Die Wächter auf den Mauern: Die Männer und Frauen der Kundus-Kompanie

Die Wächter auf den Mauern: Die Männer und Frauen der Kundus-Kompanie

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Afghanistan
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Der Blick reicht weit ins Land an diesem heißen Vormittag in Masar-i Scharif. Ab und an fährt auf der Landstraße ein Lastwagen vorbei, jenseits der Straße zieht eine Gruppe Dromedare gemächlich von links nach rechts. Dahinter erstrecken sich die kargen Hügel bis zu den Bergen des Marmal-Gebirges. Alltag für die Turmbesatzung der Kundus-Kompanie.

Zwei Soldaten, von hinten zu sehen, sitzen in einem Wachturm

Acht Stunden auf dem Turm: Die Turmbesatzungen wechseln schichtweise – damit es nicht langweilig wird, dienen sie auf allen Türmen des Lagers

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Acht Stunden dauert eine Schicht der Soldaten und Soldatinnen auf den Wachtürmen rund um das Camp Marmal. „Mit dem richtigen Turmbuddy kann man das aushalten“, sagt Hauptfeldwebel Christoph P*. Der 27-Jährige ist Gruppenführer und stellvertretender Zugführer in der Kundus-Kompanie vom multinationalen Force Protection Battalion. „Man lernt die Bevölkerung vom Turm aus der Entfernung kennen – ihre Tagesabläufe und Verhaltensweisen.“ Die Beobachtung jeder Bewegung in der Umgebung des Feldlagers ist der Kernauftrag der Turmbesatzungen. Verdächtiges wird an die TOCTactical operation cell gemeldet – den Gefechtsstand. Jede Person wird aufmerksam im Blick behalten. Ausspähversuche kommen häufiger vor. „Ab und zu verhält sich schon ein Fahrzeug verdächtig, indem es sehr langsam fährt – manchmal erkennt man auch, dass gefilmt wird.“

Ein Auftrag im Wandel

Für Major Daniel A*. und seine Männer und Frauen der Kundus-Kompanie ist das Sicherstellen der statischen Lagerverteidigung der letzte Auftrag eines langen Einsatzes. „Mit zwei unserer drei Züge bin ich seit Dezember 2020 hier in Afghanistan“, erzählt der Kompaniechef. Bis Mai war seine Kompanie dafür zuständig, die internationalen advisers bei ihren Beratungseinsätzen in Kundus zu sichern – daher der Name der Kompanie. Wie die Angehörigen der Masar-i Scharif-Kompanie stammt der Großteil der Soldaten und Soldatinnen aus dem Panzergrenadierbataillon 212 in Augustdorf. „Das macht es schon einfacher, dass wir mit einem guten Teil des Bataillons hier sind und auch unser Kommandeur hier die Force Protection führt.“

Blick durch einen Zaun auf einen fahrenden Lastwagen in einer Wüstenlandschaft

Alles im Blick: Von den Wachtürmen rund um das Lager können die Turmbesatzungen jede Bewegung schon auf weite Entfernung erkennen

Bundeswehr/Torsten Kraatz
Blick durch einen Zaun auf Rennmäuse vor Mauseloch im Boden

Die großen Rennmäuse haben ihre Kolonie direkt vor der Lagermauer. Willkommene Abwechslung für die Soldaten und Soldatinnen auf den Türmen.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Corona erhöht die Belastung

Der 36-Jährige Kompaniechef hatte wie viele seiner Männer und Frauen zuletzt im August vergangenen Jahres die Chance, längere Zeit mit seiner Familie zu verbringen. „Die coronabedingten Isolationsmaßnahmen haben unsere Einsatzvorbereitung natürlich deutlich verlängert“, erzählt er. Zudem sei lange nicht sicher gewesen, ob die Kompanie überhaupt in den Einsatz gehen würde. Dennoch ist die Stimmung bei den Männern und Frauen gut, zumal das Ende des Einsatzes absehbar ist. „Der Auftrag der statischen Lagersicherung ist gut planbar, das hilft“.

Soldat im Porträt
Kompaniechef Major Daniel A.
„Die coronabedingten Isolationsmaßnahmen haben unsere Einsatzvorbereitung natürlich deutlich verlängert“

Große Rennmäuse als Nachbarn

Die Besatzungen dienen reihum auf allen Türmen, das sorgt für mehr Abwechslung. Einige Türme an der südlichen Lagermauer haben zudem besondere Nachbarn: Vor der Lagermauer liegt eine Kolonie von großen Rennmäusen – Gerbils genannt. Die knapp 20 Zentimeter großen Nager zeigen sich ohne Scheu, aber stets wachsam vor den häufig vorkommenden Raubvögeln. „Einige Turmbesatzungen haben den Mäusen sogar Namen gegeben“, schmunzelt Hauptfeldwebel Christoph P.

*Name zum Schutz der Soldaten abgekürzt.

von Björn Lenz

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