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Cyber- und Informationsraum
Künstliche Intelligenz

Kleines Team entwickelt Künstliche Intelligenz für die Elektronische Kampfführung

Von Labor-Atmosphäre ist das Team des KI-Labors aus Nienburg/Weser weit entfernt: Ihre Forschungsumgebung ist der Truppenübungsplatz, ihre Testgruppe ist das Bataillon Elektronische Kampfführung 912. Das Ziel: neuartige technologische Lösungen für die EloKa zu entwickeln, angepasst an den Auftrag der Landes- und Bündnisverteidigung.

Die Hand eines Soldaten am Laptop, gleichzeitig schreibt er mit Block und Stift mit.

Bundeswehr/Maximilian Bosse

Was ist das KI-Labor?

Seit Millionen Menschen nützliche KI-Assistenten auf ihren Smartphones für sich entdeckt haben und täglich nutzen, ist der Begriff der „Künstlichen Intelligenz“ mit all ihren Chancen und Gefahren in aller Munde. Auch Streitkräfte weltweit haben das Potenzial von solchen innovativen Softwarelösungen erkannt und setzen KI schon heute für unterschiedliche Zwecke ein.

Die EloKa ist dabei keine Ausnahme. Seit 2020 gibt es das KI-Labor im Bataillon Elektronische Kampfführung 912 im niedersächsischen Nienburg/Weser. Hier befasst sich ein Team aus Expertinnen und Experten in Uniform mit der Frage, wie der Einsatz von KI die Leistungsfähigkeit der EloKa-Truppe erhöhen und dabei gleichzeitig die einzelnen Soldatinnen und Soldaten entlasten kann. 

Diese Aufgabe ist gleichzeitig auch der Auftrag der Teileinheit. Nur wenn die vorhandenen Ressourcen bestmöglich genutzt werden, kann die Bundeswehr auf den Schlachtfeldern der Zukunft bestehen. Der geschickte Einsatz intelligenter Softwarelösungen in der signalerfassenden elektronischen Aufklärung als Kerngeschäft schafft Kapazitäten an anderer Stelle. So können die aufwendig ausgebildeten Soldatinnen und Soldaten der Truppengattung dort eingesetzt werden, wo der Mensch nach wie vor unersetzbar ist.

Was macht das KI-Labor?

Kurz gesagt: Dort werden Tools entwickelt, die der Truppe mithilfe von Künstlicher Intelligenz bei der elektronischen Aufklärung einen Vorteil gegenüber dem Feind verschaffen.

Ein Beispiel hierfür ist das System Gecko, eine Eigenentwicklung des Nienburger Teams. Basis ist ein geländegängiger, ungepanzerter und nahezu handelsüblicher Kleinbus, in der Bundeswehr „Widder“ genannt. Mithilfe eines Funk-Empfängers und zweier Laptops, mit Akku-Pack im Kofferraum und EloKa-Feldwebeln als Auswertern wird daraus ein hochmodernes mobiles Aufklärungssystem. 

Das Besondere steckt in den Laptops: Eine vom KI-Labor entwickelte Software transkribiert die aufgefangenen Funkschnipsel automatisch in Text, und das auf mehreren Kanälen gleichzeitig. Für die meisten dürfte eine Konvertierung von Sprache in Text nicht als bahnbrechende Innovation erscheinen, denn diese Technologie ist als „Diktierfunktion“ auf jedem Smartphone vorinstalliert. Allerdings steckt hier Künstliche Intelligenz drin, die normalerweise nur mit einer aufwendigen Server-Infrastruktur im Hintergrund funktioniert.

Der Innovationscharakter liegt also weniger im „Was“ als vielmehr im „Wie“: Technik auf Höhe der Zeit, die als alleinstehendes System ohne Internetanbindung und sogar ohne Stromanschluss einsatzfähig ist. Wie genau das softwaretechnisch umgesetzt wurde, ist geheim. Fest steht: Gecko kann zu einer großen Erleichterung für die EloKa-Truppe werden. Die Technik übernimmt die Vorarbeit, welche früher mit einem Ohr am Funk und Meldeblock in der Hand geleistet werden musste – und die aufwendig ausgebildeten EloKa-Feldwebel können sich mit ihrer Kernaufgabe befassen, nämlich der Auswertung und Analyse erfasster Daten.  

