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Tarnen

Datum:
Lesedauer:
2 MIN

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Es ist kurz vor Morgengrauen. Über dem Wald liegt Nebel, der Boden ist feucht vom Nachtfrost. Ein Scharfschütze liegt in seinem Versteck: der Atem kontrolliert, das Visier auf eine Lichtung gerichtet. Nur das matte Ende des Gewehrlaufs und eine dunkle Silhouette verraten seine Position. Für den ungeübten Blick ist der Soldat Teil des Unterholzes und kaum zu erkennen – denn er ist gut getarnt.

Was für Scharfschützen Routine ist, wird auch für alle anderen Soldatinnen und Soldaten immer relevanter. „Tarnen war nie nur Sache von Spezialeinheiten“, sagt Alexander Degen*, der seit mehr als 30 Jahren beim Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk und Betriebsstoffe in Erding Tarnmuster entwickelt. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt sehr deutlich, dass Tarnen überlebenswichtig sein kann. Der Krieg ist geprägt von unbemannten Systemen, die aus sicherer Distanz die Signaturen der Soldatinnen und Soldaten erfassen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Merkmale zu minimieren, sowohl die sichtbaren als auch die thermischen und radarspezifischen.

Denn aus der Perspektive einer Aufklärungsdrohne zählt mehr als die Tarnfarbe: Kanten, glänzende Teile von zum Beispiel einer unbedeckten Metallplatte, die eigene Körperwärme oder eine winzige Bewegung können zum Verhängnis werden und den Auftrag sowie das eigene Leben gefährden.

Collage: Oben ein getarnter Soldaten, in der Mitte fünf Farbfelder und unten ein Flecktarnmuster

Fünf-Farben-Tarndruck: Das Tarnmuster, auch Flecktarn genannt, wurde für den Einsatz in heimischen Wäldern entwickelt. Es bildet die Grundlage für das neue Multitarn.

Bundeswehr/C3

Tarnmuster entwickeln

„Tarnen und Täuschen ist kein Relikt vergangener Kriege, sondern Überlebensvorsorge“, bringt es Textilchemiker Degen auf den Punkt. Was früher mit Laub und Farbe gemacht wurde, ist heute ein komplexes Zusammenspiel aus Musterdesigns, Materialeigenschaften und verschiedenen Maßnahmen gegen optische, nahinfrarote und thermische Aufklärung. Genau darum geht es im einwöchigen Lehrgang „Minderung der Entdeckbarkeit“, der sechsmal jährlich im Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen der Bundeswehr stattfindet. Der Stützpunkt liegt etwas versteckt im brandenburgischen Storkow und ist bekannt für täuschend echte Attrappen. Schon zu NVANationale Volksarmee-Zeiten entstanden hier Nachbildungen von Panzern und Radaranlagen, um den Feind zu täuschen. Heute fokussiert man sich eher auf kleinere Systeme, zum Beispiel Attrappen von Kleinkampfmitteln oder Panzertürmen für die Ausbildung. Degen ist oft hier, um im Gelände neue Tarnmittel oder Uniformen zu testen. Heute, an einem verregneten Dienstag im Oktober, steht er im Unterrichtsraum und bringt 15 Soldaten „Tarnung mit Textilien – Möglichkeiten und Grenzen“ näher.

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