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Deutsch-französische Jäger fit für Afrika

Deutsch-französische Jäger fit für Afrika

  • Einsatzausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Illkirch
Lesedauer:
5 MIN

Für die Soldatinnen und Soldaten des Jägerbataillons 291 aus dem französischen Illkirch-Graffenstaden zeichnet sich der Einsatz im afrikanischen Mali für das kommende Jahr bereits ab. Vier Wochen lang machen sich die Jäger auf zwei verschiedenen Truppenübungsplätzen fit für den Einsatz in Gao. Sie trainieren Patrouillengänge und Orts- und Häuserkampf.

Vier Soldaten stehen bewaffnet um eine Tür herum. Einer von ihnen bricht mit einem Rammbock die Tür auf.

Jäger brechen eine Tür auf: Orts- und Häuserkampf ist grundlegend für die Vorbereitung auf den Einsatz.

Bundeswehr/Marco Zielony

„Mit Patrouillen sammeln wir Informationen, um die Bevölkerung vor Übergriffen zu schützen, auch zeigen wir Präsenz im Einsatzraum.“ Patrouillen zu Fuß oder mit Fahrzeugen seien Kernaufgaben für diesen Einsatz, beschreibt ein für den Einsatz geplanter Zugführer. Mit dabei auch die Leichte Spähgruppe der Aufklärungskompanie der Deutsch-Französischen Brigade des Bataillons. Die leichten Späher würden vor allem in urbanem, also dicht bebautem oder stark bewaldetem Gelände, eingesetzt. „Für sie ist daher das Üben des Orts- und Häuserkampfes enorm wichtig. Mit Übungen auf dem rheinland-pfälzischen Truppenübungsplatz Baumholder und dem Übungsplatz im brandenburgischen Lehnin bereiten sich die Soldaten gezielt auf den Einsatz in Mali vor.“

Zusammenfinden, um zu kämpfen

Vier Soldaten knien im Wald. Einer von ihnen gibt einen Befehl per Funk.

Abgesessen gibt der Zugführer seinen Befehl, um den Feind zum Ausweichen zu zwingen und das angesprengte Fahrzeug bergen zu können.

Bundeswehr/Marco Zielony

Die Ausbildung in Baumholder ist von Märschen, also dem Bewegen in Fahrzeugkolonnen, und dem anschließenden Beziehen von genau festgelegten Geländeabschnitten geprägt. Getreu dem Motto „Vom Leichten zum Schweren“ sind Kampfverbände teilweise komplett neu zusammengestellt worden. Schwerpunkt des Trainings ist das Zusammenwirken zwischen den auf- und abgesessenen Jägern. Mit dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug, kurz GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, und dem Transportpanzer Fuchs sind die Infanteristen gut ausgerüstet und haben die Möglichkeit, die schweren Waffen der Fahrzeuge ins Gefecht mit einzubinden. „Es kommt allerdings bei einem komplexen Angriff darauf an, die Reichweite der Waffenstationen, als auch die Kampfkraft der abgesessenen Kräfte zu koordinieren und zu nutzen“, beschreibt der verantwortliche Ausbilder an dieser Station.

Pioniere und Sanitäter unterstützen

Ein Soldat schaut in den Radkasten eines Transportpanzers Fuchs.

Soldaten überprüfen bei einem Halt der Patrouille, ob sich versteckte Sprengkörper am Fahrzeug oder im Nah- und Nächstbereich des Fahrzeugs befinden.

Bundeswehr/Bill Drechsler

Die Ausbilder wissen: „Der Umgang mit Sprengfallen und das Versorgen von Verwundeten muss bei den Soldaten absolut sitzen.“ Genau dazu hat sich das Jägerbataillon Experten „eingekauft“. Pioniere der Panzerpionierkompanie 550, ebenfalls aus der Deutsch-Französischen Brigade, unterstützen die Jäger. Es sind die Pioniere, mit denen die Jäger und Aufklärer gemeinsam in den Einsatz nach Mali verlegen werden. Man lernt sich durch diese Übungen frühzeitig kennen. Denn später müssen die Soldaten zusammen kämpfen und sich gegenseitig vertrauen, so der Grundgedanke.

In der IEDImprovised Explosive Device-Halle (Improvised Explosive Device), also einer speziellen Ausbildungshalle für unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung, kurz Sprengfallen, werden verschiedenste Verstecke und Verbringungsarten von IEDImprovised Explosive Device simuliert. Die Soldaten lernen das Erkennen und den Umgang mit Sprengfallen und was es bedeutet, etwa mit einer Fahrzeugkolonne, in eine solche Falle zu geraten. Dank der Ausbildung durch die Pioniere können die Infanteristen mit diesen Hindernissen professionell umgehen und lassen den Gegner dabei nicht zum Zuge kommen.

Für den Fall das doch einmal Kameraden verletzt werden, sind Sanitäter des Sanitätsversorgungszentrums in Stetten am kalten Markt in die Ausbildung involviert. So sind in jedem Jägerzug sehr gut ausgebildete Ersthelfer vorhanden. Doch ist es von Vorteil, wenn Rettungssanitäter oder sogar ein Arzt bei einer Patrouille mit eingegliedert sind. Diese übernehmen schnell und professionell die Versorgung der Verwundeten.

