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Auf dem Weg zum EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten - Teil 1

Auf dem Weg zum EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten - Teil 1

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Wildflecken
Lesedauer:
3 MIN

Zügig und leise nähern sich zwei Fallschirmjägertrupps aus ihrer Deckung im Wald der Hausfront. Innerhalb weniger Sekunden bringt der Breacher (Zugangsmitteltechniker) die Sprengladung an der Tür an. Auf Handzeichen zählt das Kommando runter: Fünf, Vier, Drei, Zwo, Eins – Breach! Die Detonation reißt die Tür aus ihren Angeln und die Fallschirmjäger stürmen in das Gebäude.

Ein Soldat schaut durch das Visier eines Gewehres, während im Hintergrund Soldaten die Sprengladung an der Tür befestigen.

Während das erste Fire-Team die Sprengladung an der Tür anbringt, sichert der zweite Trupp das Vorgehen.

Bundeswehr/Carl Schulze

Schüsse fallen und das Fire-Team schafft den Einbruch: Der erste Raum ist frei. Zeitgleich sichert der zweite Trupp die Einbruchstelle. Auf Befehl fließen weitere Teams, aus der letzten Deckung vor dem Feind, nach. Nachdem der erste Raum „geklärt“, also feindfrei gekämpft wurde, stürmen weitere Soldaten in das Haus. Die Trupps bewegen sich Raum für Raum, in die Tiefe des Gebäudes. Ziel ist es, das Überraschungsmoment des Sturms und Einbruchs zu nutzen und das Objekt so schnell wie möglich zu nehmen.

Urbane Angriffstaktiken

Ein Soldat steht vor zwei Schützenscheiben in einem Gebäude.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen müssen die EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten zwischen gegnerischen Kräften und Zivilpersonen unterscheiden.

Bundeswehr/Carl Schulze

Dieses Szenario beschreibt einen Teil der Abschlussübung auf dem Lehrgang „Urbane Angriffstaktiken“ in Wildflecken. Das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf trainiert auf bebauten Schießbahnen den Orts- und Häuserkampf und bildet hier seine Lehrgangteilnehmer aus. Die Fallschirmjäger sind Infanteristen in der Ausbildung zu EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten. EGBErweiterte Grundbefähigung bedeutet Erweiterte Grundbefähigung und deklariert die Spezialisierten Kräfte des Heeres.

Auf dem Lehrgang wenden die Teilnehmer Raumkampftaktiken an und trainieren im scharfen Schuss die Einsatzverfahren der EGBErweiterte Grundbefähigung-Kräfte. „Der Lehrgang bildet den Schwerpunkt der EGBErweiterte Grundbefähigung-Ausbildung. Hier erlernen die Soldaten den urbanen Kampf unter Anwendung des selektiven Schusses und nutzen den Überraschungseffekt durch gezielte Schnelligkeit. Das bildet den Kern des erhöhten Einsatzwertes der EGBErweiterte Grundbefähigung-Kräfte. Ausgebildet und trainiert wird von der Individual- bis zur Zugebene“, erklärt Hauptmann Alex B., Hörsaalleiter des Lehrgangs am Ausbildungszentrum Spezielle Operationen.

Eigengefährdung reduzieren

Der selektive Schuss bedeutet, dass die Soldaten auf kürzeste Zielentfernung, innerhalb von Sekundenbruchteilen, zwischen gegnerischen Kräften und Zivilisten unterscheiden müssen. Im hochintensiven Gefecht und unter einem immensen Stresslevel wird durch Geschwindigkeit, Überraschungseffekt und im Drill erlernte Taktik, die Eigengefährdung reduziert. Daraus maximieren die EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten den taktischen Erfolg, denn sie können die Identifizierung des Zieles dann sicher anwenden. Es kommt auf die Leistung eines jeden einzelnen Schützen an, denn jeder Fehler kann im Ernstfall Leben kosten.

