Heer

Kein Gefecht ohne digitale Technik

Kein Gefecht ohne digitale Technik

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Frankenberg
Lesedauer:
3 MIN

Für eine Kampftruppenbrigade hat die Fernmeldetruppe des Heeres den Auftrag, die Führungsfähigkeit des Stabes und die Anbindung unterstellter Truppenteile zu gewährleisten. Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung aller Akteure auf dem Gefechtsfeld wächst auch die  Bedeutung der Fernmelder.

Ein Soldat arbeitet an einem Laptop im rot beleuchteten Innenraum eines Transportpanzers Fuchs.

Über das Battle Management System kann der Soldat die Lageentwicklung auf der Karte einsehen oder einpflegen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mit der zunehmenden Digitalisierung auf dem Gefechtsfeld müssen auch die Fähigkeiten der taktischen Führungsunterstützung im Heer entsprechend angepasst werden. Die Kampftruppenbrigade des Deutschen Heeres, die Panzergrenadierbrigade 37 im sächsischen Frankenberg, geht dabei voran: Die erst 2014 aufgestellte Stabs- und Fernmeldekompanie wurde formell aufgelöst und am 1. April dieses Jahres verändert aufgestellt. Die Brigade besitzt nun eine Stabs- und Unterstützungskompanie und eine reine Fernmeldekompanie mit fast doppelt so vielen Soldatinnen und Soldaten in den Kompanien wie vorher.

Fernmelder werden zu ITInformationstechnik-Experten

In einem Schulungsraum sitzen Soldaten an Laptops an Tischen hintereinander.

Die Ausbildung der Administratoren durch das Herstellerunternehmer Systematic erfolgt am Standort Frankenberg.

Bundeswehr/Marco Dorow

Schwerpunkt der Fernmeldekompanie der Panzergrenadierbrigade 37 ist die Einführung eines Battle Management Systems (BMS), eines Führungsinformationssystems, auf der Grundlage der Software Sitaware der dänischen Firma Systematic. Die Vorteile der Digitalisierung liegen auf der Hand: Neben der besseren Verzahnung der multinationalen Streitkräfte und der digitalen statt analogen verschlüsselten Kommunikation können vor allem Informationen auf mehreren Ebenen gleichzeitig und viel schneller bereitgestellt werden. Sie dienen dann dem Führungspersonal als Grundlage für wichtige Entscheidungen während eines Gefechts. Das neue BMS löst das alte Führungsinformationssystems Heer ab. In sehr kurzer Zeit müssen die Soldaten lernen, das komplexe System zu beherrschen. Diese Ausbildung stellt hohe Anforderungen an den einzelnen Soldaten, der sich am Ende zu Recht „Experte“ nennen darf. Zunächst kommt es aber auf die Fernmeldekompanie an, Soldaten der unterstellten Verbände fachlich zu schulen, um einheitliche Abholpunkte zu schaffen.

Führen – immer und überall

Ein Soldat sitzt in einem Militärfahrzeug, ein zweiter steht in der geöffneten Tür des Fahrzeuges. Beide unterhalten sich.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, lässt sich die Funktionalität der neuen Hardware erläutern.

Bundeswehr/Marco Dorow

Wenn die Panzergrenadierbrigade im Jahr 2023 den Auftrag als Schnelle Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization, der Very High Readiness Joint Task Force, erhält, wird der Brigadekommandeur seine Truppen aus verschiedenen Führungseinrichtungen führen können. So betreiben die Fernmelder gemeinsam mit den Pionieren der Stabs- und Unterstützungskompanie den Hauptgefechtsstand und den vorgeschobenen Gefechtsstand 1 und 2, die bewegliche Befehlsstelle des Kommandeurs im Gefecht. Materiell setzt sich der Gefechtsstand Haupt im Wesentlichen aus geländegängigen Radfahrzeugen (15 Tonnen) mit Containern und luftgestützten Zelten zusammen. Ein Gefechtsstandtrupp ist mit sechs fest eingerüsteten, stationären Arbeitsplatzcomputern ausgestattet und verfügt zusätzlich über sechs tragbare beziehungsweise gehalterte Computer.

