen an uns geben, inwieweit wir bereit sind, die Konsequenzen dann auch zu tragen und inwieweit wir dann auch bereit sind, auch Maßnahmen zu ergreifen, die wir bisher den Amerikanern überlassen haben.“

von Timo Kather