Heer
Hilfslieferung per Luft

Fallschirmlasten für Gaza an Heeresschule entwickelt

Fallschirmlasten für Gaza an Heeresschule entwickelt

Datum:
Ort:
Altenstadt
Lesedauer:
2 MIN

Nachdem die Bundeswehr ihre Unterstützung der humanitären Hilfe im Gazastreifen im Nahen Osten zugesagt hatte, war klar: Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medikamente sollen aus der Luft abgesetzt werden. Dafür sind auf das jeweilige Flugzeug angepasste Lasten erforderlich. Experten der Luftlande- und Lufttransportschule des Heeres haben nun neue Lasten konstruiert.

Zwei Pakete mit je zwei Fallschirmen auf der Oberseite sind auf Schienen im Frachtraum verankert

Insgesamt werden vier Lasten mit Fallschirmen in das Transportflugzeug A400 M verladen und dann nacheinander abgesetzt. Jedes große Paket ist mit jeweils zwei Lastenfallschirmen vom Typ T-10 Unipack ausgestattet.

Bundeswehr/Rene Säuberlich

Die Luftwaffe der Bundeswehr hat bereits Hilfslieferungen über Gaza abgeworfen, allerdings mit der C-130J Super Hercules. Nun sollen auch Abwürfe mit dem A400M erfolgen, daher ist ein neues Lastensystem notwendig. Vor reichlich einer Woche erhielt die Ausbildungseinrichtung des Heeres in Altenstadt den Auftrag, spezielle Lasten mit Fallschirmen zu entwickeln, die mit diversen Hilfsgütern beladen sicher über dem Gazastreifen abgesetzt werden.

Ziel soll es sein, dass der Inhalt unbeschadet im Kriegsgebiet landet und dort von der hilfsbedürftigen palästinensischen Bevölkerung ohne eine zusätzliche Gefährdung aufgenommen werden kann. Auch soll die Einsatzbereitschaft der Fallschirmjägertruppe nicht beeinträchtigt und kein operativ wichtiges Material verwendet werden.

Derartige Vorhaben sind das Spezialgebiet der Angehörigen des Lufttransportzuges der Luftlande- und Lufttransportschule. Die Soldatinnen und Soldaten verfügen über jahrzehntelange Erfahrungen, einen hohen Qualifizierungsstand sowie hochmoderne Werkstätten am Standort. Daher können sie schnell und flexibel auf derartige Aufträge reagieren. 

So beginnen die Soldaten unter Oberfähnrich Sascha C.*, Zugführer des Lufttransportzuges, direkt mit der Arbeit und bauen mit Kreativität und hoher Motivation die geforderten Lasten auf. Um sicherzugehen, dass diese auch unbeschadet abgesetzt werden können, erfolgen Probeabsetzungen mit dem Transportflugzeug A400M über Altenstadt. 

Mehrere Testabwürfe

Ein Luftfahrzeug fliegt am wolkenlosen Himmel. Dahinter sind vier Pakete an Fallschirmen zu sehen.

Das Transportluftfahrzeug A400M setzt vier Lasten in Reihe ab. Die Fallschirme öffnen sich nacheinander.

Bundeswehr/Nico Lessentin

Am Nachmittag ist es dann am militärischen Flugplatz Lagerlechfeld so weit. Ein Airbus A400M der Luftwaffe aus Wunstorf landet dort, um mit dem Altenstädter Lufttransportzug das geplante Absetzen zu erproben.

Kurz darauf wird schon begonnen, die aufgebauten Lasten, die am Morgen durch den Lufttransportzug per Landmarsch ins Lechfeld gebracht wurden, in den A400M zu laden. „Besonders wichtig hierbei ist nun, die Lasten im Zusammenwirken mit dem Luftfahrzeugpersonal so zu verladen, dass sie erst sicher im A400M transportiert werden, später nacheinander über die Heckrampe rollen und sich dann die Fallschirme zuverlässig öffnen“, erklärt Sascha C. während des Verladens.

„Kreative, einsatzbereite Lösung“

Am Nachmittag fliegt der A400M aus gewohnter Himmelsrichtung auf den Absetzplatz nördlich der Luftlande- und Transportschule zu. Vom Boden ist bereits die geöffnete Heckrampe zu erkennen und mit mehreren Anflügen werden unterschiedliche Mengen an Lasten in Reihe abgesetzt. Erfolgreich. Weitere Testabwürfe folgen.

„Ich freue mich sehr darüber und bin stolz, dass wir in so kurzer Zeit mit einer verlässlichen Lösung aufwarten können und somit einen Beitrag zur Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen leisten“, erklärt Oberstleutnant Martin Holle, Kommandeur der Luftlande- und Lufttransportschule. 

Der Vorgang zeige eindrucksvoll, was möglich sei, wenn man Kriegstauglichkeit und Einsatzbereitschaft ernst nehme, so der Kommandeur. „Wir haben nun eine kreative, einsatzbereite Lösung, deren Zulassung im üblichen Verfahren wahrscheinlich Monate oder Jahre an Entwicklungs- und Erprobungszeit bedurft hätte. Hier sind wir auf dem richtigen Weg.“

*Name zum Schutz des Soldaten geändert.

von Nico Lessentin

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