Heer
Ausbildung zum Geschützkanonier

Ausbildung mit Blitz und Donner

Ausbildung mit Blitz und Donner

Datum:
Ort:
Weiden
Lesedauer:
4 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Das Artilleriebataillon 131 bildet in Weiden die ersten acht Ungarn an der Panzerhaubitze 2000 aus. Die ungarischen Streitkräfte haben bei der deutschen Rüstungsindustrie 24 dieser modernen Panzerhaubitzen bestellt. Im Februar 2022 werden sie die ersten ausgelieferten Haubitzen übernehmen und dann ihre Kameradinnen und Kameraden in der Heimat ausbilden.

Eine Panzerhaubitze steht auf einer Wiese. Rauch tritt aus dem Rohr aus, hinter dem Fahrzeug stehen mehrere Artilleristen.

„Feuer!“ Per Leine zünden die Ungarn die ersten Geschosse. Mit enormer Druckwelle verlässt das Geschoss das Rohr und erzeugt einen lauten Mündungsknall mit Schmauchschwaden.

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

„Zu gleich!“ Den Schlachtruf deutscher Artilleristen kennen ungarische Kanoniere künftig genauso gut wie das Wort „Panzerhaubitze“. In der Oberpfalz liegt die Wiege der modernen ungarischen Panzerartillerie. Weil es für die moderne Panzerhaubitze 2000 noch keine Dienstvorschrift auf Ungarisch gibt, haben die osteuropäischen Partner etliche deutsche Fachbegriffe gelernt. Der erste Schritt ist geschafft. Nach drei Monaten haben acht Ungarn die Ausbildung zum Geschützkanonier abgeschlossen. Die Ungarn wissen: Sie sind Pioniere ihrer Streitkräfte, entsprechend hoch ist ihre Motivation. „Das hat hervorragend geklappt“, freut sich der Kommandeur des Weidener Artilleriebataillons 131, Oberstleutnant Sven Zickmantel. Der Verband gehört zu den Divisionstruppen der 10. Panzerdivision aus dem unterfränkischen Veitshöchheim.

Ab Januar neuer Lehrgang

Drei Panzerhaubitzen stehen nebeneinander, auf dem Boden davor aufgereihte Geschosse und Treibladungen.

Auf dem Ladeplatz: Die Geschützbesatzungen nehmen die von der Munitions- und Austauschgruppe vorbereitete Munition auf. High-Explosive-Geschosse (HE-Geschosse) sind olivgrün, Nebelgeschosse weiß-grün, dazu die nötigen Treibladungen.

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

Ein ganzes Panzerartilleriebataillon wollen die ungarischen „Honvédség“, also Streitkräfte, aufbauen und mit den deutschen Panzerhaubitzen ihre alten Selbstfahrlafetten ersetzen. Daher wird die ungarische Armee im Rahmen der Militärischen Ausbildungshilfe einen Teil ihrer Artilleristen in Deutschland ausbilden lassen. Schon im Januar kehren die acht Ungarn zurück und werden bei den Weidener Artilleristen die Ausbildung zum Geschützführer durchlaufen, dann folgen Zugführer- und Kompaniechef-Lehrgänge. Später unterrichten sie ihre Kameraden in Ungarn.

Vorfreude auf das neue Waffensystem

Eine Panzerhaubitze mit roter Fahne am Turm steht auf einer Wiese, dahinter fünf ungarische Kanoniere.

Die rote Flagge zeigt an: Die Haubitze ist geladen und feuerbereit. Der ungarische Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Barnabás Bartók, will gemeinsam mit seinen Soldaten die Haubitze per Auslöseseil abfeuern.

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

Für Hauptfeldwebel Ivo Köhnke ist das eine ganz besondere Erfahrung. Die Ungarn seien „höchst motiviert, die haben richtig Lust zu lernen und freuen sich darauf, das neue Waffensystem zu bekommen“, beschreibt der Zugführer und Ausbilder. Trotz aller Hürden, den deutschen Ausbildern helfen Übersetzer aus Ungarn, sei die Arbeit mit dem ungarischen Team bislang sehr angenehm gewesen. Geführt werden die Ungarn durch einen Hauptmann: Wie wird ein Geschoss aufgezündert? Wie wird ein Geschütz in der Feuerstellung infanteristisch gesichert, seien erste Fragen der Ausbildung, berichtet der Zugführer.

Ungarn lernen deutsche Kommandos

Eine Panzerhaubitze mit geöffneter Heckklappe, ungarische Artilleristen wuchten die Geschosse von Hand zu den Haubitzen.

Die ungarischen Geschützbesatzungen nehmen die vorbereitete Munition auf. Die Ungarn tragen deutsche Panzerkombinationen mit ungarischen Abzeichen.

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

Drei Monate lang haben Köhnke und sein Team den ungarischen Feldwebeln und Offizieren die Tätigkeiten an der Artilleriemunition, an den Arbeitsplätzen im Gefechtsraum der Haubitze und in einer allgemeinen Landoperation gelehrt und geübt. Weil eine Vorschrift auf Ungarisch für die Panzerhaubitze noch nicht vorliegt, mussten auch die Sprachmittler improvisieren. Wie übersetzt man Begriffe wie „aufzündern“ oder „Geschossübergabearm“ ins Ungarische? Weil die acht Ungarn zuvor einen Sprachkurs absolviert hatten und recht gut Deutsch verstehen, nutzen sie einfach die deutschen Fachbegriffe – aus Sicherheitsgründen übrigens auch die deutschen Feuerkommandos.

Scharfer Schuss nach elf Wochen Unterricht

Vier Panzerhaubitzen stehen feuerbereit, aber mit großen Abständen zueinander im Gelände.

