Heer
In Schwarzenborn zu Hause

Mit der Eins beginnt es – Fernspähkompanie 1 aufgestellt

Mit der Eins beginnt es – Fernspähkompanie 1 aufgestellt

Datum:
Ort:
Schwarzenborn
Lesedauer:
5 MIN

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Die Zusammenführung der vier einsatzbereiten Fernspähzüge in der Fernspähkompanie 1 ist ein wesentlicher Baustein hin zur Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung“, so Brigadegeneral Ulrich Ott. Der Kommandeur der Divisionstruppen und stellvertretende Kommandeur der Division Schnelle Kräfte hat am 14. Juni die Fernspähkompanie 1 in Dienst gestellt. Schwarzenborn in Hessen ist die neue Heimat der neuen Kompanie.

Grüner Kompaniewimpel an einem braunen Flaggenstock

Rund 200 Soldaten in vier Fernspähzügen: Am Standort Schwarzenborn gibt es seit dem 14. Juni die Fernspähkompanie 1

Bundeswehr/Carl Schulze

Diese Neuorganisation der Fernspähkräfte ordnet die Zukunft der Fernspähtruppe – der Spezialisten für die Infiltration – komplett neu. Wer über diese ganz besonderen Soldatinnen und Soldaten spricht, kommt um einen Blick auf ihre Geschichte nicht drumherum. „Die letzte klassische Fernspähkompanie gab es im Deutschen Heer zuletzt im Jahr 1996“, erinnert General Ott in seiner Ansprache während des Aufstellungsappells am Haus Wilsberg. Auf dem Übungsplatzgelände rund um das hessische Schwarzenborn sind die Soldaten zu ihrer Aufstellung angetreten. 

Gemacht für das Besondere

Soldaten mit weinroten Baretten stehen in Formation

Die neue Fernspähkompanie ist direkt der Division Schnelle Kräfte unterstellt

Bundeswehr/Carl Schulze

Genau wie es ihre Einsatzgrundsätze gebieten: Unerkannt und unauffällig stehen die Fernspäher bei ihrer Aufstellung auf keinem großen Appellplatz. Geschützt zwischen hohen Bäumen sind die Soldatinnen und Soldaten der Fernspähkompanie 1 auf einer Wiese angetreten. Abordnungen aus der Division Schnellen Kräfte, Gäste aus der Bundeswehr, wie auch dem zivilen Umfeld sind für die Aufstellung angereist. Unter ihnen befindet sich auch der General der Heeresaufklärungstruppen, Oberst Ralph Malzahn. Die Kompanie besteht aus vier Fernspähzügen, die Soldaten waren bist jetzt an den Standorten Seedorf und Lebach in den dortigen Luftlandeaufklärungskompanien 260 und 310 stationiert und werden nun hier in Schwarzenborn, in der Fernspähkompanie 1, zusammengeführt.

In seiner Rede während des Aufstellungsappells geht Ott auf die Besonderheit der Fernspäher ein. „Zeitgerechte und präzise Aufklärung weit hinter feindlichen Linien bleibt für die Operationsplanung von Großverbänden enorm wichtig, im Einsatz wie im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Die Aufstellung der Kompanie unter Führung der Division Schnelle Kräfte ist allein schon aufgrund des neuen Zielbildes, mit Leichten und Schnellen Kräften, absolut folgerichtig.“ Die Soldaten der Fernspähkompanie 1 stellen mit ihren Fähigkeiten ein einzigartiges Fähigkeitsportfolio dar: Mit ihrer speziellen Ausbildung und Ausrüstung sind diese Soldaten sehr schnell verlegefähig und gewährleisten jederzeit Lage-, Ziel- und Wirkungsaufklärung für die Planung des Gefechtes. Dabei sind die Fernspäher in allen erdenklichen Gebieten tief im gegnerischen Gelände über einen langen Zeitraum völlig autark unterwegs. 

Diese Zeremonie beweist, dass das Heer an seinem neuen Zielbild arbeitet und es umsetzt. Mit dem Überreichen des Kompaniewimpels von Ott an den neuen Kompaniechef, Major Andreas B., ist die Aufstellung offiziell besiegelt. „Es bedarf sicherlich noch vieler Kraftanstrengungen, aber führen Sie zusammen, was zusammengehört“, so der Auftrag des Generals an den Chef der neuen Fernspähkompanie 1.

Spezielle: Motivation, Ausbildung und Technik

Ein Soldat mit Gewehr liegt unter viel Tarnmaterial und schaut mit einem Fernrohr ins Gelände.

