NATO Response Force

VJTFVery High Readiness Joint Task Force : Die Speerspitze der schnellen NATO-Eingreiftruppe

Die VJTFVery High Readiness Joint Task Force bündelt die am schnellsten einsetzbaren Krisenreaktionskräfte der NATO. Sie ist immer multinational aufgestellt und wird von einer jährlich wechselnden Leitnation geführt, derzeit von Deutschland. Die VJTFVery High Readiness Joint Task Force ist Teil der kollektiven Verteidigung der Allianz und wird im Ernstfall direkt vom NATO-Oberbefehlshaber in Europa aktiviert.

Mehrere Fahrzeuge stehen auf einem großen Platz bei tiefstehender Sonne. Dunst liegt in der Luft.

Seit dem 1. Januar 2023 ist Deutschland Leitnation für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), die Speerspitze der schnellen Eingreiftruppe NATO Response Force (NRFNATO Response Force). Die VJTFVery High Readiness Joint Task Force zeichnet sich durch besonders kurze Alarmierungszeiten aus und wurde 2014 von der NATO als Reaktion auf die völkerrechtswidrige russische Annexion der ukrainischen Krim aufgestellt.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 verlegten im vergangenen Jahr erstmals VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Kräfte zu Abschreckung und zum Schutz der NATO-Grenzen nach Rumänien. Die Führung der VJTFVery High Readiness Joint Task Force obliegt wechselnden NATO-Bündnispartnern. 2022 war Frankreich Leitnation. Deutschland steht nun nach 2019 zum zweiten Mal an der Spitze der multinationalen Verbände. 2024 will Großbritannien die Verantwortung für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force übernehmen. 

Ein Soldat im Porträt
Brigadegeneral Alexander Krone, Kommandeur VJTF Land 2023 /Kommandeur der NRF 2022-2024 Bundeswehr/Anne Weinrich
Die NRFNATO Response Force ist die Reaktion auf sicherheitspolitische Entwicklungen, die die NATO-Bündnispartner sowie das Bündnisgebiet bedrohen.

Den Kern der Landkomponente der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 bildet die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg, Sachsen, ergänzt durch weitere Kräfte aus dem Heer, dem Sanitätsdienst, der Streitkräftebasis sowie dem Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum – insgesamt rund 8.000 Soldatinnen und Soldaten. Die NATO-Mitglieder Belgien, Tschechien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Slowenien stellen rund 3.500 Soldatinnen und Soldaten bereit, sodass die deutsch geführte VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land rund 11.500 Soldaten aus neun Nationen umfasst. 

Die Führung des maritimen Anteiles der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 hat die deutsche Marine am 6. Januar 2022 von der niederländischen Marine übernommen. Der deutsche Beitrag umfasst bis zu 700 Marinesoldatinnen und -soldaten. Die Luftwaffe stellt rund 2.600 Soldatinnen und Soldaten für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force bereit. Weitere Kräfte stammen aus der Streitkräftebasis, dem Sanitätsdienst und dem Kommando CIRCyber- und Informationsraum.

Zudem führt die Bundeswehr erstmals das multinationale Spezialkräftehauptquartier, das Special Operations Component Command. Insgesamt stehen mehr als 16.700 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 bereit.

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Fragen und Antworten zur VJTFVery High Readiness Joint Task Force

Was ist die VJTFVery High Readiness Joint Task Force , wie wird sie eingesetzt und was ist mit dem Parlamentsvorbehalt?  Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier: 

Die NATO Response Force (NRFNATO Response Force) ist seit 2004 die schnelle Eingreiftruppe der NATO. Mit der NRFNATO Response Force kann das Bündnis weltweit kurzfristig und wirksam auf sich entwickelnde Krisen und Konflikte reagieren. Die NRFNATO Response Force ist immer multinational aufgestellt und umfasst rund 50.000 Soldatinnen und Soldaten aus Land-, Luft- und Seestreitkräften sowie der Unterstützungs- und Spezialkräfte. 

Die Kräfte der NATO Response Force müssen unterschiedlich schnell in ein Einsatzgebiet verlegen können. Den höchsten Bereitschaftsgrad innerhalb der NRFNATO Response Force hat die 2014 aufgestellte Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ). Als sogenannte Speerspitze der NATO muss sie innerhalb von zwei bis sieben Tagen einsatzbereit sein. 

Jede VTJF umfasst militärische Kräfte und Fähigkeiten verschiedener NATO-Bündnispartner. Dabei sind nicht nur die Kampfverbände, sondern auch die Kommandoebene multinational aufgestellt. Ein Mitglied der Allianz fungiert als Leit- oder Rahmennation, meist das Land, das am meisten Soldaten und Soldatinnen beisteuert. 