Sehr gute räumliche Vorstellung nötig

Soldaten stehen in einem Gebäude vor einem Türrahmen.

Bevor die Fallschirmjäger EGBErweiterte Grundbefähigung in einen Raum eindringen, werfen sie eine Blendgranate, um so den Überraschungsmoment des Angriffs weiter aufrechtzuerhalten.

Bundeswehr/Carl Schulze

Während sich die Fire-Teams durch das Objekt kämpfen, koordiniert der Objektführer das Vorgehen. „Durch die teilweise verwinkelten Räume und die nicht beschusssicheren Innenwände, müssen sich die Trupps ständig verschieben. Die Eigengefährdung wäre sonst zu hoch“, erklärt der Lehrgangsteilnehmer und Zugführer des Fallschirmjägerzuges, Leutnant Tom K.

Die EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten müssen sehr gut räumlich Denken können und eine sehr schnelle Auffassungsgabe besitzen. Dies schafft die Grundlage, um die Raumkampftaktiken im teamübergreifenden Zusammenwirken erfolgreich anzuwenden. Stressresistenz und Entschlossenheit sind dabei Voraussetzung. Damit der Objektführer stetig ein aktuelles Lagebild hat, ist er auf die Meldungen der ersten Fire-Teams angewiesen. Um den Angriffsschwung der Fallschirmjäger aufrechtzuerhalten, müssen die einzelnen Trupps möglichst schnell die Räume „klären“. Dabei arbeiten die Teams überschlagend oder raupenartig in Eigenkoordination.

Jede Aktion wird ausgewertet

Soldaten zielen auf eine Schützenscheibe, die einen bewaffneten Mann abbildet.

Während die EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten versuchen, den Angriffsschwung zu nutzen, um schnellstmöglich das Gebäude feindfrei zu kämpfen, darf keine Hektik entstehen. Die Soldaten müssen stressresistent sein.

Bundeswehr/Carl Schulze

Das taktische Vorgehen der Lehrgangsteilnehmer wird indes aufmerksam von den Ausbildern aus Pfullendorf beobachtet und bewertet. Auf dem sogenannten Catwalk, einer erhöhten Position im Gebäude, kann das Leitungspersonal jeden Winkel der Räume sehen. Mängel und Fehler werden so optimal erfasst und im späteren Verlauf angesprochen und ausgewertet. Der Lerneffekt der Lehrgangsteilnehmer ist enorm groß. „Jeder Soldat muss zu jeder Zeit seine Position und seine Laufwege kennen. Kleine Abweichungen, besonders beim Wechseln der Räume, können zu schwerwiegenden Fehlern mit erheblichen Folgen führen. Zivilisten und die eigenen Kameraden wären gefährdet“, sagt Alex B.

Nach nur wenigen Minuten haben die ersten Fire-Teams bereits eine Vielzahl an Räumen genommen. Indes sichern Trupps außerhalb des Gebäudes das Vorgehen im Objekt. Jederzeit ist mit plötzlich auftretendem Feind zu rechnen. „Die Geschwindigkeit, die während des Freikämpfens der Räume entsteht, darf niemals in Hektik und Stress umschlagen. Im Vergleich zum Sturm und Einbruch müssen wir ein moderates Tempo beim Kampf im Gebäude halten, da sonst Fehler passieren können“, erklärt Oberfeldwebel Hannes R., Lehrgangsteilnehmer und Gruppenführer.

Den Wechsel von Intensitäten, Geschwindigkeiten und Taktiken musste der Fallschirmjägerzug bereits bei der Annäherung an das Angriffsziel anwenden.  

Welche Herausforderungen die Lehrgangsteilnehmer bei der Annäherung bewältigen müssen, welche Mittel die EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten beim Schaffen von Zugängen nutzen und warum die Fallschirmjäger in diesem Angriffsszenario mit der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske kämpfen, lest Ihr im nächsten Teil.


*Namen redaktionell geändert


von Elisabeth Rabe

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