Heer

Leopard aus Stahl und Bytes

Leopard aus Stahl und Bytes

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Frankenberg
Lesedauer:
2 MIN

Mit dem neuen Battle Management System wird das Heer digital. Das Ziel: Mithilfe vernetzter Technik und verknüpften Denkens soll es möglich sein, auf dem Gefechtsfeld blitzschnelle und richtige Entscheidungen treffen zu können. Um bei diesem Schritt mitzuhalten, erhalten die Waffensysteme eine Frischhaltekur.
 

Front eines in Tarnfleck lackierten Kampfpanzers Leopard 2

Technische Änderungen lassen künftig das digitale Herz des Kampfpanzers Leopard höher schlagen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Von oben klettere ich durch eine runde Luke hinein in den massiven, fast 64 Tonnen schweren Panzer. Meine Füße erreichen gerade so den glatt polierten Boden aus Stahl. Um mich herum erkenne ich viel Technik, Ecken und Kanten aus beige lackiertem Metall, Kabel und Instrumente. Hier, am Arbeitsplatz des Ladeschützen, wird harte, körperliche Arbeit verrichtet. Zig Kilo schwere Granaten hebt der Soldat aus dem Munitionsbunker mit einer Drehbewegung in das Patronenlager der Kanone, auch unter Stress und während holpriger Fahrt. Der Ladeschütze ist einer von insgesamt vier Besatzungsmitgliedern des Kampfpanzers. Auf ihn und den Kommandanten kommen völlig neue Aufgabe zu. Künftig arbeiten sie an ihrem Arbeitsplatz mit dem neuen Battle Management System. Kraftfahrer und Richtschütze erhalten zwar keine neuen Rechner, sind aber auch am System ausgebildet, um es im Ernstfall bedienen zu können.  

Unterschiedliche Aufgaben – ein Lagebild

Ein Soldat sitzt als Kommandant im Kampfpanzer Leopard 2 vor seinem Bildschirm.

Künftig arbeiten zwei Besatzungsmitglieder am neuen digitalen Führungssystem. Die anderen beiden Soldaten profitieren aber indirekt vom System.

Bundeswehr/Marco Dorow

Ziel ist, dass alle Soldaten im Panzer immer das aktuelle Lagebild haben. Der Funkverkehr wird entlastet. So optimiert das System auch die Zusammenarbeit an Bord. Beispielsweise kann der Ladeschütze den Kommandanten am digitalen System unterstützen, wenn dieser gerade beschäftigt ist. Er kann einen Blick auf die Lagekarte werfen und Meldungen erfassen. Das spart Zeit. So können Ziele schneller identifiziert und bekämpft werden. Durch die digitale Lagemeldung kann auch die nächst höhere Führungsebene besser entscheiden. Je schneller das Führungspersonal an die korrekten Informationen gelangt, desto zügiger können die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Neue Einbauten

Ein grünes, ausgebautes, digitales Fahrzeuggerät mit farbigen Kappen liegt auf einem grünen Tarnnetz.

Mit dem neuen KommServer bekommt jeder Leopard 2 einen leistungsstarken Router.

Bundeswehr/Marco Dorow

Was viele nicht wissen: Der Leopard hat bereits ein digitales Herz. Mit der Umrüstung auf das neue BMS beginnt es aber erst richtig zu schlagen. Dazu muss der Kern der Technik, der KommServer, gegen ein leistungsfähigeres Gerät getauscht werden. Erst mit dieser Umrüstung ist es der Besatzung möglich, das volle Potenzial der Kommunikationstechnik richtig auszunutzen und mit ihr Zeit zu sparen. Der neue KommServer ist eine Art leistungsoptimierter Router, eine militärische Fritzbox, die über die vorhandenen Funkgeräte im Fahrzeug Daten überträgt. Bildschirme und Tastaturen sind kompatibel und können erst einmal bleiben. Das Paket ist speziell auf das neue Battle Management System, der neuen digitalen Führungssoftware Sitaware, abgestimmt. Mit der Umrüstung erhält der bewährte Leo aber auch weitere nützliche Technik, wie etwa ein neues geräuscharmes Notstromaggregat im Heck. So können die elektronischen Systeme an Bord benutzt werden, ohne dass dafür das Haupttriebwerk laufen muss. Das trägt zur Geräuschtarnung bei und macht die Raubkatze bei der Jagd für den Gegner weniger aufklärbar.

von Peter Müller

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