Deutschland beteiligt sich regelmäßig an der schnellen Eingreiftruppe, als Leitnation zuletzt 2019 mit rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten. An der deutsch geführten VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land 2023 sind neun Nationen beteiligt: Belgien, Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Lettland, Litauen, Luxemburg, Slowenien und Tschechien.

Deutschland stellt insgesamt mehr als 16.700 Soldatinnen und Soldaten für die NRFNATO Response Force 2022-24 beziehungsweise die VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 bereit, davon rund 6.700 aus dem Heer, rund 2.600 aus der Luftwaffe, bis zu 700 aus der Marine, bis zu 1.300 aus der Streitkräftebasis, rund 750 aus dem Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum und rund 1.800 aus dem Sanitätsdienst.

Hinzu kommen rund 3.000 weitere nationale Unterstützungskräfte, unter anderem aus den Bereichen Logistik, ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr, Informationstechnik, Sanitätsdienst und der Feldjägertruppe. 

Alle beteiligten Einheiten haben in den vergangenen zwei Jahren eine umfangreiche Vorbereitung durchlaufen und sind als combat ready (einsatz- und gefechtsbereit) nach NATO-Standards zertifiziert.

Zur NRFNATO Response Force gehören grundsätzlich immer Land-, Luft- und Seestreitkräfte, Spezial- und Unterstützungskräfte. Sie ist zur autarken Operationsführung in einem Einsatzgebiet befähigt. So muss beispielsweise die VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land als Teil der NRFNATO Response Force nach den Vorgaben der NATO die Stärke einer Kampfbrigade haben – eines autark einsatzfähigen Großverbandes, zu dem noch Unterstützungskräfte treten.

Zur deutsch geführten VTJF Land 2023 gehören daher ein deutscher, ein niederländischer und ein norwegischer Gefechtsverband, ein weiteres niederländisches Bataillon sowie teils multinational aufgestellte Aufklärungs-, Artillerie-, Versorgungs- und Pionierverbände sowie ein Einsatzverband der Heeresflieger.  Hinzu kommen Unterstützungskräfte aus der Streitkräftebasis beispielsweise Feldjäger und Logistiker, aus dem Sanitätsdienst sowie dem Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum

Die deutsche Marine stellt für den maritimen Anteil der VJTFVery High Readiness Joint Task Force unter anderem Fregatten, Versorger und Tanker sowie Minenabwehreinheiten und Seefernaufklärer bereit. Die Luftwaffe unterstützt die VJTFVery High Readiness Joint Task Force mit den Fähigkeiten Luftangriff und -verteidigung, bodengebundene Flugabwehr und Lufttransportkapazitäten.

Die NATO Response Force einschließlich ihrer Speerspitze VJTFVery High Readiness Joint Task Force ist Teil der kollektiven Verteidigungs- und Abschreckungsmaßnahmen der NATO. Nach dem sogenannten 360-Grad-Ansatz der NATO kann sie zur Krisen- und Konfliktbewältigung weltweit zum Einsatz kommen. Aktiviert wird die NRFNATO Response Force durch den NATO-Oberbefehlshaber in Europa (SACEURSupreme Allied Commander Europe ), General Christopher G. Cavoli. 

2022 hat der damalige SACEURSupreme Allied Commander Europe -General Tod E. Wolters nach dem völkerrechtswidrigen Angriffes Russlands auf die Ukraine die Alarmierungs- und Bereitschaftszeiten der NRFNATO Response Force verkürzt. Teile der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land, damals unter französischer Führung, ließ er als Defensivmaßnahme nach Rumänien verlegen. 

Grundsätzlich sind NRFNATO Response Force und VJTFVery High Readiness Joint Task Force dem NATO-Oberbefehlshaber in Europa (SACEURSupreme Allied Commander Europe ) unterstellt. Dieses Amt übernimmt immer ein USUnited States-General, derzeit General Christopher G. Cavoli. Die truppenstellenden NATO-Bündnisnationen übertragen dem SACEURSupreme Allied Commander Europe für die Dauer der VJTFVery High Readiness Joint Task Force die Befugnis, über die gemeldeten militärischen Kräfte zu verfügen (operational control). Vereinfacht gesagt, entscheidet der SACEURSupreme Allied Commander Europe nach einem politischen Abstimmungsprozess, wann wie schnell welche Einsatzkräfte wohin verlegen und welchen Auftrag sie dort wahrnehmen. 

Eine Zwischenebene bildet das I. Deutsch-Niederländische Corps in Münster als Land Component Command der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 Land. Dem multinationalen Component Command obliegt die taktische Kontrolle über die eingesetzten Kräfte. Zu seinen Aufgaben zählt unter anderem die Verknüpfung von Land- und Luftstreitkräften in der Operationsführung (Joint Air Land Integration). 