Zur Übertragung der Daten und Informationen besitzt der Gefechtsstandtrupp zwei Funkgeräte VHF SEM 90. Die beiden vorgezogenen Gefechtsstände sind vorrangig mit Gepanzerten Transportkraftfahrzeugen, kurz GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, ausgestattet. Aufgrund ihrer hohen Mobilität werden diese den besonderen Anforderungen in einem überdehnten Gefechtsstreifen gerecht. Dieses Modell hat sich bereits in Auslandseinsätzen, wie beispielsweise in Afghanistan, bewährt. Auf dem Brigadegefechtsstand Haupt, der vollumfänglich eine Größe von etwa einem Quadratkilometer umfasst, werden neben dem neuen Führungsinformationssystem, weitere verschiedene Dienste bereitgestellt. Dazu gehören unter anderem lokale, verlegefähige Netze der Bundeswehr.

Leistungsstarker Gefechtsstand

Zwei Soldaten befestigen IT-Technik im Fond eines Militärfahrzeuges.

Stabsfeldwebel Sven Plath (l.) und Hauptfeldwebel Martin Dost aus dem Panzerpionierbataillon 701 in Gera rüsten ein Führungs- und Funktionsfahrzeug Eagle IV mit dem neuen Battle Management System um.

Bundeswehr/André Klimke

Da auf dem Gefechtstand mehr digitale Technik eingesetzt wird, braucht man auch mehr Energie. Während vor 20 Jahren ein Brigadegefechtsstand noch durch vier bis fünf Stromerzeugeraggregaten mit einer Leistung von 1,9 Kilowatt betrieben werden konnte, hat ein moderner Gefechtsstand eine Leistungsaufnahme von 400 Kilowatt und mehr. Diesen Energiebedarf mit Generatoren, die mitunter aus den Neunzigerjahren stammen, decken zu können, ist so gut wie nicht mehr möglich. Um den stetig steigenden Energiebedarf dennoch sichern zu können, wurde in den vergangenen Jahren verstärkt auf die Nutzung fester Infrastruktur zurückgegriffen. Dies steht jedoch im Widerspruch zu hochmobilen Szenarien. Ein Energiekonzept für den Gefechtsstand und die Ausstattung mit modernen und leistungsfähigen Stromerzeugeraggregaten sollen die mobile Variante nun ermöglichen.

Im stetigen Wandel

Die verschiedenen Komponenten des Battle Management Systems sind auf Tischen ausgelegt. Soldaten stehen dahinter.

Die Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 stellen die Hardware-Komponenten des Battle Management Systems bei der zentralen Einführungsveranstaltung Ende Mai im sächsischen Frankenberg vor.

Bundeswehr/Marco Dorow

Neue, bessere und komplexere Software bietet Möglichkeiten, die den Führungsprozess beschleunigen können. Gleichzeitig steigen damit aber auch die Anforderungen an die ITInformationstechnik-Hardware, an die zur Daten- und Informationsübertragung vorhandenen Geräte und an das Fernmeldepersonal. Eine Regeneration der Hardware in kürzeren Intervallen ist hier nicht nur wünschenswert, sondern auch erforderlich. Nur so kann das Potenzial neuer Software voll ausgeschöpft werden.

Mit Blick in die nähere Zukunft finden sich Fernmelder bei allen Übungsvorhaben der Panzergrenadierbrigade 37 wieder, so auch für den VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Auftrag im Jahr 2023. Das rote Barett mit dem im Eichenkranz eingefassten Fernmeldeblitz ist nun wieder häufiger innerhalb des Großverbandes zu sehen: Die Fernmelder stehen der Kampftruppe beim Fahren, Funken und Schießen tatkräftig zur Seite.


von Sebastian Beschow

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