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Die Alma Mater der Infanterie

Die Alma Mater der Infanterie

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
5 MIN

Die Infanterieschule in Hammelburg ist eine der am breitesten gefächerten Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr. Nicht nur der Führernachwuchs der Heeresinfanterie wird hier ausgebildet, sondern teilstreitkraftübergreifend auch infanteristisch eingesetzte Kräfte der Luftwaffe und Marine, wie auch andere Spezialkräfte.

Das Stabsgebäude und die Zufahrt der Infanterieschule schematisch dargestellt vor dem Bundeswehr-Polygonmuster.

An der Infanterieschule und ihren nachgeordneten Einrichtungen und Bereichen werden jährlich rund 16.000 Soldaten ausgebildet und trainiert

Bundeswehr/Marie Heike

Aus der Luft, am Boden, im Gebirge und zu Wasser, auf- und abgesessen, von dicht an dicht beim Nahkampf bis auf kilometerweite Entfernungen bei den Scharfschützen. Von der Gefechtsführung am PC im Ausbildungsstützpunkt Simulationssystem für Rahmenübungen (SIRA-Bataillon) bis zur Einsatzvorbereitung auf Bataillonsebene im Felde im Übungszentrum Infanterie – all das ist die Infanterieschule, ob in Hammelburg, Altenstadt, Mittenwald, Calw oder am Übungsort Lehnin.

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Die Infanterieschule ist die zentrale Ausbildungsstätte der Infanterie des Deutschen Heeres.

An den vier Standorten der Infanterieschule, in Hammelburg, an der Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt, an der Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald und dem Ausbildungsstützpunkt Spezialkräfte Heer in Calw werden jährlich insgesamt circa 16.000 Soldaten ausgebildet und trainiert. Es werden über 150 verschiedene Lehrgänge zu unterschiedlichsten Themen angeboten. Hierfür sind täglich 70 Hörsaalleiter und 238 Stationsausbilder der 17 Ausbildungseinheiten im Einsatz. Im Jahr 2021 wurden allein am Standort Hammelburg 8,2 Millionen Patronen unterschiedlicher Kaliber verschossen, diese hatten einen Wert von circa 22 Millionen Euro.
Es sind beeindruckende Zahlen, doch wer steckt dahinter?
Auf der Ebene eines Bataillons arbeiten Soldatinnen und Soldaten in sieben Bereichen und decken die facettenreiche infanteristische Ausbildung ab.

Die Lehrgruppe A

Bewaffnete Soldaten verlassen einen Transporthubschrauber, der in freiem Gelände steht.

Die Lehrgruppe A hat ihren Schwerpunkt in der Führerausbildung der Jäger- und Fallschirmjägertruppe. Auch die Kommandantenausbildung am Gepanzerten Transportkraftfahrzeug Boxer und die Informationswehrübungen sind hier beheimatet.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Unter Führung von Oberstleutnant Andreas Eichhorn bildet die Lehrgruppe A vor allem zukünftige Führer aus den drei Truppengattungen der Infanterie für ihre infanteristischen Führungsaufgaben fachlich aus. Das umfasst sowohl Offizier- und Feldwebelanwärter als auch Feldwebel und Offiziere aller Führungsebenen: von der Trupp- und Gruppenebene über Zugführer und Kompaniechefs bis hin zu angehenden Bataillonskommandeuren. Darüber hinaus werden Lehrgangsteilnehmer an und mit allen schweren Waffen der Infanterie ausgebildet: am Gepanzerten Transportkraftfahrzeug Boxer, am Lenkflugkörper-System MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System und an der Maschinenkanone auf dem Waffenträger Wiesel. Voraussichtlich wird die Lehrgruppe auch mit der Ausbildung am/mit dem Schweren Waffenträger Infanterie beauftragt werden.

Abwechslung im infanteristisch geprägten Lehrbetrieb bilden Sonderlehrgänge wie beispielsweise Informationswehrübungen für zivile Führungskräfte.

Lehrgruppe B

Zwei Soldaten mit Schutzausrüstung trainieren den Nahkampf in einer Sporthalle auf einer blau-gelben Matte.

Nahkämpfer, Scharfschützen, Einzelkämpfer, Führer eines Jagdkommandos und Luftwaffensicherungssoldaten – alle sind vereint in der Lehrgruppe B, liebevoll auch als „Spezialisten-Lehrgruppe“ von ihrem Kommandeur bezeichnet

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Die Lehrgruppe B wird von ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Andreas Wiechert, gern als Spezialisten-Lehrgruppe bezeichnet. Denn neben der Feldwebel- und Offizierausbildung der Luftwaffe bei Laufbahnlehrgängen werden hier zusätzlich in Verwendungslehrgängen beispielsweise die Einzelkämpfer und Führer eines Jagdkommandos ausgebildet. Hier finden aber auch die Ausbildung im militärischen Nahkampf, die Ausbildung der Scharfschützen und die Schießlehrerausbildung statt.

