Tagesbefehl zur Evakuierungsoperation Kabul

Tagesbefehl zur Evakuierungsoperation Kabul

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
2 MIN

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Soldatinnen und Soldaten, Reservistinnen und Reservisten,
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Wir alle verfolgen die aktuellen Berichte und Bilder aus Afghanistan mit Schrecken und Trauer. Der Fall von Kundus, Masar-i Scharif und nun auch Kabul trifft all jene besonders hart, die dort im Einsatz waren.

Mehrere Soldaten stehen vor der offenen Laderampe eines Transportflugzeuges vom Typ A400M am Flughafen in Taschkent

Deutsche Fallschirmjäger beim Einsteigen in den A400M in Taschkent

Bundeswehr/Marc Tessensohn

In den vergangenen 20 Jahren haben wir dafür gekämpft, dass von Afghanistan keine terroristische Gefahr mehr ausgeht. Und wir haben uns dafür eingesetzt, dass das Land eine Perspektive bekommt und dauerhaft Frieden finden kann. Die sichtbaren Fortschritte in Armee und Gesellschaft hatten uns Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung gegeben. Nun müssen wir erkennen, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt.

Dass viele Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre durch die Taliban nun zurückgeschraubt werden und sich unsere Anstrengungen nicht auszahlen, ist schmerzhaft und erschütternd. Für eine abschließende Bilanz ist es zu früh, aber wir dürfen trotz des bitteren Endes heute sagen: 20 Jahre war Afghanistan sicherer als zuvor. Die afghanische Bevölkerung hatte durch unsere Präsenz in den vergangenen Jahren eine Chance auf Freiheit bekommen. Dass die Bundeswehr alleine sie nicht dauerhaft würde garantieren können, war von Beginn an klar. Dass es so wenig Widerstand bei ihrer Verteidigung gab, ist für uns ein Schock.

Um deutsche Staatsangehörige, aber auch unsere ehemaligen Ortskräfte in dieser dramatischen Lage zu schützen, haben wir gestern Evakuierungskräfte nach Kabul entsandt. Sie errichten nun eine Luftbrücke, um die Betroffenen vor Ort in Sicherheit zu bringen. Es handelt sich dabei um Kräfte, die speziell für Evakuierungsaufgaben ausgebildet sind. Sie verfügen über alle operativen Freiheiten, um vor Ort eigenständig zu entscheiden, wie sie ihren Auftrag in dieser außerordentlichen Lage ausführen. Sie haben unser volles Vertrauen und unseren Rückhalt.

Die Bundeswehr hat in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan die militärischen Aufträge erfüllt, die ihr der Deutsche Bundestag erteilt hat. Sie hat Freiräume erkämpft und gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften operiert. Alle Afghanistanveteranen können ungeachtet der aktuellen Entwicklungen mit Stolz auf ihren Dienst und ihre Leistungen blicken. Dadurch ehren Sie auch all jene, die im Einsatz gestorben und gefallen oder an Leib und Seele verwundet wurden.

Das letzte Wort über unser Engagement wird erst in der Zukunft gesprochen, wenn alle langfristigen Auswirkungen offen liegen. Heute gilt unser Augenmerk der Operation in Afghanistan und ihrem erfolgreichen Ausgang. Unsere Gedanken sind deshalb in diesen Stunden bei den Frauen und Männern, die diesen gefährlichen Auftrag ausführen und auch bei denen, die vor Ort auf Rettung warten.


Annegret Kramp-Karrenbauer                                            Eberhard Zorn
Bundesministerin der Verteidigung                                   General

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