Anschlagsstelle schnell räumen

Mehrere Gefechtsfahrzeuge fahren hintereinander auf einem Feldweg. Die Soldaten suchen die Fahrzeuge nach Schäden ab.

Nach dem Auffahren auf eine Sperre überzeugen sich die Soldaten, ob die Fahrzeuge einsatzbereit sind.

Bundeswehr/Marco Zielony

Wird eine Patrouille beschossen, handeln die Soldaten blitzschnell. Wichtig ist, schnellstmöglich von der Anschlagstelle wegzukommen. „Dazu ist eine konstante Kommunikation zwischen allen Fahrzeugen und ein ständig aktuelles Lagebild jedes Fahrzeugs unerlässlich“, erklärt einer der Fahrzeugführer. Sind die Fahrzeuge am Ziel angekommen, gilt es den Verfügungsraum den Ort, an dem sich die Patrouille für längere Zeit aufhält, vorzubereiten und auszunutzen. So können Gefahren von außerhalb minimiert werden und sich gegnerische Kräfte nicht ungesehen annähern. Wie das taktisch funktioniert und real umgesetzt wird, haben die Illkircher Jäger in den Wochen auf dem Truppenübungsplatz Baumholder gelernt.

Feuer und Bewegung

Zwei Soldaten in einem Raum. Einer von ihnen prüft gerade, ob sich Gegner hinter der Tür befinden.

Soldaten der Leichten Spähgruppe stürmen ein Gebäude. Wenn es schnell und professionell geht, bleibt dem Gegner keine Zeit zur Gegenwehr.

Bundeswehr/Marco Zielony

Die leichte Spähgruppe der 4. Kompanie des Jägerbataillon 291 wird in urbanem Umfeld eingesetzt. Orts- und Häuserkampf ist hier der Schwerpunkt. Das Übungsdorf Kefersberg in Baumholder ist dazu wie gemacht. „Wichtig ist dabei, immer die gesamte Gruppe unter einheitlicher Führung zu haben, auch wenn der Gruppenführer einmal ausfällt. Dazu gilt natürlich immer Feuer und Bewegung.“ So werde der Gegner gezwungen, den Kopf hinter der Deckung zu halten und könne nicht mehr wirken. Schwierig sei ein urbanes Umfeld, da aus jedem Fenster, jeder Tür und jeder Gasse plötzlich generische Kräfte auftauchen könnten, erklärt einer der Späher zwischen zwei Ausbildungsabschnitten.

Lehnin ist wie Einsatz

Ein Spähwagen Fennek fährt gefolgt von einem GTK Boxer über eine Heidewiese.

Jäger und Aufklärer arbeiten in Mali Hand in Hand. Das Jägerbataillon 291 verfügt schon im Heimatbetrieb über diese im Heer einzigartige Zusammenarbeit.

Bundeswehr/Marco Zielony

Üben unter Einsatzbedingungen ist die beste Vorbereitung. Auf dem Übungsplatz Lehnin haben die Jäger die Patrouillenausbildung weiter vertieft und zusätzlich die äußeren Einflüsse des Auslandseinsatzes einfließen lassen. Das bedeutet, täglich neue Aufträge zu übernehmen, mit den Aufklärungskräften vor Ort zusammenzuarbeiten und Patrouillen zu absolvieren. Vor allem kann auf dem Truppenübungsplatz Lehnin die Geografie und der Bewuchs in Mali simuliert werden, da es sich um einen sehr sandigen Platz mit teils großen Freiflächen auf den Schießbahnen handelt. Die Zwischenfälle, die die Jäger auf den Patrouillen zu meistern haben, werden nach und nach immer schwieriger. Mehr Gegner, unübersichtlichere Lagen und anspruchsvolleres Gelände bedeuten eine deutliche Steigerung zur Übung in Baumholder. Durch die schwierigeren Bedingungen steigert sich aber auch die Leistung der jungen Soldaten. Mit jedem Tag werden sie besser.

Ein GTK Boxer schleppt einen weiteren Boxer mit einem Abschleppseil ab.

Nachdem der Gegner ausgewichen ist, kann der angesprengte GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer geborgen werden.

Bundeswehr/Marco Zielony

Auch der Orts- und Häuserkampf wird nochmals vertieft. Die Bewegungen in und an Häusern sind immer eine große Herausforderung für die Soldaten der leichten Spähgruppe und erfordern extrem viel Übung. Jeder Soldat muss jede Position des Trupps übernehmen können, egal ob er Gruppenführer ist oder nicht. Das bedingt blindes Vertrauen der eigenen Kameraden und ein perfekt aufeinander abgestimmtes Team. Es ist noch ein weiter Weg, aber mit den ersten Erfahrungen um den Orts- und Häuserkampf waren die leichten Späher mehr als zufrieden.

Vier Wochen Übungsplatzaufenthalt für die Jäger und Aufklärer aus dem französischen Illkirch gehen zu Ende. Vier fordernde Wochen, die die Soldaten einen großen Schritt nach vorne gebracht haben. Die Angehörigen des Bataillons blicken mit Spannung auf den Einsatz Ende 2021 und die noch kommenden Ausbildungsabschnitte auf dem Weg nach Gao.

von Marco Zielony

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