Heer
Kränze und Schweigeminute

Altenstädter gedenken der Opfer des Iller-Unglücks

Altenstädter gedenken der Opfer des Iller-Unglücks

Datum:
Ort:
Altenstadt
Lesedauer:
2 MIN

Nur wenige Monate nach Gründung der Bundeswehr ereignete sich das wohl tragischste Unglück in der Geschichte der damals noch jungen Armee. Am 3. Juni 1957 befahl ein Zugführer des Luftlandejägerbataillons 19 die Durchquerung der Iller, die an diesen Tagen Hochwasser führte. 15 Rekruten ertranken in der starken Strömung. Am Samstag jährte sich das Unglück bereits zum 66. Mal.

Drei Soldaten, die militärisch grüßen, stehen vor einem Denkmal, vor dem Blumenkränze abgelegt sind.

Es gedenken: Bürgermeister Klaus Knoll (v.l.n.r.), Chef der X. Inspektion, Oberstleutnant Lindner, Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule, Oberstleutnant Holle, und der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Generalleutnant Laubenthal

Bundeswehr/Nico Lessentin

Auch im Jahr 2023 erinnert das Unglück alle Soldatinnen und Soldaten daran, wie wichtig die Entscheidungen eines militärischen Führers in Bezug auf die körperliche Unversehrtheit in der Ausbildung sind. Das Unglück zeigt immer noch, dass es für Führungspersonal unerlässlich ist, Risiken adäquat abzuwägen und seine Untergebenen nicht in Lebensgefahr zu bringen.
„Das Andenken an die vor 66 Jahren ums Leben gekommenen Kameraden mahnt uns täglich, unsere Ausbildung stets auf das höchste uns anvertraute Gut auszurichten: die Gesundheit und das Leben der uns anvertrauten Soldatinnen und Soldaten“, bekräftigte Oberstleutnant Martin Holle, Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule aus Altenstadt vor Soldaten, damaligen Zeugen und Angehörigen des Unglücks. Sie alle hatten sich zu einer Gedenkfeier in Hirschdorf beim Kempten am Iller-Denkmal versammelt.
Holle sagte weiter, er sei demütig, dass es im zurückliegenden Jahr trotz der Gefahren in der Fallschirmsprungausbildung keine größeren Unfälle mit Schäden für Leib und Leben zu beklagen gegeben habe.

Lehren aus dem Unglück gezogen

Ein Denkmal mit einem stilisierten Jesus am Kreuz und Mutter Maria, davor vier abgelegte Kränze

Blumenkränze militärischer und ziviler Vertreter während der Gedenkfeier sowie verschiedener Fallschirmjägereinheiten zieren den Platz vor dem Iller-Denkmal. Es wird bis heute gepflegt.

Bundeswehr/Nico Lessentin

„Die Erinnerung ist eine Mahnung an unsere Verantwortung als Vorgesetzte. Sie ist zugleich ein Zeichen gelebter Kameradschaft“, betonte Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, in seiner Rede, bevor er auch auf die guten Folgen des Unglücks einging. Beispielsweise seien die Ausbildung konsequent an die Grundsätze der Inneren Führung angepasst sowie das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr gegründet worden. Bis heute unterstützt das Hilfswerk schnell und unbürokratisch Soldatinnen und Soldaten oder ihre Hinterbliebenen bei Katastrophen- und Unglücksfällen, bei Verletzungen oder Tod.
Des Weiteren gründeten sich in den darauffolgenden Jahrzehnten weitere Dienste und Netzwerke, deren Aufgabe die soziale Betreuung und Fürsorge der Bundeswehrangehörigen ist. „Aus dem Iller-Unglück heraus erwuchsen einzigartige Solidarität und Loyalität, die bis heute Bestand haben. Es ruft uns allen in Erinnerung, wie gefährlich der Soldatenberuf ist. Es macht uns bewusst, wie sehr wir alle auf Kameradschaft und Fürsorge angewiesen sind“, sagte Laubenthal und betonte, dass die Erinnerung an die Verunglückten nicht nur am Iller-Denkmal, sondern beispielsweise auch am Ehrenmal in Berlin sowie an anderen Gedenkstätten aufrechterhalten werde.
Abschließend verlas Laubenthal die Namen der 15 verunglückten Rekruten. Alle Anwesenden würdigten sie durch eine Schweigeminute.

von Nico Lessentin