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Material in Marsch: Bahnverladung für Schneller Degen 21

Material in Marsch: Bahnverladung für Schneller Degen 21

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Veitshöchheim
Lesedauer:
3 MIN

Ein ungewohntes Bild im unterfränkischen Veitshöchheim. Die Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision transportiert ihr Material zum Verladebahnhof in das circa 40 Kilometer entfernte Tauberbischofsheim. Hintergrund des Marsches ist die Übung Schneller Degen 21 in Litauen: Gemeinsam mit NATO-Partnern wird für die Landes- und Bündnisverteidigung geübt.

Ein Soldat verzurrt bei der Bahnverladung eine Kette. Er trägt einen Gefechtshelm und eine orangfarbene Warnweste.

Ein Soldat der Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision verzurrt bei der Bahnverladung ein Fahrzeug mit einer Kette. Eines von vielen Fahrzeugen für die Übung Schneller Degen 21 in Litauen.

Bundeswehr/Volker Schöppel

Die Übung Schneller Degen umfasst zwei Trainingsbereiche: Von Wildflecken aus machen sich 670 Soldatinnen und Soldaten der Divisions- und Brigadestäbe in einer multinationalen, computerunterstützten Simulation fit für den Ernstfall. Für den praktischen Teil werden zum Auftakt 120 Fahrzeuge in Tauberbischofsheim, Bodenwöhr und Marienberg verladen, um sie mit vier Zügen nach Litauen zu bringen. Auch die 10. Panzerdivision aus Veitshöchheim setzt ihr Material in Marsch. Die Anspannung und Freude sind groß. Vor Beginn der Corona-Pandemie war die Übung geplant worden und musste zwei Mal wegen der damaligen Lage verschoben werden. Nun erfolgt die Umsetzung: Unter Einhaltung strenger Hygiene- und Quarantänebestimmungen stellt sich die Division einer fiktiven Bedrohung an der Ostflanke der NATO.

Verladung von 1.000 Tonnen Material

Mit Tarnnetzen abgedeckte Gefechtsstände stehen auf einer freien Fläche, dahinter beginnt der Wald.

Die aufgebauten Gefechtsstände werden mit Tarnnetzen abgedeckt. 1.000 Tonnen Material werden von Veitshöchheim über Tauberbischofsheim nach Litauen transportiert.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Schneller Degen 21 ist die erste Stabsrahmenübung der 10. Panzerdivision mit Gefechtsständen im Ausland – kein leichtes Unterfangen, aber auch eine Verpflichtung für die Zehnte. Mit der Übung setzt sie das klare Signal, dass die Bundeswehr auch in schwierigen Zeiten an der Seite der NATO-Verbündeten steht und demonstriert damit die Bedeutung der Bündnissolidarität aus der Sicht Deutschlands. Für den Aufbau der Gefechtsstände und Führungseinrichtungen müssen rund 1.000 Tonnen Material mit dem Zug und auf der Straße ins Baltikum gebracht werden. Für die zweiwöchige Kernphase der Übung, Mitte bis Ende Juli, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Die letzten Wochen waren hochintensiv

Ein Soldat mit orangefarbener Warnweste schaut in die Kamera.

Der Kompaniechef, Major Alexander Klein, der Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision berichtet von den vergangenen, arbeitsreichen Monaten.

Bundeswehr/Volker Schöppel

Für die durchführende Stabs- und Fernmeldekompanie der Division unter Führung von Major Alexander Klein waren die letzten Wochen hochintensiv. „Neben der Vorbereitung auf die Übung waren wir zudem mit der Kompanie mit bis zu 50 Soldaten in der Amtshilfe gebunden.“ Auch er verlegt bereits mit dem Vorkommando nach Litauen und wird seine Kompanie in der Aufbauphase „von vorn“ führen. Neben Kraftfahrerweiterbildungen wurden auch in der Balthasar-Neumann-Kaserne in Veitshöchheim Schulungen zur Verladung und zur Einweisung absolviert sowie intensiv geübt.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Ein Soldat steht auf einem Bahnwaggon. Er trägt eine leuchtende Warnweste und hält beide Arme nach oben.

Ein Soldat weist ein Fahrzeug ein, das von der Kopframpe auf einen Bahnwagen verladen wird. Für einige Soldatinnen und Soldaten der Stabs- und Fernmeldekompanie ist es die erste Bahnverladung.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Für viele Teilnehmer ist es die erste Bahnverladung, von außen erkennt man das nicht. Die Soldaten agieren ruhig und professionell. Der Blick des Fahrers ist bei der Verladung stets nach vorn gerichtet. Hier steht der Einweiser, dessen Handzeichen er blind folgt. Ein Vertrauensbeweis, der nur durch intensive Übung und Kameradschaft möglich ist. Auf den Leitenden Verladeoffizier ist ebenfalls stets Verlass. Der erfahrene Stabsfeldwebel verfolgt konzentriert jeden Handgriff und stellt erkannte Mängel sofort ab. Die oftmals jungen Soldaten können so von einem erfahrenen Vorgesetzten lernen und das Gelernte direkt umsetzen. Alles verläuft ganz nach Plan. Der Kompaniechef ist sehr zufrieden.

Sitaware wird genutzt

Zwei Soldaten sitzen vor ihren Computern. Auf den Bildschirmen sind Karten zu sehen.

Die Software Sitaware Headquarters ist das neue Führungsinformationssystem im Deutschen Heer. Sie bietet erweiterte Möglichkeiten der Operationsplanung und -führung und liefert ein umfassendes Lagebild.

Bundeswehr/Reinhard Jäger

In Litauen werden dann bereits in wenigen Tagen Operationszentralen aufgebaut, die – ausgestattet mit dem neuen digitalen Führungsinformationssystem Sitaware – die simulierte Truppe führen. Im Gefechtssimulationszentrum des Heeres in Wildflecken ist die andere Hälfte der Übungsorganisation stationiert. Dort wird die Simulationstechnik betrieben. Die Bataillonskommandeure erhalten von den in Litauen eingesetzten Brigadestäben ihre Aufträge und setzen diese in der Simulation um. Es werden deshalb weder Gefechtsfahrzeuge noch Volltruppe im echten Gelände eingesetzt. Dies schont Material und Umwelt. Die Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision ist bereits voller Vorfreude: „Nach der zweiten Verschiebung des Schnellen Degens 21 können es weder meine Soldaten noch ich erwarten, dass es nun endlich losgeht“, sagt Major Klein.

von Karsten Dyba und Michael Ballas

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