Bundeswehr beschafft Loitering Munition
Loitering Munition– ein Gamechanger für die Verteidigung. Überblick, Fragen und Antworten.
Das Artilleriebataillon 215 der Panzerbrigade 21 hat während eines feierlichen Appells in Augustdorf drei neue Batterien offiziell aufgestellt. Damit wächst das Heer wie geplant. Die neuen Einheiten übernehmen verschiedene Aufträge – dazu gehört auch die Ausbildung von bis zu 300 Rekrutinnen und Rekruten gleichzeitig.
Der Kommandeur des Artilleriebataillons 215, Oberstleutnant Fabian Kolbe, neben seinen neuen Batteriechefs. Die 1., 4. und 5. Batterie sind nun offiziell aufgestellt und präsentieren ihre Batteriewimpel.
Bundeswehr/Celine LiebnerDer Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Fabian Kolbe, zeigte sich beim Appell sichtlich zufrieden über den Fortschritt des Aufwuchses beim Artilleriebataillon 215. Hinter ihm und seinem Aufstellungsstab liegen ein Jahr intensive Aufbauarbeit. Dieser Fortschritt wird beim Appell mit der Übergabe der Batteriewimpel an die 1., 4. und 5. Batterie sichtbar. Batterien der Artillerie entsprechen von der Größe her Kompanien aller anderen Truppengattungen.
„Mit den drei neuen Batterien gehen wir nun den nächsten entscheidenden Schritt in der Entwicklung unseres Bataillons“, verkündete Kolbe und dankte seinem Aufstellungsstab für die geleistete Arbeit.
Die Aufstellung bedeutet weit mehr als nur personeller Aufwuchs. Jede der neuen Batterien übernimmt mit ihren Soldatinnen und Soldaten eigenständige Aufgaben und erweitert damit die Fähigkeiten des Artilleriebataillons 215. Hierzu gehören folgende:
Die 1. Batterie bildet das logistische und organisatorische Rückgrat des Verbandes. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass das Bataillon auch über längere Zeit einsatzfähig bleibt. Ihre Soldatinnen und Soldaten übernehmen Aufgaben in der Versorgung und im Transportwesen. Gleichzeitig richten sie die notwendigen Funk- und IT-Verbindungen ein und betreiben diese. Damit stellt diese Batterie sicher, dass der Bataillonsstab seine ihm unterstellten Einheiten führen kann.
Die neue Fähigkeit für abstandsfähigen Kampf: Loitering Munition. Diese Kamikazedrohnen kreisen über dem Gefechtsfeld, bis der Bediener ein ausgewähltes Ziel bekämpft.
Bundeswehr/Celine LiebnerMit der 4. Batterie betritt das Artilleriebataillon 215 technologisches Neuland. Sie wird am nationalen Fähigkeitsaufbau für Loitering Munition (LMS) mitwirken. Das sind unbemannte Wirkmittel, die Eigenschaften einer Drohne mit denen einer Präzisionswaffe verbinden. Das Artilleriebataillon 215 soll – zeitgleich zur Panzerbrigade 45 – Einsatzgrundsätze, Taktiken und technische Parameter der neuen Loitering Munition mitentwickeln, überprüfen und testen.
Die Bundeswehr lässt dabei Erkenntnisse aus aktuellen Kriegen und die Erfahrungen aus eigenen Erprobungen einfließen. Perspektivisch sollen die unbemannten Waffensysteme die klassische Rohrartillerie komplementär ergänzen und die Möglichkeiten der Zielaufklärung und Bekämpfung erweitern.
Loitering Munition, auch Kamikazedrohnen genannt, kann über längere Zeit in einem Einsatzraum in der Luft verbleiben, Feinde aufklären und diese anschließend gezielt attackieren. Damit eröffnet sie neue Möglichkeiten, weit entfernte gegnerische Kräfte zu erkennen und auch zu bekämpfen.
Die Rekrutinnen und Rekruten der 5. Batterie stehen im Oktober 2026 in Formation vor ihrem Batteriechef. Gleich erfolgt die Ernennung zum Soldaten beziehungsweise zur Soldatin.
Bundeswehr/Sascha DobrunzDie 5. Batterie übernimmt dagegen eine ganz andere Aufgabe: die sechsmonatige Basisausbildung – früher Grundausbildung genannt – von 300 neuen Soldatinnen und Soldaten gleichzeitig. Damit erweitert die Bundeswehr ihre Ausbildungskapazitäten am Standort Augustdorf erheblich.
Bislang konnten in Augustdorf pro Jahr nur rund 400 Soldatinnen und Soldaten ihre militärische Erstausbildung aufnehmen. Jährlich können nunmehr bis zu 1.000 junge Menschen sie in Augustdorf durchlaufen.
Während der Basisausbildung, die gerade am 1. Oktober begann, erlernen die jungen Soldatinnen und Soldaten die militärischen Grundlagen. Dazu zählen der Umgang mit Waffen, die Schieß- und Gefechtsausbildung, der Sanitätsdienst, der Schutz vor gefährlichen Stoffen, der Wachdienst und die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ziel ist es, die Rekrutinnen und Rekruten auf ihre späteren Aufgaben innerhalb der Bundeswehr bestmöglich vorzubereiten.
Die 2. und 3. Batterie des Artilleriebataillons 215 werden mit der neuen Radhaubitze RCH 155 ausgestattet. Sie vereint das Fahrmodul des GTK Boxer mit der Waffenanlage der Panzerhaubitze 2000 in einem vollautomatischen Waffensystem.
KNDSMit den drei neuen Batterien erweitert das Artilleriebataillon 215 seinen Aufgabenbereich erheblich. Zugleich wird auf die herkömmliche Rohrartillerie nicht verzichtet werden. Denn die 2. und die 3. Batterie, die gerade aufgebaut werden, sollen diese Aufgabe übernehmen.
Der Verband wird dafür künftig mit modernen Radhaubitzen vom Typ RCH 155 ausgestattet. Zusammen mit der Loitering Munition erhält die Panzerbrigade 21 damit eine eigene, weitreichende Feuerunterstützung, die zur beweglichen Gefechtsführung der Mittleren Kräfte passt. Das ist entscheidend für den abstandswirksamen Kampf der Panzerbrigade 21.
Der Name des Bataillons knüpft an die Geschichte des Standortes Augustdorf an. Bereits von 1958 bis 2015 war dort das Panzerartilleriebataillon 215 stationiert. Mit der Wiederverwendung der Zahl und des Wappens führt der neue Verband diese Tradition fort.
Für Oberstleutnant Kolbe und seine Soldatinnen und Soldaten ist die Aufstellung der drei Batterien zugleich Ergebnis eines arbeitsreichen Jahres und Ausgangspunkt für die nächsten Aufgaben. Aus dem jetzigen Aufstellungsstab wächst Schritt für Schritt ein Artillerieverband mit eigenen Führungs-, Wirk- und Ausbildungskapazitäten. In Augustdorf gehört der Schlachtruf der Artillerie „Zu – Gleich!“ wieder zum festen Bestandteil des Kasernenlebens.
von Till Hey