Fertig für den Feuerkampf: Der Zug mit vier Panzerhaubitzen hat aus der gedeckten Aufstellung eine Feuerstellung bezogen und wartet auf den Feuerbefehl

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

Der scharfe Schuss auf dem nahen Truppenübungsplatz Grafenwöhr im November war für die meisten Teilnehmer Abschluss und Höhepunkt der elfwöchigen Ausbildung. Die Soldaten mussten zeigen, dass sie das in den vergangenen Wochen Gelernte auch unter Gefechtsbedingungen anwenden können. Die erfahrenen Artilleristen haben bislang in ihrer Heimat D-20-Kanonenhaubitzen genutzt, die noch aus sowjetischer Produktion stammen. Das neue Panzerartilleriebataillon soll in der Kleinstadt Tata aufgebaut werden. Der Ort liegt in der ungarischen Toskana nördlich der Hauptstadt Budapest.

Besuch vom Bataillonskommandeur

Gruppenfoto mit drei ungarischen Soldaten in Tarnuniformen und Panzersprechhauben.

Der ungarische Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Barnabás Bartók (M.) mit zwei seiner Artilleristen: Sie sind zufrieden, nachdem sie gemeinsam das Geschütz abgefeuert haben

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

Wie die Ausbildung ihrer Soldaten in der Oberpfalz läuft, davon machten sich der ungarische Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Barnabás Bartók, und der Leiter des Verbindungsbüros der ungarischen Streitkräfte in Deutschland, Oberst Janos Csombok, am 17. und 18. November persönlich ein Bild. Über das bisher Erreichte waren beide äußerst zufrieden. Die Zusammenarbeit klappe reibungslos: „Ich bin dankbar für die hervorragende Ausbildung meiner Soldaten und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren deutschen Partnern“, erklärte Bartók.

Lob an die Ausbilder

Mehrere Soldaten stehen in einer großen Halle aus Beton, hinter ihnen eine Panzerhaubitze als Ausbildungsgeschütz.

Eine Panzerhaubitze als Simulator: Darin werden Soldaten auf allen Bedienerplätzen gleichzeitig ausgebildet und überwacht. Mit einem extra eingerüsteten Geschützrohr wird der scharfe Schuss simuliert.

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

„Hervorragend“ sei der erste Ausbildungsabschnitt verlaufen, freut sich sein deutsches Gegenüber, Oberstleutnant Zickmantel. „Es ist die erste internationale Geschützausbildung am Standort.“ Zuvor hatten die Weidener mit der Ausbildung von Geschützkanonieren in Kroatien Erfahrungen gesammelt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist ein grenzüberschreitendes Ausbildungsprogramm keine Selbstverständlichkeit. Die Vorlaufzeit für die Vorbereitung sei durch Zwänge angesichts der Pandemie sehr kurz gewesen. „Wir sind stolz darauf, dass die Ausbildung auch unter den momentan herrschenden Bedingungen reibungslos abgelaufen ist“, so Zickmantel.

Gern gesehene Gäste

Ein deutscher und ein ungarischer Soldat stehen auf einem gepflasterten Platz, im Hintergrund eine Häuserzeile mit Geschäften.

Wochenendprogramm: Oberstleutnant Sven Zickmantel (l.), Kommandeur des Artilleriebataillons 131, führt Oberstleutnant Barnabás Bartók durch Weiden und erläutert ihm auf dem Marktplatz die Geschichte des Ortes

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

„Ideenreichtum und eine hohe Flexibilität der deutschen Ausbilder hat bisher zu einem sehr guten Ausbildungsstand geführt“, resümiert der deutsche Kommandeur. Die ungarischen Soldaten sind in Weiden gern gesehene Gäste und fühlen sich wohl in Stadt und Region. Dazu trug auch das Engagement der Weidener Artilleristen bei. So betreuten sie ihre ungarischen Kameraden auch am Wochenende, etwa bei einem Stadtrundgang durch Weiden. Oberstleutnant Zickmantel erläuterte dabei Oberstleutnant Bartók die Geschichte des Ortes, der 35 Kilometer westlich der Grenze zu Tschechien liegt.

„Ein ganz toller Auftrag“

Vier ungarische Soldaten stehen in einer Werkstatthalle; zwei zivile Mechaniker in blauen Anzügen erklären ihre Arbeit.

Besuch der Heeresinstandsetzungslogistik in Weiden: Markus Wolf (r.), Leiter des Stützpunktes, erläutert die Abläufe bei der Instandsetzung der Panzerhaubitze, für die Ungarn ein wichtiges Element ihres Projekts

Bundeswehr/Rebecca Kostanjevec

„Es hat Spaß gemacht“, resümiert auch Ausbilder Köhnke und freut sich nun auf den nächsten Lehrgang, „das ist ein ganz toller Auftrag.“ Das Artilleriebataillon 131 hat bereits die Fortsetzung dieser erfolgreichen Kooperation geplant. Die weiterführende Ausbildung zum Geschützführer werden die ungarischen Soldaten im ersten Quartal 2021 in Weiden absolvieren. Schon im Januar soll dieser Ausbildungsabschnitt beginnen. Nach Abschluss im März wird ein Offizier den Cheflehrgang durchlaufen, vier weitere Soldaten werden zum Zugführerlehrgang entsandt. Im Sommer sind die Weidener Artilleristen ihrerseits in Ungarn. Im Juni wird das Artilleriebataillon 131 mit Anteilen des Bataillonsgefechtsstandes und einer Batterie an einem Artillerieschießen in Tata teilnehmen.

von Mario Hönig und Karsten Dyba

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

mehr lesen