Die Lage beim Heer – in Deutschland und in Litauen
Generalleutnant Christian Freuding ist neuer Heeresinspekteur. „Nachgefragt“ traf ihn beim Besuch der Brigade Litauen der Bundeswehr.
Die Panzerbrigade 45 „Litauen“ wächst auf. Mit einem feierlichen Appell in Veitshöchheim am 29. Januar 2026 wurden der Brigade zwei Kampftruppenbataillone des Heeres – das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach und das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf – unterstellt. Damit erhöht sich die Kriegstüchtigkeit des Großverbands.
Wichtiger Schritt für Deutschland, Litauen und die NATONorth Atlantic Treaty Organization: Zwei Bataillone werden nun an die Ostflanke verlegt. Für die Truppe war der feierliche Unterstellungsappell ein emotionaler Moment.
Bundeswehr/Marco DorowSeit dem öffentlichen Aufstellungsappell im Mai 2025 in der litauischen Hauptstadt Vilnius wächst die Panzerbrigade 45 systematisch auf. Bis 2027 soll sie ihre volle Einsatzbereitschaft hergestellt haben – mit dann rund 5.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilpersonal. Der Großverband ist bereits fest in das Deutsche Heer integriert und untersteht der 10. Panzerdivision.
Mit der Zeremonie am Sitz des Divisionsstabes in Veitshöchheim wurden nun der Brigade die ersten beiden Kampftruppenbataillone offiziell unterstellt. Beide Verbände haben Erfahrungen mit Litauen: Sie wurden bereits bei der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission enhanced Forward Presence an der Ostflanke eingesetzt.
An dem Appell nahmen zahlreiche Gäste aus Militär, Politik und Gesellschaft teil, darunter auch Vertreterinnen und Vertreter Litauens. General a. D.außer Dienst Erhard Bühler, ehemaliger Kommandeur der 10. Panzerdivision und des NATONorth Atlantic Treaty Organization Allied Joint Force Command in Brunssum, betonte als Ehrengast die Bedeutung des Unterstellungswechsels in seiner Festrede. Er würdigte die Professionalität der Truppe: „Sie sind bei erfolgreicher Auftragserfüllung ein Anker, der uns auch in stürmischen Zeiten festhalten kann, ein Baustein der Verteidigungsfähigkeit in unserem Land und im Bündnis, der uns allen Halt und Zuversicht geben kann.“ Die Zeremonie wurde musikalisch durch das Heeresmusikkorps Veitshöchheim begleitet.
Mit den Ehrengästen schreiten die Kommandeure der 10. Panzerdivision, Generalmajor Jörg See (r.), und der 1. Panzerdivision, Generalmajor Alexander Krone (l.), die Front ab. Beide Divisionen stellen je ein Bataillon für Litauen.
Bundeswehr/Marco DorowDie Brigade wird insgesamt aus drei Kampfverbänden bestehen: dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach in Bayern, dem Panzerbataillon 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen und der Multinational Battlegroup Lithuania. In der kommenden Woche wird die Battlegroup in ihrer Gesamtheit mit einem großen feierlichen Appell in Kaunas ebenfalls der Panzerbrigade 45 unterstellt. Hinzu kommen Kampf- und Unterstützungselemente anderer Teilstreitkräfte und Organisationbereiche wie die Kräfte für das deutsche Sanitätszentrum sowie die Logistik, Feldjäger, Verwaltung, Militärseelsorge und Führungsunterstützung.
Erste Ausbildungs- und Übungsvorhaben der Brigade sind bereits angelaufen und werden schrittweise intensiviert. Mit der Unterstellung erhält die Brigade nun ihren schlagkräftigen Kern, den sie für die Verteidigung des Bündnisgebiets braucht. Dazu bringen die Soldatinnen und Soldaten ihr jeweiliges Hauptwaffensystem, den Schützenpanzer Puma sowie den Kampfpanzer Leopard 2 ein.
Nach dem Appell erklärte der Kommandeur der Panzerbrigade 45, Brigadegeneral Christoph Huber: „Für die Brigade ist es ein Meilenstein und eine enorme Kampfkraftverstärkung. Die Familie Panzerbrigade 45 ,Litauen‘ hat sich vergrößert. Ich bin stolz darauf, diese Frauen und Männer befehligen zu dürfen.“ Die Stationierung ist dauerhaft. Sie soll im zweiten Halbjahr 2027 vollends umgesetzt sein. Die Panzerbrigade 45 wird dann ihre volle Einsatzbereitschaft hergestellt haben.
Mit der Übergabe der Truppenfahnen des Panzerbataillons 203 (l.) und des Panzergrenadierbataillons 122 (r.) wird der formelle militärische Akt der Unterstellung besiegelt
Bundeswehr/Marco DorowDie Soldatinnen und Soldaten sowie die Zivilbeschäftigten, die in der Brigade dienen, werden nach Litauen versetzt. Je nach Laufbahn und Verwendung werden sie über mehrere Jahre in Litauen dienen. Bei der neuen Stationierung nehmen die Verbände diesmal ihr gesamtes Material und Gerät mit.
Ihre alten Standorte in Deutschland bleiben erhalten. Hier werden künftig andere Truppenteile stationiert. Bereits im Jahr 1961 hatte das Panzergrenadierbataillon 122 die frisch errichtete Grenzlandkaserne im oberpfälzischen Oberviechtach bezogen. Der letzte Umzug des Panzerbataillons 203 hingegen erfolgte erst vor knapp 20 Jahren nach Augustdorf in die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne, als das Bataillon von einem Panzergrenadierverband zu einem Panzerverband umgegliedert wurde. Nun beginnt für beide Verbände ein neues, wichtiges Kapitel – auch für Deutschland und seine Verbündeten.
von Peter Müller