Übungszentrum Infanterie

Mehrere bewaffnete Soldaten kämpfen in einem Grabensystem.

Der Kernauftrag des Übungszentrums Infanterie ist die Einsatzvorbereitung militärischer Einheiten bis zur Ebene einer verstärkten Kompanie in einem realen Szenario unter Beobachtung durch Schiedsrichter

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Das Übungszentrum Infanterie ist die zentrale Ausbildungseinrichtung des Heeres für verstärkte Infanteriekompanien und der Kompetenzträger des Heeres für infanteristischen Kampf.

In 16 Übungsdurchgängen, die bis zu zwei Wochen dauern, üben bis zu drei Kompanien der leichten Infanterie des Heeres, des Objektschutzregiments der Luftwaffe sowie befreundeter Nationen in allen Operationsarten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Steigerung des Führungskönnens der Kompaniechefs und Zugführer. Die Volltruppenübungen finden dabei grundsätzlich im freien Verlauf und unter Nutzung von Duellsimulatoren statt, meist auf Truppenübungsplätzen, aber auch im freien Gelände sowie im Hochgebirge und im Ausland.

Ausbildungsstützpunkt SIRA-Bataillon

Einige Soldaten sitzen vor ihren digitalen Lagekarten an PC im Bataillonsgefechtsstand.

Ausbildung der Bataillonskommandeure und ihrer Stäbe – das ist die Aufgabe des Ausbildungsstützpunktes SIRA: modern, effizient und nachhaltig

Bundeswehr/Tobias Daniek

Das Simulationssystem für Rahmenübungen (SIRA) ist ein computergestütztes Gefechtssimulationssystem für die taktische Schulung von Bataillonskommandeuren und ihren Gefechtsständen. Der SIRA-Stützpunkt Hammelburg ist mit neuester Hard- und Software ausgestattet, an denen das Gefecht in allen Operationsarten und in jeder Intensität dargestellt werden kann. Das Gefecht verläuft dabei in Echtzeit und bis zur Ebene des verstärkten Bataillons. Im Kern werden hier Rahmenübungen für Bataillonsstäbe durchgeführt, aber auch die Ausbildung von Führungs- und Einsatzgrundsätzen ist Teil des Auftrages. Der Ausbildungsstützpunkt SIRA ist ein fester Bestandteil für die Einsatzvorbereitung von Verbänden, die im Ausland eingesetzt werden. Geführt wird der Ausbildungsstützpunkt SIRA-Bataillon von Oberstleutnant Tobias Daniek.

Luftlande-/Lufttransportschule Altenstadt

Ein angeleinter Soldat springt aus einem hölzernen Sprungturm. Ein Absetzer steht oben und sorgt für einen sicheren Sprung.

Ausbildungsthemen der Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt sind der Fallschirmsprung jeglicher Variation, Lufttransport und Luftumschlag

Bundeswehr/Tim Reinhold

Die in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne beheimatete Luftlande-/Lufttransportschule hat als Schwerpunkt die Ausbildung luftbeweglicher Kräfte. „Vor allem werden hier militärische Fallschirmspringer ausgebildet, sowohl mit automatischer als auch mit manueller Auslösung“, erläutert Oberstleutnant Martin Holle, der Leiter der Schule. Auch die weiteren dazu benötigten Fähigkeiten, wie die Ausbildung der Absetzer, die für einen sicheren Sprungablauf sorgen, und der Combat Control Teams, dem Kern eines Fallschirmspezialzuges, findet hier statt. Weiterhin gehören die Ausbildung zum Abseilen aus Hubschraubern (Luftlandeeinsatzverfahren), die Lufttransport- und die Luftumschlagausbildung sowie technische Lehrgänge zum Packen, Prüfen und Instandsetzen von Fallschirmmaterial zum Portfolio der Luftlande-/Lufttransportschule.

Gebirgs- und Winterkampfschule Mittenwald 

Mehrere Soldaten in Schneetarnuniform laufen hintereinander auf Skiern durch eine verschneite Gebirgslandschaft.

