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Precise Response 2022

ABC-Abwehr: Deutsche Kräfte beweisen sich für die NRF 23

Ein Jahr lang immer bereit sein – bereit für den weltweiten Einsatz. Das steht einem Teil der ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr im Jahr 2023 bevor. Denn Deutschland führt dann den ABC-Abwehrverband der NATO Response Force. Zuvor muss die Truppe ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen – und dienstlich wie privat gut planen.

Soldaten in Schutzanzügen und mit ABC-Schutzmasken laufen mit ihrer Ausrüstung über ein Übungsgelände.

Bundeswehr/Amina Vieth

Auf dem Prüfstand

Die NATO Response Force (NRF), die schnelle Eingreiftruppe des Bündnisses, setzt sich zusammen aus unterschiedlichen Truppenteilen der Mitgliedstaaten. Die Länder wechseln sich ab, wer für welchen Zeitraum welche militärischen Fähigkeiten beisteuert. Für 2023 stellt die Bundeswehr einen signifikanten Teil der ABC-Abwehr-Taskforce. Der Großteil dieser Kräfte kommt vom ABC-Abwehrbataillon 7 aus Höxter. Dieses stellt unter anderem den Stab und mit der 2. Kompanie eine ABC-Abwehrkompanie.

Die 2. Kompanie des ABC-Abwehr-Regimentes 1 aus Strausberg wird die Laborkompanie leiten, dazu gehören die ABC-Labore und die Probennahme-Teams. Die Versorgung gewährleistet die 1. Kompanie aus Höxter. An der gesamten Taskforce sind auch noch Italien, Spanien und andere NATO-Partner und verbündete Nationen beteiligt, aber mit einem deutlich geringeren Anteil.

Ein Teil der deutschen Beteiligten übt bei Precise Response 2022 in Kanada zusammen mit Truppenteilen aus zwölf weiteren Staaten. Mit 32 Soldatinnen und Soldaten ist die Bundeswehr vertreten. Die Gastgeber stellen die deutschen Kräfte dabei auf den Prüfstand. Denn sie müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, um ihren ganz besonderen Auftrag im Jahr 2023 übernehmen zu können. Neben dem allgemeinen Training gibt es für die deutschen Spezialistinnen und Spezialisten also noch zusätzliche Aufgaben – für jeden Bereich.

Prüfer sind immer mit dabei

„Im A-Labor, dem Labor für die Bestimmung atomarer Stoffe, müssen Mystery-Proben analysiert werden“, so Major Yves H.* Dabei handelt es sich um Proben, die ohne die Vorarbeit eines ABC-Aufklärungstrupps eingereicht und vom Team des A-Labors analysiert werden müssen. „Die Kanadier kontrollieren dann, ob alles richtig gemacht wurde“, erläutert H. Er führt die 2. Kompanie aus Höxter und leitet die deutschen Kräfte bei Precise Response 2022. Bei der NRF 23 wird er der Kompaniechef einer der multifunktionalen ABC-Abwehrkompanien sein. 

Die Frauen und Männer der Probennahme stehen unter den besonders wachsamen Augen der kanadischen Beobachter, die bei jedem Durchgang in den verschiedenen Szenaren dabei sind. Das gilt auch für das EOD-Team, das die Schauplätze von Kampfmitteln befreit, bevor der Erkundungs- und Probennahmetrupp, auch SIBCRA-Team genannt, an die Arbeit gehen kann. „Ein unabhängiger Prüfer muss nachweisen, dass wir die geforderten Erwartungen, die die NATO an die ABC-Abwehrkräfte stellt, erfüllen“, erklärt H. „Es wird nicht haarklein vorgeschrieben, wie wir den Auftrag zu erfüllen haben, aber wir müssen in der Lage sein, ihn zu erfüllen im Rahmen der NATO-Vorschriften.“ Sorge, dass seine Kräfte diese Prüfungen nicht bestehen, macht sich H. nicht. „Wir sind so ausgebildet, dass wir mehr als nur die Grundanforderungen erfüllen. Ich habe vollstes Vertrauen in meine Soldatinnen und Soldaten.“  

Eine hohe Expertise mache Deutschland zu einer der führenden Armeen in der ABC-Abwehr. Andere NATO-Partner, wie beispielsweise die Niederlande, kommen regelmäßig zu Übungen nach Deutschland und lassen sich ausbilden. „Die Niederländer haben auch eine sehr starke ABC-Abwehr“, weiß H. aus gemeinsamen Übungen und seiner Zeit an der Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Aufgaben in Sonthofen. „Die Zusammenarbeit ist sehr eng.“

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Armeen. In einigen anderen Streitkräften werde die ABC-Abwehr im Nebenamt ausgeführt, so H. „Das sind dann beispielsweise Pioniere, die dann auch noch ABC-Abwehr machen. Das ist in der Bundeswehr anders, in der Fachlichkeit können wir uns auf die Aufgabe ABC-Abwehr spezialisieren.“

Ein Soldat arbeitet konzentriert an einem Laptop in einem Labor.

Die Werte im Blick: Hauptmann Roman L.* wertet im A-Labor die Probe des atomaren Kampfstoffes aus

Bundeswehr/Amina Vieth

Jeden Tag erreichbar sein

Vier Wochen dauert die Übung – und ebenso lange die Zertifizierung. Gefordert sind Präzision, Expertise, Durchhaltevermögen und Teamarbeit. Denn die Aufgaben verlangen den Frauen und Männern geistig und körperlich viel ab. Wer nicht im Gefechtsstandstab ist, sondern direkt am Ort des Geschehens, muss sich unter Vollschutz fortbewegen: in einem Ganzkörperanzug, der vor den ABC-Kampfstoffen schützt, unter einer ABC-Schutzmaske und im Gepäck natürlich die diversen Geräte, Behälter für die Proben sowie Kamera und Protokolle für die Dokumentation. Wer sich unter diesen Umständen bei Precise Response bewährt, ist wirklich fit genug für die NRF.

Doch nicht nur dienstlich ist es eine Herausforderung, zu einer schnellen Eingreiftruppe zu gehören. Auch privat gehen die Soldatinnen und Soldaten damit eine Verpflichtung ein. Denn die Stand-by-Phase der NRF bedeutet, dass sie ein Jahr lang innerhalb kürzester Zeit verfügbar sein müssen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Dienstplan, sondern auch auf die Freizeit. „Es muss sichergestellt sein, dass meine Soldatinnen und Soldaten schnell in ihren Dienstort kommen können, um kurz darauf dorthin zu verlegen, wo wir gebraucht werden“, so H. Das beinhaltet auch, dass mindestens einmal am Tag das Telefon kontrolliert werden muss. „Der Anruf kann jederzeit kommen.“

Das bedeute nicht, dass die Soldatinnen und Soldaten keinen Urlaub machen könnten. Aber sie müssten sich ihre Reiseziele gut aussuchen. Es müsse sichergestellt sein, dass sie erreichbar und bei Bedarf schnell zurück seien. Ein Urlaub im australischen Outback ohne Anschluss an Telekommunikation oder Zivilisation sei also nicht möglich.

*Name zum Schutz der Truppe abgekürzt.

von Amina Vieth
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