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Heer
Der Fährenführer

Die Amphibie ist sein Zuhause

Menschen

„Wenn die Straßen enden, geht es halt übers Wasser.“ Hauptfeldwebel Hendrik Pinkpank ist Pionier und stolz darauf, der Kampftruppe im Gefecht den Weg zu bereiten. „Wir Pioniere sind Kampfunterstützer und tun alles für die Mobilität unserer Gefechtsverbände. Das dicke Ass im Ärmel sind unsere Amphibien. Alle in der NATONorth Atlantic Treaty Organization verfügbaren Gefechtsfahrzeuge bringen wir damit übers Wasser“, erklärt Pinkpank.

Auf der Weser: Drei Soldaten stehen auf einer Fähre, der in der Mitte erklärt etwas.

Die Amphibie M3 ist sein „Steckenpferd“: Hauptfeldwebel Hendrik Pinkpank ist stolz, Pionier und Fährenführer im Panzerpionierbataillon 130 in Minden zu sein.

Bundeswehr/Marco Dorow

Der 32-Jährige hat seine Ausbildung zum Fährenführer abgeschlossen. Seine militärische Heimat ist das Panzerpionierbataillon 130 im nordrhein-westfälischen Minden. Nach seinem Oberleutnant ist er der zweite Mann im Zug, er ist der stellvertretende Zugführer im Amphibischen Brückenzug. „Ja klar bin ich stolz, Pionier zu sein und zudem noch in Minden“, sagt Pinkpank. Gerade in der Landes- und Bündnisverteidigung sei der Einsatz von Brücken und Fähren nicht wegzudenken. Mit den Amphibien in Minden habe man im gesamten NATONorth Atlantic Treaty Organization-Raum eine einzigartige Technik zur Verfügung, das sei faszinierend.

Eine Erscheinung der besonderen Art

In einer rumänischen Ortschaft stehen viele Amphibienfahrzeuge hintereinander aufgereiht.

Rumänien 2017: Während der Übung Saber Guardian stehen die mächtigen Amphibien in ihrem Bereitstellungsraum und warten auf das „Go!“

Bundeswehr/Marco Dorow

„Amphibien, die Kriechtiere, beanspruchen ja auch zwei Lebensräume für sich: das Land, aber auch das Wasser“, erzählt der Hauptfeldwebel mit einem Lächeln. „Und genau das findet sich auch in der Ausbildung zum Fährenführer der Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 wieder“, fährt er sachlich fort. An Land sei die Amphibie ein Lkw mit beachtlichen 3,35 Meter Breite und gut 80 Kilometer pro Stunde schnell. „Im Wasser wird aus diesem Lkw ein schwimmendes Stück Schwimmbrücke mit eigenem Antrieb und mit einer Fahrbahnbreite von bis zu 4,76 Metern. Wasserstrahlantriebe machen uns wendig wie ein kleines Schlauchboot.“

Wenn Wasser Balken bekommt

Auf einem Fluss schwimmt eine Fähre, die mit einem Schützenpanzer beladen.

Norwegen 2018 Fährbetrieb: Bei der Übung Trident Juncture setzen Pioniere aus Minden multinationale Gefechtsverbände über einen 300 Meter breiten Fluss

Bundeswehr/Marco Dorow

 „Je nach Auftrag bauen wir aus diesen einzelnen Teilen dann eine komplette Brücke über ein Gewässer, können aber auch im Fährbetrieb Fahrzeuge einzeln übersetzen.“ Das mache natürlich den zweiten Teil der Ausbildung aus. So gelte die Amphibie auf dem Wasser ganz klar als Wasserfahrzeug, mit allen Vorschriften die dazugehören. In diesen zwei Elementen, an Land und im Wasser, sei die Amphibie M3 zuhause. Als Führer einer solchen Fähre müssen die Soldaten sehr komplexe Abläufe steuern. Werden sogenannte Kriegsbrücken im Gefecht eingesetzt, steht die Kampftruppe unter enormem Druck. In solchen Situationen überlassen die Pioniere nichts dem Zufall.

Porträt eines Soldaten mit grüner Mütze und einer Schwimmweste

Hauptfeldwebel Hendrik Pinkpank auf dem Weg zum Fährenführer. „Erfahrung ist ein wichtiges Ausbildungsmittel“, sagt er.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mit der Ausbildung zum Fährenführer hat Pinkpank schon einiges in seiner militärischen Laufbahn erreicht, verfügt aber auch schon über beträchtliche Erfahrung. Er ist bereits seit 2010 Soldat und bildet sich ständig weiter, um voranzukommen. Für ihn ist es aber keine One-Man-Show. „Die Technik zu verstehen, ist das eine, aber wir müssen auch unseren Kameraden mitnehmen. Eine solche Brücke oder Fähre baut sich nicht allein“, gibt er zu bedenken. Auf einer Amphibie sind drei Soldaten – Kommandant, Landfahrer und Rüstmann – eingesetzt, jeder mit ganz speziellen Aufgaben. Ein Fährenführer müsse genau wissen, was er von jedem Einzelnen abverlangen könne.

Ein Tag ohne Ausbildung ist ein verschenkter

An einem Fahrzeug sind Kreidesymbole gezeichnet, Soldaten stehen davor und besprechen sich.

Wer macht wann, was und wozu: Ein Schwerpunkt der Ausbildung ist die Befehlsgebung, damit auf dem Wasser alles glattgeht.

Bundeswehr/Marco Dorow

In der Ausbildung lernen die Fährenführer, das ihnen anvertraute Gerät und Soldaten schnell, sicher und präzise auf dem Wasser einzusetzen. Selbst der erfahrene Hauptfeldwebel nahm sich der Erfahrungen seiner Ausbilder an und übte sich in solchen Dingen wie, Befehlsausgabe für den Fährenbau. Immer getreu dem Motto: Eine gute Befehlsausgabe an Land, spart Unklarheiten auf dem Wasser. „Für mich sind Erfahrungen älterer Soldaten eine super Ergänzung in der normalen Ausbildung. Ich nehme sie an, speichere sie ab und greife bei Bedarf darauf zurück.“

Von der Weser in die ganze Welt

Auf einem Fluss schwimmt eine lange Schwimmbrücke aus mehreren Amphibienfahrzeugen.

Polen 2016: Von Ufer zu Ufer – bei der Übung Anakonda bauen Pioniere aus Minden mit Unterstützung ihrer britischen Kameraden eine über 300 Meter lange Schwimmbrücke über die Weichsel

Bundeswehr/Mario Bähr

Wie auch schon sein Vater, Oberstabsfeldwebel außer Dienst Pinkpank, hat der junge Hauptfeldwebel der Pioniere das „Fährenführerhandwerk“ auf der Weser bei Minden gelernt. „Mit der Ausbildung fängt das Lernen erst richtig an“, sagt er. Ja, er sei nun Fährenführer, es gelte aber das Team zu stärken, weiter aufzubauen und schnell Erfahrungen zu sammeln, um im Einsatz mit seinen Kameradinnen und Kameraden gemeinsam mit den Amphibien zu bestehen. Zurückblickend waren die Mindener Pioniere fast im gesamten NATONorth Atlantic Treaty Organization-Territorium mit ihren Amphibien schon im Einsatz. Der nächste Auftrag „Brücken bauen, wo keine sind“ kommt bestimmt.

von René Hinz

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