An der Gebirgs- und Winterkampfschule werden zukünftige militärische Führer der Gebirgsjägertruppe, als Heeresbergführer oder als Hochgebirgsspezialist ausgebildet

Bundeswehr/Lutz Leibelt

Kurz vor der österreichischen Grenze befindet sich, inmitten der Alpen, die Gebirgs- und Winterkampfschule. Dort werden unter der Führung von Oberstleutnant Gerrit Reichinger vor allem die Feldwebel und Offiziere der Gebirgsjägertruppe ausgebildet. Darüber hinaus ist die Ausbildung der Heeresbergführer sowohl national als auch international an der Gebirgs- und Winterkampfschule beheimatet. Da dieser Ausbildungsstützpunkt auf den Kampf im Gebirge spezialisiert ist, werden hier ebenfalls Heereshochgebirgsspezialisten ausgebildet, wie auch die Themen „Scharfschützeneinsatz im Hochgebirge“ und „Bergrettung“ abgedeckt. Ein weiterer Aspekt ist die Ausbildung von Spezialkräften im alpinen Gelände.

Ausbildungsstützpunkt Spezialkräfte des Heeres Calw

Angehende bewaffnete Kommandosoldaten marschieren mit verhülltem Gesicht und schwer bepackt.

An der Infanterieschule wird das Potenzial der Bewerber für das Kommando Spezialkräfte (KSKKommando Spezialkräfte) festgestellt, angehende Kommandosoldaten auf die späteren Tätigkeiten vorbereitet und Soldaten des KSKKommando Spezialkräfte trainiert

Bundeswehr/AusbStp SpezKr H

Der seit 2021 neu aufgestellte Ausbildungsstützpunkt Spezialkräfte Heer führt das Potenzialfeststellungsverfahren für die Teilnahme an der Kommandoausbildung sowie die Basisausbildung der Kommandofeldwebel und -offiziere und der besonders befähigten Unterstützungskräfte des Kommandos Spezialkräfte durch. Auch das ständige Training von Kommandosoldaten ist hier verortet.

Die Infanterie und ihre Führer

Das Wappen ist weinrot, darauf hellgrau ein Gebirge stilisiert, darunter auf grünem Grund gekreuzte Schwerter.

Das Wappen der Infanterie vereint verschiedene Truppengattungen. Bordeauxrot für die Fallschirmjägertruppe, mittig das Gebirge für die Gebirgsjägertruppe und am Fuß das Grün der Jägertruppe. Die gekreuzten Schwerter stehen für die Infanterie.

Bundeswehr/Infanterieschule

Bei der Ausbildung zum Führer in der Infanterie kommt neben der Bedeutung „Führer, Ausbilder und Erzieher“ der Fähigkeit und Fertigkeit als Kämpfer eine besondere Bedeutung zu. Dies verlangt von den Soldaten, dass sie ihre Rolle als Infanterist in allen Lagen beherrschen, ihren Waffenmix lagebezogen einsetzen können und nicht nur in der Lage sind zu kämpfen, sondern dies auch wollen und auf die von ihnen Geführten übertragen können.

Die Besonderheit der Infanterie liegt darin, dass sie eine sehr „physische“ Truppengattung ist: Der Infanterist kämpft abgesessen, bedeutet zu Fuß, muss also in der Lage sein, alles das, was er benötigt, selbst mitzuführen. Daher kommt der körperlichen Fitness beziehungsweise dem Erwerb dieser Fähigkeit in den Lehrgängen eine besondere Rolle zu.
Infanterie wird immer dort eingesetzt, wo hochtechnische und weitreichende Waffen nicht mehr eingesetzt werden, weil nur so Kollateralschäden verhindert werden können.
Auf den letzten Metern, im engsten Kontakt zum Feind benötigt der Infanterist daher einen unbedingten Willen zum Sieg, ein großes Maß an Belastbarkeit und vor allem Robustheit des Einzelnen und der gesamten Truppe. 
Was in diesem Zusammenhang auch nie außer Acht gelassen werden darf, sind die damit zusammenhängenden Einheiten, die den Ausbildungs- und Übungsbetrieb erst möglich machen. Stellvertretend für viele weitere Unterstützungskräfte sind hier der Sanitätsdienst, der für die Verwundetenversorgung zuständig ist und beispielsweise der Nachschub und die Instandsetzung zu nennen. Ohne die Zuarbeit und Unterstützung von deren Seite wäre die Ausbildung nicht möglich. Diese Unterstützer arbeiten meist im Hintergrund und sorgen für einen reibungslosen Ablauf, sind dadurch aber nicht weniger wichtig für den Auftrag, denn dieser steht an erster Stelle.

von Thomas Heinl
Auf rotem Hintergrund kreuzen sich zwei schwarz-silberne Schwerter mit goldenem Griff, mittig ein silbernes S für Schule.

Infanterieschule

Erfahren Sie mehr über die Infanterieschule aus Hammelburg in Bayern, ihre Soldatinnen und Soldaten und die Ausbildung.

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