Artillerie des Heeres macht sich fit für die Zukunft
- Datum:
- Ort:
- Idar-Oberstein
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Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 10. März 2026 die Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein besucht. Der Austausch mit Soldatinnen und Soldaten, aber auch die materielle Ausstattung der Truppengattung Artillerie, ausgerichtet an den Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung, standen im Fokus des Besuches.
Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht am 10. März 2026 die Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein
Bundeswehr/Carl SchulzeOberst Olaf Tuneke, Leiter der Artillerieschule und General der Artillerietruppe, begrüßte den Minister auf dem Platz der Artillerie. Pistorius hob zunächst die immense Bedeutung der artilleristischen Fähigkeiten und Technik, aber auch die hohe Kompetenz bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten hervor. „Aus jedem Gespräch mit unseren ukrainischen Kameradinnen und Kameraden geht ganz klar die Bedeutung und unverzichtbare Kompetenz der Artillerie hervor“, so der Minister.
Die Artillerie wird schon seit geraumer Zeit entlang den Anforderungen der Zukunft und den Verteidigungsplänen der NATONorth Atlantic Treaty Organization neu ausgerichtet. Das bedeutet, die Fähigkeiten im Bereich des weitreichenden präzisen indirekten Feuers werden qualitativ und quantitativ ausgebaut: Neue Waffensysteme werden beschafft, neue Artillerieverbände in den Dienst gestellt. Zudem wird Infrastruktur geschaffen oder ertüchtigt und Personal muss eingestellt und ausgebildet werden. Ausrüstung und Ausbildung veränderten sich bei der Artillerie in hoher Geschwindigkeit, so der Minister.
An der Panzerhaubitze 2000: Der Leiter der Artillerieschule, Oberst Olaf Tuneke, erläutert dem Minister die Funktionsweise des gepanzerten Kettenfahrzeuges
Bundeswehr/Carl SchulzeKlares Ziel im Heer sei, so Pistorius, die Rohrartillerie wieder auf Brigade- und Divisionsebene verfügbar zu machen. Es werde keine rückläufigen Zahlen bei der Artillerie geben. Es geht dabei vor allem um den massiven Ausbau und die Modernisierung der Artillerie mit einem klaren Schwerpunkt auf weitreichende Feuerunterstützung, Mobilität und die Aufstellung neuer Truppenteile. Für die Artilleristen stehen die Erhöhung der Schlagkraft an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke und die Fähigkeit zum Kampf in der Tiefe des Raumes im Vordergrund.
Taktisch gesehen wird es zukünftig noch mehr darum gehen, Duellsituationen auf dem Gefechtsfeld zu vermeiden. So wird die Bedeutung von weitreichendem, präzisem indirektem Feuer immer weiter zunehmen. Folgerichtig wird es Artilleriekräfte im Heer wieder auf allen taktischen Ebenen geben. Die mechanisierten Großverbände des Deutschen Heeres werden mit den artilleristischen Fähigkeiten ausgestattet werden, die sie für das Gefecht der verbundenen Waffen zwingend benötigen. Raketen- und Rohrwaffensysteme sowie Loitering Munition, ergänzt durch entsprechende Aufklärungssysteme, befähigen die Soldatinnen und Soldaten dabei für den Kampf in der Tiefe des Raumes.
Loitering Munition – auch als „Kamikaze-Drohnen“ bezeichnet – bietet dabei eine schnelle Brückenlösung. Die mit Waffen bestückten Systeme kreisen über einem festgelegten Einsatzraum und bekämpfen auf Befehl beispielsweise einen feindlichen Kampfpanzer oder Gefechtsstand – schnell und präzise. Zudem hat Loitering Munition häufig eine sehr hohe Reichweite. Letztendlich verbessert sich dadurch das Verhältnis Kampftruppe zu Artillerie von in den letzten Jahren etwa 9:1 auf etwa 4:1, also weniger Personal kommt direkt auf dem Gefechtsfeld zum Einsatz.
An der neuen Radhaubitze RCHRemote Controlled Howitzer 155 werden bislang vor allem ukrainische Soldatinnen und Soldaten ausgebildet
Bundeswehr/Carl SchulzeBei der Waffenschau und im Gespräch zwischen dem Minister und den Soldatinnen und Soldaten wurde klar: Die Artillerie ist ein Hauptakteur im Kampf verbundener Waffen, insbesondere im Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung. Ein Symbol für diese Zukunftsfähigkeit ist die Radhaubitze RCHRemote Controlled Howitzer 155. An der Artillerieschule wurden zunächst mehr als 600 Ukrainer und Ukrainerinnen an diesem neuen System ausgebildet. Nun soll auch die Bundeswehr die RCHRemote Controlled Howitzer 155 bekommen.
Mit diesem Waffensystem kann schnell Feuerbereitschaft hergestellt und aus der Bewegung heraus geschossen werden. Wegen ihrer Mobilität ist die Radhaubitze schwer zu bekämpfen und sie hat eine hohe taktische Reichweite. Das bewährte Fahrmodul des Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeugs Boxer und die Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000 wurden in diesem weltweit einzigartigen vollautomatischen Waffensystem vereint. Die bewährte Panzerhaubitze 2000 mit dem enormen Schutz der Besatzung aber auch die neue RCHRemote Controlled Howitzer 155 mit ihrer überragenden Mobilität bringen im Verbund einen echten Mehrwert für die Artillerie.
Den Besuch des Ministers beschloss eine lockere Gesprächsrunde, in der Boris Pistorius nochmals ganz klar seinen Dank und seine Wertschätzung gegenüber allen Soldatinnen und Soldaten zum Ausdruck brachte.
„Was auch immer wir als Politiker machen, funktioniert nur mit Ihnen. Mit Menschen, die sich dem wichtigen Dienst in den Streitkräften stellen.“
Die Artillerie wird immer wichtiger auf dem modernen Gefechtsfeld. Der Leiter der Artillerieschule, Oberst Tuneke, erläutert Minister Pistorius zukünftige Ausbildungsvorhaben.
Bundeswehr/Carl Schulze
Für Minister Pistorius ist der direkte Austausch enorm wichtig
Bundeswehr/Carl Schulze
Nach der Gesprächsrunde verleiht der Boris Pistorius an zwei verdienstvolle Soldaten Ehrenkreuze der Bundeswehr in Gold
Bundeswehr/Carl SchulzeAktuell sind im Heer Artilleriebataillone und die Artillerieschule auf sieben Standorte Deutschland verteilt. Sie verfügen über folgende Hauptwaffensysteme: