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Vier Handlungsfelder benannt

Freuding: „Wir wollen ein gemeinsames Verständnis von Führungskultur“

Schwerpunkt

Nach den Vorfällen im Fallschirmjägerregiment 26 hat das Deutsche Heer am 28. Januar 2026 in Altenstadt das Thema Führungskultur in den Fokus gerückt. Zudem trat der „Aktionsplan Luftlandetruppe“ in Kraft.

Ein General steht einem Soldaten gegenüber und spricht mit ihm, weitere Soldaten hören zu.

Wie lässt sich das innere Gefüge der Luftlandetruppe weiterentwickeln und festigen? Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, spricht in Altenstadt mit Fallschirmjägern und setzt den „Aktionsplan Luftlandetruppe" in Kraft.

Bundeswehr/Marco Dorow

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, lud an die Luftlande- und Lufttransportschule im bayerischen Altenstadt zu einem gemeinsamen Panel mit Truppe und Vertreterinnen und Vertretern aus der Gesellschaft ein. Unter der Überschrift: „Führungskultur – Führungsverhalten – Kameradschaft“ diskutierten unter anderem Soldatinnen, Soldaten und der Heereschef gemeinsam, wie Führungskultur (PDF, 863,8 KB) gute und erfolgreiche Führung ermöglicht. 

Ein Soldat im Feldanzug schaut freundlich in die Kamera. Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres Bundeswehr/Maximilian Schulz
„Die Grundlage erfolgreicher Führung ist Führungskultur. Sie entsteht nicht von allein. Sie bedarf der Mitarbeit aller. Ich will, dass wir mit einem gestärkten und einheitlichen Verständnis in unsere Truppenteile zurückgehen.“

Vor dem Hintergrund der Vorfälle im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken im vergangenen Jahr wurde zudem der „Aktionsplan Luftlandetruppe“ (PDF, 2,9 MB) formal in Kraft gesetzt. Mit ihm sollen die Ursachen der Vorfälle nachhaltig und entschlossen bekämpft und die Truppe wirkungsvoll gestärkt werden. Das Heer setzt zur Bekämpfung von Extremismus, Sexismus und Drogenmissbrauch auf eine nachhaltige Wirkung einzelner Maßnahmen. Deshalb wird es tiefgreifende Neuerungen geben, welche die gesamte Luftlandetruppe betreffen.

Neuerungen auf vier Themenfeldern

Fünf Soldaten und Zivilisten sitzen im Halbkreis und sprechen, darüber ein großer Bildschirm.

Neben dem Aktionsplan Luftlandetruppe und den Einzelmaßnahmen setzt das Heer auf den Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Auch Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel (2.v.r.) und Journalistin Dr. Julia Egleder (2.v.l.) nehmen am Panel teil.

Bundeswehr/Marco Dorow

Das Dokument umfasst Maßnahmen auf vier Themenfeldern: Dienstaufsicht, strukturelle Maßnahmen, Prävention und Resilienz sowie Werdegänge. Mit verstärkter Dienstaufsicht soll der Austausch mit der Luftlandetruppe an allen Standorten der Luftlandebrigade 1 intensiviert werden. Gleichzeitig soll untersucht werden, inwieweit mit einer Strukturanpassung die truppendienstliche Führungsverantwortung der Kommandeure künftig konsolidiert werden kann.

Zudem sollen die Gleichstellungsvertrauensfrauen gestärkt werden. Sie sollen künftig besser unterstützt und intensiv auf ihren Auftrag vorbereitet werden. Führungskräfte nehmen künftig an verpflichtenden Trainings zum Thema Führungsverhalten teil. Das Themenfeld Prävention und Resilienz ist darauf ausgerichtet, die Persönlichkeiten aller Angehörigen der Luftlandetruppe stärker durch ethische, politische und historische Bildung zu prägen und die individuelle Widerstandsfähigkeit gegen extremistische Verhaltensweisen und sexualisiertes Fehlverhalten präventiv zu erhöhen. Die dienstlichen Werdegänge schließlich werden weiterentwickelt, um das Truppengefüge zu festigen. So soll die Verwendungsdauer auf einem Dienstposten für bestimmte Werdegänge begrenzt werden, darunter bei Offizierinnen und Offizieren sowie bei Feldwebeln in Schlüsselpositionen.

Der Aktionsplan wird ab sofort umgesetzt. Der Umsetzungsfortschritt der einzelnen Maßnahmen wird durch die Luftlandetruppe und die Heeresführung besprochen und evaluiert. Eine umfassende Evaluierung des Aktionsplans erfolgt Ende 2026.

Rückblick und erste Konsequenzen

In 2025 waren Vorwürfe über sexuelle Übergriffe, extremistische Handlungen und Drogenmissbrauch im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken bekannt worden. Es folgten zunächst Ermittlungen und erste disziplinarische Maßnahmen gegen Einzelne wegen nachgewiesenen Fehlverhaltens. Am 14. Januar 2026 unterrichtete der Inspekteur des Heeres den Verteidigungsausschuss des Bundestages über die Entwicklungen im Zusammenhang mit den Vorfällen. Generalleutnant Freuding informierte auch das Parlament und anschließend die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Ermittlungen. Er erläuterte die Fortschritte bei den Ermittlungen gegen 55 Beschuldigte und nannte erste Konsequenzen: Einige Soldaten wurden aus der Bundeswehr entlassen, einigen die Dienstausübung verboten, gegen andere wurden dienstliche Disziplinarmaßnahmen verhängt sowie zivilgerichtliche Maßnahmen eingeleitet. 

Keine generellen strukturellen Defizite

Zwar deuten die Vorfälle nicht auf systematische Fehlentwicklungen bei den Führungskräften der Luftlandebrigade 1 oder generell auf strukturelle Defizite beim Personal dieses leistungsfähigen Großverbandes hin, zu dem insgesamt rund 4.400 Soldaten und Soldatinnen gehören. Allerdings erfordert die Bewertung dieser und weiterer Verstöße, auch solcher in zurückliegenden Jahren, sowie der Umgang mit solchen Verstößen in den Truppenteilen der Brigade umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Führungskultur, der Dienstaufsicht auf allen Ebenen, der Kameradschaft, des Respekts und der Toleranz. Diese Maßnahmen sollen letztlich zur Stärkung des inneren Zusammenhalts führen. Auch soll durch organisatorische Anpassungen eine bessere Führbarkeit erreicht werden.

Generalleutnant Freuding hatte unmittelbar nach Übernahme der Aufgaben als Inspekteur des Heeres den Ermittlungsdruck erhöht und den nun präsentierten „Aktionsplan Luftlandetruppe“ erarbeiten lassen.

von PIZ Heer

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