Heer

Gut trainiert nach Litauen

Gut trainiert nach Litauen

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Lohheide
Lesedauer:
4 MIN

Mit Kreativität, Flexibilität und Fleiß meistern die Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup der 10. Rotation der Enhanced Forward Presence derzeit die Vorbereitung auf ihre anerkannte Mission in Litauen. Dabei verhindern weder Covid-19 noch die Afrikanische Schweinepest die sorgfältige Ausbildung.

Zahlreiche Soldaten aus verschiedenen Ländern stehen in der Heide und schauen auf Tafeln, neben denen andere Soldaten stehen.

Ein wichtiger Ausbildungsabschnitt: Das Führungspersonal der zukünftigen EFPEnhanced Forward Presence Battlegroup bereitet sich mit einer Geländeerkundung auf den Auftrag vor.

Bundeswehr/Anjo Emond

Die Ausbildungs- und Übungsplanung des designierten Kommandeurs der Battlegroup der 10. Rotation der Enhanced Forward Presence, Oberstleutnant Hagen Ruppelt, sah und sieht für die Jahre 2020 und 2021 viele abwechslungsreiche und anspruchsvolle Themen vor. Der Kommandeur hatte sich eine Menge vorgenommen, damit seine Soldaten optimal vorbereitet in den Einsatz gehen. Die internationalen Partner der zukünftigen Battlegroup sollten sich während der gemeinsamen Ausbildung frühzeitig kennenlernen und dabei das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen nationalen Belange schärfen.

Doch die Coronapandemie ließ vieles nur in eingeschränkter Form zu. So mussten verschiedene Kompanieausbildungsvorhaben, die individuelle Einsatzlandspezifische Ausbildung (ELSA), aber auch die Erkundung in Litauen unter Hygieneauflagen und mit einem verminderten Personalansatz gemeistert werden. Ebenso wurde das größte Vorhaben, der für Dezember 2020 in der Oberlausitz geplante Übungsplatzaufenthalt, abgesagt. Hierbei gab jedoch die Afrikanische Schweinepest den Ausschlag. Das binationale Panzerbataillon 414 bewies in der neuen Lage seine Flexibilität, um die Soldaten bestmöglich auf die Zertifizierung des Verbandes im Mai 2021 und die eigentliche Einsatzverpflichtung vorzubereiten.

Umplanen wegen der Schweinepest

Zwei niederländische Lkw mit hohen Antennen stehen an einer Halle. Links davon steht in anderer Richtung ein deutscher Lkw.

Die Nutzung niederländischer Fahrzeuge bietet dem binationalen Panzerbataillon 414 zusätzliche Möglichkeiten beim Aufbau eines Gefechtsstandes.

Bundeswehr/Annemarie Kübbeler

Im Laufe des Jahres 2020 wurden alle Weichen für den Übungsplatzaufenthalt des gesamten Panzerbataillons 414 im Dezember in der Oberlausitz gestellt. Die Soldaten bereiteten logistische Prozesse vor und schrieben Ausbildungspläne. Dann, vier Wochen vor der Verlegung in die Oberlausitz, hieß es: „Alles Halt!“. Die Afrikanische Schweinepest verhinderte das Ausbildungsvorhaben. Mit viel Fleiß, Kreativität und Initiative planten die Soldaten kurzfristig ein Panzerschießen auf dem Truppenübungsplatz Bergen und koordinierten die Steuerung, Auswertung und Versorgung der übenden Kompanien aus den Gefechtsständen des Bataillons.

Dabei verzichtete die Führung bewusst auf die Kommunikationswege und Abläufe aus dem Grundbetrieb und führte beispielsweise die Kommunikation mittels des Battlefield Management Systems ELIAS. So wurde die Versorgung der Kampfkompanien mit Munition und Kraftstoff gewährleistet. Parallel wurden in den Gefechtsständen Meldewege fest etabliert, vorhandene Arbeitsmittel optimiert und das Wissen der Soldaten zur Führung von Lagekarten, Kraftfahrzeugmärschen aber auch dem Funkbetrieb aufgefrischt und vertieft.

Die intensive Ausbildungswoche bewertete Ruppelt als eine sehr gute Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben. Sie zeigte, dass mit Ideenreichtum, Flexibilität und Motivation auch unter schwierigen Voraussetzungen wichtige Ausbildungserfolge erzielt werden können.

Simulatoren stützen die Gefechtsübung

Zwei Soldaten stehen an Tafeln mit Landkarten. Davor sitzen mehrere Soldaten und machen Notizen.

Befehlsausgabe: Der designierte Kommandeur der 10. Rotation der EFPEnhanced Forward Presence Battlegroup, Oberst Hagen Ruppelt (M.), erläutert den unterstellten Einheitsführern seine Absicht.

Bundeswehr/André Schmidt

Ebenso wie sich die Kampftruppen auf ihre speziellen Aufgaben vorbereiten, ist es unverzichtbar, Prozesse, Verfahren und die Operationsführung zu trainieren. Hierzu dient das Simulationssystem SIRA (Simulationssystem zur Unterstützung von Rahmenübungen). Es simuliert in realen Geländeabschnitten eine anspruchsvolle Mehrparteienübung auf verschiedenen Führungsebenen, in wechselnden Intensitäten und Operationsarten in Echtzeit. Dabei können unterschiedliche Einflussfaktoren berücksichtigt werden.

Diesen vorbereitenden Ausbildungsabschnitt absolvierten die Soldaten im Januar 2021 im SIRA Stützpunkt in Munster. Hier übernahm die niederländische 43 Gemechaniseerde Brigade im Zusammenwirken mit dem niederländischen Land Training Center den Ausbildungsauftrag für ihr deutsch-niederländisches Panzerbataillon 414.

Um sich gezielt für die Aufgaben in Litauen vorzubereiten, verlegte die Führung des Bataillons, für den Übungsdurchgang SIRA, in den Gefechtsstand. Hier erwartete sie ein begrenztes Raumangebot und die eingeschränkte Nutzung der ITInformationstechnik und von Kommunikationsmitteln. Es gab vielfältige Herausforderungen, mit denen sich die Soldaten erfolgreich auseinandersetzten. Der Kommandeur des Panzerbataillons 414 war sehr zufrieden mit dem Ausbildungsergebnis. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Zusammenspiel der deutschen, niederländischen, tschechischen und zukünftig auch norwegischen Soldaten – gleich ob Kampftruppe oder Kampfunterstützungstruppe – in Litauen sehr gut funktionieren wird.

Landeskunde und Ansprechpartner

Ein Soldat steht in einem Saal und spricht. Zahlreiche andere Soldaten mit Mund-Nasen-Schutz sitzen und hören zu.

600 Lehrgangsteilnehmende werden in sechs straff organisierten Ausbildungswochen individuell auf ihre Einsatzverpflichtung im zweiten Halbjahr 2021 in Litauen vorbereitet.

Alexander Gheorghiu

Alle Soldatinnen und Soldaten, die in einen Einsatz gehen, absolvieren eine Einsatzlandspezifische Ausbildung, die sogenannte ELSA. In der Vorbereitung auf die anerkannte Mission Enhanced Forward Presence lernen die Teilnehmenden viel über Litauen und die rechtlichen Grundlagen vor Ort. Daneben schaffen die Unterrichtseinheiten durch den Sozialdienst der Bundeswehr und die Truppenpsychologie auch die Basis, um die eigenen Angehörigen auf die fordernde Einsatzzeit vorzubereiten. Wo gibt es Ansprechstellen, die bei unvorhergesehenen Problemen während des Einsatzes helfen können? Welche organisatorischen Dinge müssen in Vorbereitung auf die sechsmonatige Abwesenheit geregelt werden?

Dieser Ausbildungsauftrag lag bei der 2. Kompanie des Panzerbataillons 414. Oberleutnant Timo Flassig und sein Team gewährleisteten einen reibungslosen Ablauf, sodass über sechs Wochen lang jeweils vier Hörsäle mit bis zu 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgebildet werden konnten. Externe Ausbildungsunterstützung kam von der Truppenpsychologie der 1. Panzerdivision aus Oldenburg und dem Sozialdienst Munster. Mit vorausschauender Planung und straffer Organisation konnten die Corona-Auflagen eingehalten werden und gleichzeitig die gründliche individuelle Einsatzvorbereitung gewährleistet werden.

Doch bevor es nach Litauen geht, steht noch ein Höhepunkt an: Das Panzerbataillon 414 bereitet sich auf die Ausbildung im Gefechtsübungszentrum des Heeres vor. Dort wird das Bataillon erstmals mit Volltruppe unter Einbindung multinationaler Partner das hochintensive Verzögerungsgefecht trainieren.

von André Schmidt

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