Beim Test auf dem Truppenübungsplatz zeigt sich, dass die Neuentwicklung sehr gut funktioniert. Als simulierter Feind fängt das Team des Labors die Funkkommunikation der eigenen übenden Truppe ab und gibt Informationen zur späteren Auswertung an die Übungsleitung weiter. Für die übenden Soldatinnen und Soldaten ist das eine wichtige Lektion: Wer Funkdisziplin wahrt, um sich nicht aufklären zu lassen, lebt im Zweifelsfall deutlich länger.

Der Kleinbus mit Soldaten darin steht auf einer Wiese.

Kein Data-Center mit dem Stromverbrauch einer Kleinstadt: Alles, was das Team für den erfolgreichen Einsatz ihrer KI benötigt, passt in einen Kleinbus. In dieser Konfiguration wurde das System vom Labor „Gecko“ getauft – klein, grün, anpassungsfähig.

Bundeswehr/Maximilian Bosse
Zwei Soldaten sitzen in einem Fahrzeug mit geöffneter Tür. Draußen laufen weitere Soldaten.

Für Gecko sind die Zeiten der Labor-Umgebung vorbei. Eingesetzt wird er hier direkt bei der Truppe: Die übenden Soldatinnen und Soldaten sind nur wenige Meter entfernt.

Bundeswehr/Maximilian Bosse

Wer arbeitet im KI-Labor?

Wer sich im KI-Labor einbringen will, muss in zwei Welten zu Hause sein: Einerseits ist fachlich ein entsprechender IT-Background auf Meister- oder Diplomebene nötig, um neue Softwareanwendungen von der Pike auf programmieren und auch im Feld einsetzen zu können. Das führt zur anderen Seite der Medaille, die auch Erfahrung als Soldatin oder Soldat der EloKa erfordert. Nur wer beides mitbringt, versteht, welche Informationen die Truppe im Gefecht und die übergeordnete Führung benötigen und kann sich auch selbst nahe dem Gefechtsfeld sicher bewegen. Diese hohen Anforderungen führen letztendlich zu einem handverlesenen Team aus erfahrenen Feldwebeln und Offizieren, die sich mit flacher Hierarchie und Start-up-Mentalität ans Werk machen.

Häufig gestellte Fragen

Seit wann gibt es das KI-Labor?

Als Innovationsvorhaben wurde das KI-Labor in seit 2019 konzipiert und im September 2020 offiziell als Ausbildungs- und Implementierungsort für die digitale Weiterentwicklung eröffnet.

Ist das KI-Labor die zentrale Stelle für KI in der Bundeswehr?

Nein. Das KI-Labor aus dem Bataillon Elektronische Kampfführung 912 ist eine von mehreren Einrichtungen die Projekte in der Bundeswehr unter Einsatz von künstlicher Intelligenz verfolgen. Hier geht es speziell um die Nutzung für die EloKa, also Software-Lösungen zur Analyse von Daten bei der technischen Aufklärung. Eine Auflistung weiterer KI-Projekte in unseren Streitkräften finden Sie hier.

Welche Berufsbilder arbeiten im KI-Labor?

Im KI-Labor arbeiten Feldwebel und Offiziere aus den Bereichen IT & Cyber sowie EloKa. Wer sich hier sinnvoll einbringen möchte, benötigt eine Ausbildung oder ein Studium aus dem IT-Bereich, da die Softwareanwendungen als Produkte des Labors vor Ort konzeptioniert, programmiert und auch gemeinsam mit der Truppe getestet und weiterentwickelt werden.

Gibt es für Studierende und Forschende die Möglichkeit zur Zusammenarbeit?

Ja, besonders Studierende der Bundeswehr-Universitäten aus dem IT-Bereich sind gern gesehene Gäste für ihre Bachelor- oder Masterarbeit und können im KI-Labor ihr Studienprojekt in einer innovativen- und von Experten betreuten Umgebung in die Praxis umsetzen. Sollten Sie hieran Interesse haben, kontaktieren Sie uns gerne.

Einblicke in Projekte und Personen des KI-Labors

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