Tarnen
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Die Soldaten versammeln sich vor einer Mitschauanlage: Auf dem Bildschirm erscheinen die Livebilder einer Wärmebildkamera. Einer der Soldaten hält sich einen Holzrahmen mit einem eingespannten blauen Müllsack vor das Gesicht. Für die Wärmebildkamera ist er sichtbar wie eine Leuchtfigur: „Was wir mit unseren Augen sehen, ist nicht das, was die Drohne oder Wärmebildkamera erkennen kann“, erklärt Hauptmann Jan Heikamp*. Der Dienststellenleiter in Storkow und ausgebildete Spähoffizier zeigt den Teilnehmern verschiedene Materialien, die die thermische Signatur unterbinden: Rettungsdecken und auch Zeitungen absorbieren Wärme gut, durchsichtige Folien bringen dagegen nichts. Besonders geeignet ist Fensterglas: „Für Wärmebildsensoren wirkt es wie ein Spiegel. Man sieht nur, was sich davor befindet“, sagt Heikamp. Ein einfacher Regenschirm erweist sich ebenfalls als erstaunlich wirksam. Kombiniert mit einem Tarnnetz ist er ein improvisierter, aber funktionaler Schutz vor Aufklärung aus der Luft.
„Mir ist klar geworden, wie vielschichtig Tarnen ist. Es verbindet Wissenschaft, Handwerk, Technik und Instinkt.“
In kleinen Einheiten fehlt häufig spezielles Tarnmaterial, dann heißt es improvisieren. Auch darum geht es im Lehrgang. In vielen kleinen Übungen lernen die Soldaten, das Material zu benutzen, was sie im Umfeld finden. Mit Holzpaletten, Planen und Rollen wird aus einem Geländewagen Wolf schnell ein Traktor. Mit Tarnnetz, Ästen, Steinen und Gräsern ist ein Siebentonner auf der Wärmebildkamera kaum noch zu sehen. „Mir ist klar geworden, wie vielschichtig Tarnen ist. Es verbindet Wissenschaft, Handwerk, Technik und Instinkt“, sagt Gaube. Er wünscht sich, dass viele den Lehrgang besuchen, der allen Teilstreitkräften und Dienstgradgruppen offensteht. Denn Tarnen und Täuschen seien kein Selbstzweck, sondern ein wesentlicher Bestandteil in der modernen Gefechtsführung. Mit Wissen, Übung und dem richtigen Blick für Material und Kontext lässt sich die Sichtbarkeit der Soldatinnen und Soldaten entscheidend reduzieren und im Ernstfall Leben retten.
*Mit Sternchen gekennzeichnete Namen sind zum Schutz der Personen geändert.
von Beate Schöne