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Funkkreis: So werden bei der Bundeswehr Panzer bekämpft

Funkkreis: So werden bei der Bundeswehr Panzer bekämpft

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN

Moderne Panzerabwehrwaffen sind eine Bedrohung für gepanzerte Fahrzeuge. Das zeigen die Bilder und Videos aus dem Krieg gegen die Ukraine eindrücklich. Zwei Experten der Infanterieschule, die Oberstabsfeldwebel Jörg Pollentzke und Andreas Neidhardt, erklären, wie Panzerabwehr funktioniert, welche Waffen die Bundeswehr dazu hat und wie sie eingesetzt werden.

Die Oberstabsfeldwebel Jörg Pollentzke und Andreas Neidhardt, beide Experten der Infanterieschule, erklären, welche Panzerabwehrwaffen die Bundeswehr besitzt, wie sie eingesetzt werden und wie Panzer bekämpft werden können
Audio-Transkription

Die Bundeswehr setzt bei den Panzerabwehrwaffen vor allem auf zwei Systeme: die Panzerfaust 3, eine einfach zu handhabende Waffe, an der jeder Heeressoldat ausgebildet wird. Spezialisierte Panzerabwehreinheiten in der Infanterie und bei den Panzergrenadieren nutzen den modernen Panzerabwehrlenkflugkörper MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System).

Hohlladungen – Gefahr auch für modernste Panzer

Das Grundprinzip beider Waffen ist dasselbe: ein Gefechtskopf mit einer Tandemhohlladung. „Eine Hohlladung besteht aus einer Kupfereinlage, die mit Sprengstoff hinterlegt ist“, erklärt Oberstabsfeldwebel Andreas Neidhardt. Wird diese gezündet, entwickelt sich ein Kupferstrahl mit extrem hoher Geschwindigkeit und Druck, der die Panzerung durchdringt. „Die beiden hintereinander angeordneten Hohlladungen der Panzerfaust 3 durchschlagen auch modernste reaktive Panzerungen.“

Panzerfaust 3 – die Waffe für jeden Soldaten 

Die rund 13 Kilogramm schwere Panzerfaust 3 ist eine einfach zu bedienende, rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe.  „Da ist sogar eine Bedienungsanleitung aufgedruckt, die es jedem einzelnen Schützen ermöglicht, die Waffe einzusetzen“, erläutert Neidhardt. Mit der Panzerfaust können Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge bis zu einer Entfernung von 400 Metern bekämpft werden. Das Griffstück mit der daran befestigten Zieloptik kann nach dem Schuss mit einer neuen Patrone wiederverwendet werden.

Soldaten aus dem Panzervernichtungstrupp mit der Panzerfaust 3

Einzelne Panzerfahrzeuge werden mit einem Panzervernichtungstrupp mit Panzerfaust 3 bekämpft. Grundsätzlich ist jeder Heeressoldat an der Panzerabwehrhandwaffe ausgebildet.

Bundeswehr/Carl Schulze
Zwei Soldaten schießen das Panzerabwehrsystem MELLS ab

Das moderne Panzerabwehrlenkflugkörpersystem MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System wird über ein Glasfaserkabel gesteuert, dass nach dem Abschuss abrollt. Der Schütze kann so den Lenkflugkörper bis ins Ziel lenken.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System – moderner Panzerabwehrlenkflugkörper

Im Gegensatz zur Panzerfaust 3 wird MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System von speziell ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten eingesetzt. Das moderne Panzerabwehrlenkflugkörpersystem kann bewegliche Ziele auch auf größere Entfernungen bis 4.000 Metern zerstören. Der Lenkflugkörper wird dabei über ein nach dem Abschuss abrollendes Glasfaserkabel gesteuert.

„Der große Vorteil ist, dass ich über meine Waffenanlage quasi mitfliege – dort sehe ich das Bild der Kamera im Flugkörper“, erklärt Oberstabsfeldwebel Jörg Pollentzke. MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System kann aber auch im Fire-and-forget-Modus eingesetzt werden. Nach der Zuweisung des Zieles durch die Schützin oder den Schützen steuert der Lenkflugkörper dann selbstständig bis zum Einschlag. Die Bediener können in dieser Zeit schnell die Stellung wechseln.

Gute Ausbildung ist das A und O 

Mindestens genauso wichtig wie eine moderne Ausrüstung zur Panzerabwehr ist die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten, sind sich die beiden Oberstabsfeldwebel einig. „Dazu gehört auch die Panzererkennung – also ist mein Gegner ein Schützenpanzer, ein Kampfpanzer, hat er vielleicht sogar ein modernes aktives Schutzsystem“, sagt Pollentzke. Davon hänge letzten Endes das taktische Vorgehen ab.

„Bei einem Panzer mit aktivem Schutzsystem muss ich etwa mehrere Panzerfäuste einsetzen, die aus verschiedenen Richtungen das Ziel gleichzeitig bekämpfen, damit das Schutzsystem des Zieles übersättigt wird“, erklärt Oberstabsfeldwebel Neidhardt.

von Björn Lenz

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