Heer
Abschlussübung

Allrounder in Grün: Prüfung junger Führungskräfte

Allrounder in Grün: Prüfung junger Führungskräfte

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Altenstadt
Lesedauer:
3 MIN

Das Schnellboot hat schon fast abgelegt, da springt der letzte Soldat noch an Bord – gerade rechtzeitig. Jetzt heißt es durchschnaufen, die kurze Überfahrt nutzen, um die nächsten Schritte nochmal durchzugehen. Anlanden, absitzen, unterziehen, weiter durchschlagen. Eine Momentaufnahme aus den Prüfungen für zukünftige Feldwebel und Unteroffiziere.

Soldaten sitzen mit Helm, Schwimmweste und Waffe im Schnellboot. Aufmerksam werden die Beobachtungsbereiche eingehalten.

Vom Einfachen zum Schwierigen: Ein Schnellboot ist ein gängiges Hilfsmittel zum Überwinden von Gewässern. Aber auch hier müssen die Abläufe geübt und die Aufgaben klar verteilt sein.

Bundeswehr/René Säuberlich

Im Feldwebel- und Unteroffizieranwärter-Bataillon 3 in Altenstadt wird der Grundstein für ihre militärische Ausbildung gelegt. Zunächst wurden in einem dreimonatigen Training grundlegende soldatische Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt. Schießen, Marschieren, Formaldienst und Gefechtsausbildung, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Ausbildungserfolg wird bei der sogenannten Rekrutenbesichtigung überprüft. Im zweiten, ebenfalls dreimonatigen Ausbildungsabschnitt werden darauf aufbauend die Grundlagen vertieft und erste Führungsqualitäten entwickelt. Diese sind essenziell für das spätere Berufsbild des Feldwebels und Unteroffiziers. Neben der theoretischen Prüfung im Fach Wehrrecht gibt es eine praktische Prüfung im Führen unterstellter Soldatinnen und Soldaten sowie eine Durchschlageübung mit verschiedenen Aufgaben.

Aufgepasst bei der Befehlsausgabe

Um einen großen Geländesandkasten stehen Soldaten stehen und schreiben die wichtigsten Informationen auf.

Im Keller des Kompaniegebäudes erläutert der Kompaniechef seinen Soldatinnen und Soldaten die Lage und gibt den Befehl zur Abschlussübung. Hier gilt es, gut zuzuhören und die wesentlichen Punkte aufzuschreiben, um später an alles zu denken.

Bundeswehr/René Säuberlich

Wer macht was? Wann? Wo? Wozu? Diese und viele weiteren Fragen müssen geklärt werden, bevor es losgeht. Um ein möglichst realistisches Einsatzszenario zu schaffen, wird ein Konflikt zwischen zwei fiktiven Staaten konstruiert. Anhand eines Videos werden die Rekrutinnen und Rekruten mit dieser Lage vertraut gemacht. Danach folgt die Befehlsausgabe durch den Kompaniechef Major Börge Franz am Geländesandkasten. Sobald alle Fragen geklärt sind, empfangen die Lehrgangsteilnehmenden ihre Waffen und Munition. Daraufhin teilen sie sich in ihre eingespielten Gruppen auf und bekommen letzte Anweisungen von ihrem Gruppenführer. Kurz darauf finden sie sich draußen im Gelände wieder.

Es beginnt die praktische Phase, in der das Erlernte der vergangenen Monate geprüft wird. Die Teilnehmenden müssen beispielsweise beweisen, dass sie mit ihren Waffen und Funkgeräten umgehen können. Sie müssen sich im Gelände orientieren, eine Feldunterkunft aufbauen, körperliche Belastung aushalten und vieles mehr. Nach nur kurzer Zeit treffen sie bereits auf ihr erstes Hindernis.

Für jedes Hindernis eine Lösung

Ein Soldat läuft mit voller Ausrüstung durchs Gelände.

Zwischen 15 und 20 Kilogramm wiegt die Ausrüstung, die jede Soldatin und jeder Soldat am Körper tragen. Neben der Handwaffe und der zugehörigen Munition müssen auch Schanzwerkzeug, ein Schlafsack, Kochgeschirr und vieles mehr mitgeführt werden.

Bundeswehr/René Säuberlich

Der Lech, ein auch im Sommer eiskalter Fluss, liegt zwischen den Kameraden und ihrem Ziel. Die Brücken sind unpassierbar. Glücklicherweise müssen sie nicht schwimmen, sondern können auf Schnellboote zurückgreifen. Dabei dürfen jedoch die gegenseitige Sicherung und das erlernte Verfahren nicht außer Acht gelassen werden. Am anderen Ufer wird am zugewiesenen Platz eine provisorische Unterkunft für die Nacht errichtet. Diese muss durchgängig gesichert und gegebenenfalls auch verteidigt werden.

Besonders im Dunkeln ist es wichtig, dass die Soldatinnen und Soldaten sich blind aufeinander verlassen können. Die in den letzten Monaten gemachten Erfahrungen, Erlebnisse und Entbehrungen haben die Gruppen zusammengeschweißt. Die Kameradschaft und das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten sind auch notwendig, denn nach einer Nacht mit wenig Schlaf steht noch ein weiterer Marsch bevor.

Ein Verwundeter wird entdeckt

Vier Rekruten transportieren auf einer Trage, gebaut aus zwei Holzstämmen, eine schwere Puppe durch den Wald.

Niemand wird zurückgelassen. Auf einer behelfsmäßigen Trage wird eine Puppe, die einen verwundeten Kameraden darstellt, transportiert. Die kräftezehrende Übung verlangt den Kameraden alles ab.

Bundeswehr/René Säuberlich

Im Laufe des Folgetages bewältigen die Teilnehmenden weitere Szenarien. Zunächst klären sie feindliche Truppen auf und geben diese Information detailliert weiter. Aus einer sicheren Position heraus wird der Gegner weiter beobachtet. Schließlich werden die Personen gestellt und durchsucht. Kurze Zeit später entdecken die angehenden Feldwebel und Unteroffiziere ein angesprengtes Fahrzeug, in dem sich noch Verwundete befinden. Diese werden versorgt und mit Tragen, welche die Soldaten aus Holzstämmen bauen, in Sicherheit gebracht.

Kurz vor dem Ende der Abschlussübung müssen die Lehrgangsteilnehmenden noch die Hindernisbahn überqueren. Unmittelbar danach geht es in den Schießsimulator, wo selbst nach den Anstrengungen der letzten Stunden noch gute Schießleistungen erbracht werden. Jetzt haben sie es endlich geschafft. Die harte Arbeit der vergangenen drei Monate zahlt sich aus. Alle Herausforderungen wurden souverän gemeistert und die angehenden Feldwebel und Unteroffiziere können sich auf die nächste Phase ihres Werdegangs konzentrieren.

von Michael Mehn und Jonas Brandstetter