Wenn es darauf ankommt, sind sie da

Wenn es darauf ankommt, sind sie da

  • Katastrophenhilfe
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

Sie haben die Leute, sie haben die Erfahrung – und sie haben die Ausrüstung: Die Hilfe der Streitkräfte ist bei Katastrophen und Krisen im Inland wie im Ausland gefragt.

Soldaten beseitigen die Schneemassen auf einem Krankenhausdach

Bei der Schneekatastrophe in Bayern im Januar 2019 unterstützen Soldaten bei der Beseitigung von Schneemassen auf einem Krankenhausdach.

Bundeswehr/Jonas Weber

Die Bundeswehr ist weltweit an der Seite ihrer Verbündeten im Einsatz. Daran haben sich die Bürger längst gewöhnt. Dass die Soldatinnen und Soldaten auch im Inland in Aktion treten, ist für die Deutschen hingegen noch immer etwas Besonderes.

Soldatinnen und Soldaten sind Beta-Tester für Tracing-Software, packen beim Aufbau eines Notfallkrankenhauses mit an oder stellen medizinisches Personal und Material im Rahmen der Unterstützung ziviler Behörden zur Verfügung: Die Angehörigen der Bundeswehr helfen in der Coronakrise dort, wo sie am meisten gebraucht werden.

Sie leisten tatkräftig Unterstützung, bringen ihre medizinische und logistische Expertise ein, stellen Fahrzeuge und Technik zur Verfügung. Die Bundeswehr hat dabei den Anspruch, jederzeit auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein – wozu auch die Krisenbewältigung gehört. Ganz gleich, ob es um die Eindämmung des Coronavirus hierzulande oder die Hilfe für Hurrikanopfer auf den Bahamas geht: Bei Krisen und Katastrophen kann die Bundeswehr ihre Stärken unter Beweis stellen.

Die Bundeswehr hat das Personal

Rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten dienen in der Bundeswehr. Jede Soldatin und jeder Soldat hat gelobt oder geschworen, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ – wenn nötig, auch unter Einsatz des eigenen Lebens. Auf Extremsituationen sind Soldatinnen und Soldaten vorbereitet, schwere körperliche Arbeit sind sie gewohnt. Flexibel verfügbar sind die Uniformierten auch: Jetzt gerade stehen die Bundeswehrangehörigen bereit, um in der Coronakrise technische/medizinische und logistische Hilfe zu leisten. Zudem haben sich tausende Reservistinnen und Reservisten freiwillig gemeldet, um zu helfen.

Bei der Hochwasserkatastrophe 2013 war die Bundeswehr im Einsatz, um die Fluten und die Folgen der Überschwemmungen einzudämmen. Seite an Seite mit Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Polizei füllten Soldaten Sandsäcke und arbeiteten an den Deichen. Sie befestigten Flussufer und retteten Menschen aus den Fluten. Auch in der Flüchtlingskrise leisteten die Uniformierten ihren Teil: Rund 9.000 Bundeswehrangehörige halfen 2015 und 2016 bei der Registrierung, Unterbringung und Versorgung zehntausender Menschen.

Die Bundeswehr hat die Erfahrung

Der Soldatenberuf setzt die Bereitschaft voraus, sich zum Schutz anderer in Gefahr zu begeben und unter extremen Bedingungen in Kriegs- und Krisengebieten zu arbeiten. Zudem haben viele Soldatinnen und Soldaten einen zivilen Beruf erlernt: Sie sind beispielsweise Krankenpfleger, Monteure, Kraftfahrer oder Lageristen – und können ihre beruflichen Fähigkeiten auf ihren Dienstposten deshalb im Krisenfall besonders gut zur Geltung bringen.

Einige Sanitätssoldaten haben zudem schon vor der Corona-Pandemie Erfahrungen mit der Bekämpfung eines tückischen Virus sammeln können: Als das Ebola-Virus 2014 ausbrach, gingen 15 Sanitätssoldaten mit dem Deutschen Roten Kreuz nach Westafrika. Die Luftwaffe flog 825 Tonnen Hilfsgüter nach Liberia und die Ausrüstung für ein provisorisches Krankenhaus wurde zur Verfügung gestellt.

Zwei Betten in einem Krankenhauszimmer

Mit dem Erweitern der Behandlungsplätze bereitet sich das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg auf die Coronavirus-Pandemie vor.

Bundeswehr/Sandra Herholt

Das Zusammenspiel ziviler und militärischer Kräfte funktioniert aber nicht nur im medizinischen Bereich, in dem unter  anderem die Bundeswehrkrankenhäuser mit ihren 2.000 Betten voll in die öffentliche Gesundheitsversorgung eingebunden sind: Derzeit sind vier von fünf Krankenhausbetten der Bundeswehr mit zivilen Patienten belegt. So werden zum Beispiel auf der Isolations- und Intensivstation im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg auch vermehrt infektiöse Corona-Patientinnen und -Patienten aufgenommen.

Die Bundeswehr hat die Ausrüstung und Struktur

Die Bundeswehr muss jederzeit in der Lage sein, Land und Leute zu beschützen. Dafür bewirtschaftet sie ein gewaltiges Arsenal an Fahrzeugen, Ausrüstungsgegenständen und Vorräten – die Truppe verfügt über Feldlazarette und Feldküchen, Laster und Transporthubschrauber, Zelte und Schutzausrüstung. Was nicht da ist, kann kurzfristig beschafft werden – dafür hat die Bundeswehr entsprechende Strukturen: Das Beschaffungsamt der Bundeswehr stellt in der Corona-Krise Schutzmasken für Ärzte und Pfleger bereit.

Schweres Gerät der Streitkräfte kommt regelmäßig in den Wintermonaten in den alpinen Regionen Bayerns zum Einsatz. Zuletzt wurden im Januar 2019 rund 2.500 Bundeswehrangehörige mit Hunderten von Fahrzeugen bei der Operation Schneelage eingesetzt, nachdem in mehreren Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst und die Bundeswehr um Unterstützung gebeten worden war. Die Soldatinnen und Soldaten räumten Straßen und Dächer und transportierten mehrere tausend Tonnen Schnee ab, bevor Entwarnung gegeben wurde.

Im Fall der Fälle auch in Übersee

Wenn auch unter anderen Bedingungen unterstützt die Bundeswehr gleichermaßen im Ausland bei Katastrophen. Der wohl ungewöhnlichste Hilfseinsatz der letzten Jahre fand im vergangenen September auf den Bahamas statt. Angehörige des Seebataillons halfen bei Aufräum- und Bergungsarbeiten, nachdem ein Hurrikan den Inselstaat verwüstet hatte. Geplant war der Einsatz nicht: Eigentlich waren die Soldatinnen und Soldaten mit einem niederländischen Schiff auf dem Weg zu einer Katastrophenschutzübung. Das Material für den Hilfseinsatz – unter anderem Hägglunds-Kettenfahrzeuge – hatten die Marinesoldaten für die Übung dabei. Als Bundesregierung von der Katastrophe auf den Bahamas erfuhr, wurde kurzerhand umdisponiert.

Im September 2019 wurde aus einer Katastrophenschutz-Übung ein scharfer Einsatz. Das Seebataillon der Bundeswehr leistete nach dem verheerenden Hurrikan „Dorian“ spontan Nothilfe auf den Bahamas. Kontingentführer Kapitänleutnant Martin Erler und Stabsbootsmann Jens Hageböcker vom Sanitätstrupp sprachen mit Barbara Gantenbein von der Redaktion der Bundeswehr darüber, was sie im Katastrophengebiet erlebten.
von Timo Kather