Neues NATO-Kommando JSECJoint Support and Enabling Command: Deutschland ist bereit für mehr Verantwortung

Neues NATO-Kommando JSECJoint Support and Enabling Command: Deutschland ist bereit für mehr Verantwortung

  • Operative Führung
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Ulm
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3 MIN

In Ulm läuft derzeit der zweite Teil der NATO-Übung Steadfast Defender 2021, die Truppenverlegungen durch Europa beübt. Sie dient zugleich der Zertifizierung des neuen NATO-Kommandos JSECJoint Support and Enabling Command. Ministerin Kramp-Karrenbauer hat das Kommando besucht und sagt: „Deutschland ist bereit für mehr Verantwortung – für eine starke europäische Säule der NATO.“

Ministerin Kramp-Karrenbauer und ein Soldat im Gespräch beim Gehen

Annegret Kramp-Karrenbauer hat am 17. Mai das neue NATO-Kommando JSECJoint Support and Enabling Command besucht.

Bundeswehr

In Ulm findet derzeit der zweite Teil der multinationalen NATO-Übung Steadfast Defender 2021 statt. Am neuen NATO-Unterstützungskommando JSECJoint Support and Enabling Command (Joint Support and Enabling Command) planen und koordinieren vom 12. bis zum 20. Mai 2021 rund 300 Teilnehmende aus 17 Nationen die grenzüberschreitende Verlegung alliierter Streitkräfte und deren Ausrüstung von der Atlantikküste bis ans Schwarze Meer.

Die teils virtuell, teils real durchgeführte Übung zielt darauf ab, die Interoperabilität aller beteiligten Partner zu erhöhen. Zugleich dient sie der Zertifizierung des neuen Kommandos, das zum 1. Oktober 2021 voll einsatzbereit sein soll (Full Operating Capability/FOCFull Operational Capability).

JSECJoint Support and Enabling Command stärkt Abschreckung und Verteidigung

Die zukünftige Aufgabe des JSECJoint Support and Enabling Command ist, sämtliche Truppenbewegungen der NATO-Partner innerhalb des gesamten Bündnisgebietes und in alle Richtungen 360 Grad zu koordinieren – in Friedenszeiten ebenso wie in Krisen- und Konfliktszenarien bis hin zur gemeinsamen Landes- und Bündnisverteidigung nach Artikel 5 des NATO-Vertrages.

Das Kommando ist Teil der neuen NATO-Kommandostruktur und multinational aufgestellt. Rund 50 Prozent von insgesamt 401 Dienstposten werden von den Bündnispartnern besetzt. Deutschland stellt als Rahmennation in der Anfangsphase alle weiteren personellen Ressourcen sowie Material und Infrastruktur des JSECJoint Support and Enabling Command.

Ministerin Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit einem Soldaten
Annegret Kramp-Karrenbauer
Das JSECJoint Support and Enabling Command ist ein starkes sicherheitspolitisches Signal: Deutschland ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Das bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für die Sicherheit Europas, die die USAUnited States of America und die europäischen Bündnispartner von Deutschland erwarten, auch im Sinne einer ausgewogeneren transatlantischen Lastenverteilung:

„Das JSECJoint Support and Enabling Command stärkt die Abschreckungsfähigkeit und die Verteidigungsbereitschaft der NATO und Europas“, teilt Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die am 17. Mai 2021 das JSECJoint Support and Enabling Command und Steadfast Defender 2021 besucht hat, ihren persönlichen Eindruck mit. Der bisherige Verlauf der Übung dokumentiere bereits jetzt die hohe Leistungsfähigkeit des neuen Kommandos gegenüber der NATO.

Ministerin Kramp-Karrenbauer mit Soldaten in einem Raum, in dem viele Computer stehen

Im Gefechtsstand des JSECJoint Support and Enabling Command erhielt die Ministerin einen Einblick in die laufende Übung Steadfast Defender 2021.

Bundeswehr

Drehscheibe Deutschland: Für ein sicheres Europa

Das JSECJoint Support and Enabling Command sei wichtig, nicht nur für die Bundesrepublik, so die Ministerin. Aufgrund seiner geographischen Lage ist Deutschland als Transitland und erweitertes Operationsgebiet von zentraler Bedeutung für die Verteidigung aller europäischen NATO-Partner. „Deutschland ist die Drehscheibe der Allianz in Europa. Das JSECJoint Support and Enabling Command sichert die militärische Handlungsfähigkeit im gesamten Bündnisgebiet – für ein sicheres Europa und eine starke europäische Säule der NATO“, sagt sie.

„Wir sorgen dafür, dass militärische Kräfte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind“, erläutert Generalleutnant Jürgen Knappe, Kommandeur des JSECJoint Support and Enabling Command, die Kernaufgabe des Kommandos. Diese umfasst die Hin- und Rückverlegung von Mensch und Material in mögliche Einsatzgebiete sowie die Gewährleistung robuster Nachschub- und Versorgungsketten.

Denn die Fähigkeit, militärische Kräfte schnell innerhalb des europäischen Bündnisraums verlegen und nachhaltig unterstützen zu können, sei eine zwingende Voraussetzung für die glaubhafte Abschreckung möglicher Gegner und die wirksame Verteidigungsfähigkeit der Allianz: „JSECJoint Support and Enabling Command hält der NATO den Rücken frei und ist eines der dem Supreme Allied Commander Europe unterstellten Kommandos.“

Resilienz als gesamtstaatliche Aufgabe

Allerdings geht das Aufgabenfeld des JSECJoint Support and Enabling Command weit über militärische Logistik hinaus. Das Kommando fungiert als Schnittstelle, an dem militärisches und ziviles Wissen zusammengeführt werden – national und international. Denn ehemals für die Gesamtverteidigung vorgehaltene Strukturen und Fähigkeiten sind in den letzten Jahrzehnten in den Hintergrund gerückt. Mit der gezielten Neuausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung müssen diese Strukturen und Verfahren neu entwickelt werden: eine gesamtstaatliche, ressort- und länderübergreifende Aufgabe, die die Resilienz Deutschlands und der Bündnispartner gegen Bedrohungen stärkt.

von Simona Boyer

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