Nachgefragt

„Logistik gewinnt keine Kriege, aber ohne Logistik gehen Kriege verloren“

„Logistik gewinnt keine Kriege, aber ohne Logistik gehen Kriege verloren“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Hinter den Frontlinien des Ukrainekrieges leisten Versorgungseinheiten beider Seiten Schwerarbeit, damit ihre Kampftruppen auf dem Gefechtsfeld bestehen können. Generalmajor Gerald Funke ist Cheflogistiker der Bundeswehr. Er erklärt in „Nachgefragt“, wie der Nachschub zu den Soldatinnen und Soldaten kommt.

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Generalmajor Gerald Funke ist Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr. Funke spricht mit dem „Nachgefragt“-Moderator Hauptmann Hannes Lembke über die Bedeutung des Nachschubs für das Kriegsgeschehen in der Ukraine.

Als General für die Bundeswehrlogistik verantwortet Generalmajor Funke das gesamte Logistiksystem der deutschen Streitkräfte, als Kommandeur des Logistikkommandos setzen 18.000 Bundeswehrangehörige seine Befehle um. „Damit decke ich die ganze Aufgabenpalette der Logistik ab: Materialbewirtschaftung, den klassischen Nachschub, Materialinstandhaltung, Verkehr und Transport“, sagt Funke zu „Nachgefragt“-Moderator Hauptmann Hannes Lembke.

Am meisten habe ihn erstaunt, wie unvorbereitet die russischen Streitkräfte in den Krieg gegen die Ukraine gezogen wären, sagt der Logistik-General. Russland habe anfangs wahrscheinlich mit einem schnellen Sieg gerechnet. „Die logistische Reichweite – also die Vorräte, die sie mitgeführt haben – war offensichtlich nicht so, dass sie einen langen Krieg hätten durchhalten können. Das hat mich sehr überrascht. Da hatte ich gedacht, das machen die professioneller und umfangreicher.“ 

Logistikeinrichtungen als Hochwertziele

Nach dem vergeblichen ersten Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew stellte Russland seine Strategie um und setzt nun auf schiere Feuerkraft, um seine Ziele zu erreichen. Im Ergebnis wird in der Ukraine seit einem halben Jahr Krieg geführt, Zehntausende Menschen starben in den Materialschlachten im Donbass und der Südostukraine. 

Beide Seiten attackieren dabei auch die Nachschubwege und die Versorgungseinrichtungen des Gegners. „Logistik ist natürlich ein Hochwertziel und je mehr ich zusammen an einer Stelle habe, umso mehr ist es ein Hochwertziel: für Bedrohungen aus der Luft, Bedrohungen durch Artillerie, Bedrohungen durch Sabotage“, so Funke. Die Logistiktruppe der Bundeswehr setze daher auf ein Netzwerk vieler kleiner Depots, anstatt ihr Material an nur wenigen zentralen Stellen zu lagern. „Was ich logistisch tue, ist, dass ich auflockere: Das heißt, ich versuche, an möglichst verschiedenen Stellen etwas zu lagern.“ Verluste durch Angriffe könnten so verringert und leichter aufgefangen werden.

Verkehrsmittel flexibel nutzen

Um Kriegsmaterial zu den Soldatinnen und Soldaten zu bringen, setzt die Bundeswehr auf ein möglichst breites Spektrum an Transportmitteln. „Wir versuchen, alle Verkehrsträger zu nutzen, die sich im gegebenen Szenario anbieten“, so Funke. Mit der Eisenbahn könnten große Gütermengen in kurzer Zeit über weite Strecken befördert werden. Auch Straßen-, See- und Lufttransporte würden genutzt, wenn möglich. „Sodass ich eine hohe Diversifizierung habe und dadurch im Grunde nicht auf einen Verkehrsträger setze, sondern durch dieses Aufteilen auf verschiedene weniger verwundbar werde.“ 

Unterstützung durch den Westen wirkt

Es sei unseriös, über den Zeitpunkt eines möglichen Endes des Krieges zu spekulieren, so der Generalmajor. Klar sei nur: Ohne vernünftige Logistik gehe gar nichts. „Logistik gewinnt keine Kriege, aber ohne Logistik gehen Kriege verloren.“ So würde zum Beispiel eine Division mit etwa 15.000 Soldatinnen und Soldaten und rund 10.000 Fahrzeugen etwa 1,5 Millionen Liter Treibstoff brauchen – an jedem einzelnen Tag. 

Entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf sei, auf welche Vorräte an Munition, Ersatzteilen und neuen Fahrzeugen die Kriegsparteien zurückgreifen könnten – und wie schnell die jeweilige Industrie Nachschub produzieren könne. „Das gilt sowohl für die russische Seite als auch für die ukrainische Seite“, sagt Logistik-General Funke. ,,Jetzt profitiert die ukrainische Seite natürlich davon, dass sie sehr massiv vom Westen her unterstützt wird und dort sehr massiv auch auf sehr große Bestände zurückgreifen kann.“

von Timo Kather

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