Ihre ganz besondere Ausbildung befähigt sie für einen ganz speziellen Auftrag

Bundeswehr/Carl Schulze

In den ersten Stunden der neuen Fernspähkompanie zeigen die Angehörigen, was sie haben, was sie können und was sie ausmacht. Unteroffizier Sebastian steckt mittenrein in der Ausbildung. „Wir lernen, wie wir unbemerkt und tief in gegnerisches Hinterland eindringen. Unsere Ausbildung zielt darauf ab, dort in kleinen Trupps und über lange Zeit zu operieren. Wir beobachten den Feind aus dem Verborgenen heraus und sammeln Informationen, die wir schnellstmöglich weiterleiten. Wir versuchen dabei, den Kampf zu meiden. Denn wenn das geschieht und wir entdeckt werden, können wir unseren Auftrag nicht weiter durchführen“, erklärt der Feldwebelanwärter. 

Keine anderen Soldaten verfügen mit ihren Sensoren über eine derart lange Stehzeit in feindlichen Zielgebieten. Wie das möglich ist, beschreibt der Stabsunteroffizier. „Die Anforderungen an uns sind sehr hoch. Wir gehören zu den Spezialisierten Kräften des Heeres und erfüllen generell die Anforderungen der Erweiterten Grundbefähigung“, so der Unteroffizier. Die erste große Hürde sei für ihn also erstmal das Bestehen des Eignungstestes gewesen, bevor es dann an die Grundlagenausbildung zum Fernspäher gegangen sei. Die weitere Ausbildung umfasse fast alle Fähigkeiten, die man sich bei einem Einsatz von Landstreitkräften vorstellen könne. „Wir werden in allen möglichen Dimensionen eingesetzt, allein unsere Verbringungsarten, also wie wir an unseren Einsatzort gelangen, sind äußerst vielfältig“ erklärt er. Das reiche von der Fallschirmsprungfähigkeit über Einsatzmöglichkeiten im Gebirge oder unter arktischen Klimabedingungen, den amphibischen Einsatz, also über Gewässer, zu Fuß oder mit Fahrzeugen. Sebastian ist mit der Aufstellung der Kompanie einer von rund 200 Fernspähern in Schwarzenborn.

Alles auf Anfang

Hinter einem Kompaniewappen auf einem Ständer stehen Soldaten in Formation.

Die Fernspäher aus den Luftlandeaufklärungskompanien aus Seedorf und Lebach werden in der neuen Kompanie zusammengefasst

Bundeswehr/Carl Schulze

Zurück in der Geschichte: Vor 61 Jahren, also 1962, wurde die erste Fernspäheinheit, die Lehrgruppe R, aufgestellt. Ab 1963 verfügte jedes der drei deutschen Korps über eine Fernspähkompanie, die 1977 zur Truppengattung zusammengeführt wurden, aufgeteilt auf die Orte Fernspähkompanie 100 in Braunschweig und später Celle, Fernspähkompanie 200 in Weingarten und später als Lehrkompanie in Pfullendorf und die Fernspähkompanie 300 in Herborn-Seelbach später Fritzlar. Wegen der sogenannten „Friedensdividende“ nach Ende des Kalten Krieges wurden die Fernspähkompanien nacheinander wieder außer Dienst gestellt. Die Soldaten gingen in den Luftlandeaufklärungskompanien auf. Auch die Truppengattung Fernspähtruppe gab es nicht mehr, die Soldaten wurden der Heeresaufklärungstruppe zugeschlagen. Durch diese aktuelle Zusammenführung jetzt in einer Kompanie wird die Ausbildung, Fortentwicklung und der Zusammenhalt der Fernspähtruppe weiter verbessert und den aktuellen Anforderungen angepasst. Der Standort Schwarzenborn verfügt über hervorragende Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten. Der Standortübungsplatz mit den nahegelegenen Übungsräumen ist optimal für die Anforderungen der Fernspäher geeignet.

Wenn Geschichte neu beginnt

Ein älterer Herr mit weinrotem Barett und weinrotem Binder im Porträt

Sein Spitzname ist Audi, er war einer der ersten Ausbilder der Fernspähtruppe. Bei der Aufstellung der neuen Kompanie ist er natürlich mit dabei.