Die militärischen Kommandobefugnisse im Einsatzraum (Operational Command) verbleiben bei der nationalen militärischen Führung. Im Fall der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land Brigade 2023 sind neben deutschen auch niederländische, belgische und norwegische Soldatinnen und Soldaten in die Kommandostäbe integriert. Kommandeur der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land 2023 ist Brigadegeneral Alexander Krone in seiner Funktion als Kommandeur der Panzerbrigade 37. 

Die NATO Response Force und damit auch die VJTFVery High Readiness Joint Task Force zählen nicht zu den mandatierungspflichtigen Einsätzen im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes. Rechtsgrundlage für die deutsche Beteiligung ist die Mitgliedschaft der Bundesrepublik in der NATO. Das heißt: Der Bundestag muss dem Engagement nicht ausdrücklich zustimmen – anders als bei bewaffneten Auslandseinsätzen im Konflikt- und Krisenmanagement wie beispielsweise in Mali. 

Alle für die NRFNATO Response Force geplanten Kräfte der truppenstellenden Nationen werden für die Dauer des Engagements dem SACEURSupreme Allied Commander Europe , dem NATO-Oberbefehlshaber, unterstellt. Der SACEURSupreme Allied Commander Europe fällt – nach vorherigem politischem Austausch – die Entscheidung über deren Einsatz. Es besteht jedoch ein nationales Vetorecht durch den sogenannten Red-Card-Holder. 

Kräfte für die NRFNATO Response Force stellt eine Nation grundsätzlich für drei Jahre bereit. In diesem Zeitraum variieren die Einsatzbereitschaftsgerade und damit die sogenannten Marschbefehlzeiten (Notice to Move), also die Zeitspanne, nach der Einsatzkräfte abmarschbereit und Material verlegefähig sein müssen. Das Spektrum erstreckt sich von sehr hoher (Very High Readiness Joint Task Force/VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) über hohe (Initial Follow-on Forces Group/IFFG) hin zu abgestufter Einsatzbereitschaft (Follow-on Forces Group/FFG). 

Im ersten Jahr, der Stand-up-Phase (Vorbereitungs- und Zertifizierungsphase), liegt die Notice-to-Move-Zeit bei 45 Tagen. Im zweiten Jahr, der Stand-by-Phase (Alarmbereitschaftsphase), sind es zwei bis sieben Tage, im dritten Jahr, der Stand-down-Phase (Nachbereitungsphase), 30 Tage. Wichtig: Die VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Kräfte führen so viel Material mit sich, dass sie in einem Einsatzgebiet bis zu 30 Tage autark agieren können, bevor sie logistische Unterstützung aus der Heimat benötigen.

Das für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land 2023 geplante Großgerät umfasst Kampfpanzer Leopard A7V, Brückenlegepanzer Leguan, Panzerhaubitze 2000, Schützenpanzer Marder sowie Schützenpanzer Puma. Während einer Übung Mitte Dezember 2022 waren jedoch wegen technischer Defekte 18 Schützenpanzer Puma ausgefallen. 

Alle eingeplanten Puma werden daher vorerst durch 28 Schützenpanzer Marder ersetzt. Die zusätzlichen Marder wurden in den VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Planungen als Alternative vorgehalten und sind ebenfalls für die NATO zertifiziert. Damit ist das jetzt für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force bereitgestellte Großgerät grundsätzlich voll einsatzbereit. 

Der Ausfall wirkt sich also nicht auf die Einsatzbereitschaft der deutschen VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Kräfte und damit der VJTFVery High Readiness Joint Task Force insgesamt aus.

In der Regel beträgt die Vorbereitungs- und Qualifizierungsphase für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force zwei Jahre. Entsprechend früher beginnen die Planungen, da die truppenstellenden Nationen ihre Kräfte und Fähigkeiten verbindlich an die NATO melden. Deutschland stand somit als Leitnation der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 lange vor dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 fest. 

Die deutschen Beiträge zu den Rückversicherungs- und Abschreckungsmaßnahmen an der Ostflanke erfolgen derzeit nicht im Rahmen der VJTFVery High Readiness Joint Task Force , sondern im Rahmen der einsatzgleichen Verpflichtungen enhanced Forward Presence in Litauen und enhanced Vigilance Activities in Litauen und der Slowakei.

Die militärischen Kommandobefugnisse im Einsatzraum (Operational Command) verbleiben bei der nationalen militärischen Führung. Im Fall der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land Brigade 2023 sind neben deutschen auch niederländische, belgische und norwegische Soldatinnen und Soldaten in die Kommandostäbe integriert. Kommandeur der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Land 2023 ist Brigadegeneral Alexander Krone in seiner Funktion als Kommandeur der Panzerbrigade 37. 

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