Bundeswehr/Carl Schulze

Zurück in der Gegenwart. Alle Fernspäher kennen ihn unter seinem Spitznamen „Audi“, ein Urgestein der Fernspäher. August W. ist heute 85 Jahre. Damals, 1962, war er dabei, als die ersten Soldaten zu Fernspähern ausgebildet wurden. Im Januar 1962 wurde die Lehrgruppe R an der Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt unter der Führung von Major Konrad Rittmeyer aufgestellt. „Wir waren Ausbilder, es war großartig. Wir wurden stramm geführt, unser Chef hat viel von uns verlangt. Für uns ging es darum, immer etwas besser als die anderen zu sein. Körperliche Fitness und Disziplin war das Wichtigste“, erinnert sich Audi am Rande das Aufstellungsappells zurück. Er war nur einer von vielen Ehrengästen, die speziell zu diesem Appell geladen waren.

Damals wie heute erkennt man allein an der Ausbildung schon den besondere Einsatzwert der Fernspäher. „Zunächst wurden wir als Fallschirmspringer und dann als Einzelkämpfer ausgebildet. Hinzu kamen spezielle Einsatztechniken für Fernspäher und die Erprobung von Fernmeldeverbindungen“, erinnert sich Audi. Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten von damals und heute kommt ganz klar die Antwort: „Einen schlauen Kopf, Fitness, Selbstdisziplin, Gelassenheit, aber auch den Willen sich durchzusetzen, sind Dinge, die jeder Fernspäher verinnerlichen muss. Technisch gesehen liegen da natürlich Jahrzehnte dazwischen. Mich erfüllt mit Stolz, wenn ich sehe, was heute alles möglich ist.“ Auch Audi hält sich im hohen Alter noch fit und ist dankbar für jeden Tag, den er mit seinen Fernspähern verbringen darf.

Oculus Exercitus – Auge des Heeres

  • Auf einer Wiese sind Abordnungen von Soldaten von anderen Standorten mit ihren Wimpeln angereist.

    Auf dem Übungsplatz in Schwarzenborn ist die Kompanie für ihre Indienststellung angetreten. Abordnungen und Gäste aus dem militärischen und zivilen Umfeld sind angereist.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Zwei Soldaten steigen mit dem Kompaniewimpel aus einem Erdloch.

    Das Versteck ist ein wichtiger Bestandteil in einer militärischen Operation der Fernspäher. Zum Appell holen die Soldaten ihren neuen Kompaniewimpel aus einem solchen Versteck.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Ein Soldat mit verdecktem Gesicht, Waffe und Rucksack.

    Der Hauptauftrag der Fernspäher ist die Infiltration: Sie bewegen sich weit im generischen Gebiet und sammeln Informationen

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Ein sandfarbener Geländewagen und ein grünes Elektromotorrad stehen nebeneinander.

    Um zum Einsatzort zu kommen, nutzen die Fernspäher alle möglichen Verbringungsmittel. Sie müssen vor allem leicht und unauffällig sein, wie dieser Geländewagen und dieses Elektromotorrad.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Zwei Fotoapparate stehen auf Stativen.

    Mit ganz spezieller Fototechnik dokumentieren die Fernspäher wichtige Informationen rund um den Gegner

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Zwei Soldaten hocken in einem Erdloch und beobachten das Gelände.

    Bis zu 14 Tage leben die Fernspäher in solchen Verstecken. Ziel ist das Sammeln und Verarbeiten von Informationen. Werden sie entdeckt, ist der Auftrag verloren.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Verschiedene Pistolen und Gewehre liegen auf einem Tisch.

    Bewaffnung für jeden Auftrag: Je nach Einsatz wählen die Fernspäher ihre optimalen Waffen

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Ein grünes Kanu aufgestellt auf einer Wiese

    Für die amphibischen Anlandungen setzen die Fernspäher solche zerlegbaren Kanus ein. Am Ziel müssen diese dann versteckt werden, nichts darf auf die Soldaten hinweisen.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Zwei elektronische Geräte stehen auf Stativen.

    Mit dem Portable Lightweight Designator and Rangefinder, PLDR-II Zielmarkierer (l.), werden Ziele auf sehr große Distanzen markiert, mit dem Jim Compact Wärmebildgerät (r.) Ziele auf große Distanzen sehr schnell geortet.

    Bundeswehr/Carl Schulze
  • Ein Soldat übergibt einem anderen einen grünen Kompaniewimpel an einem Flaggenstock.

    Mit der Übergabe des Kompaniewimpels an den Kompaniechef besiegelt Brigadegeneral Ulrich Ott die in Dienststellung der Fernspähkompanie 1 in Schwarzenborn

    Bundeswehr/Carl Schulze
von René Hinz

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