Heer

Mehr Schießdrill für angehende Panzergrenadiere

Mehr Schießdrill für angehende Panzergrenadiere

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Klietz
Lesedauer:
5 MIN

Nichtsahnend nähern sich die feindlichen Schützen den Stellungen der Panzergrenadiere. Anspannung liegt in der Luft, die plötzlich durch einen lauten Pfiff durchbrochen wird. Es folgen Schüsse aus den Stellungen.  Der Gruppenführer der Panzergrenadiere meldet durch sein Funkgerät: „Hatten Feindkontakt, feindliche Schützen im Feuerüberfall bekämpft.“

Ein Soldat steht kniend in einer Deckung und hat eine Panzerfaust auf der Schulter.

Die Soldaten lernen während der Spezialgrundausbildung wichtige Fähigkeiten der Panzergrenadiertruppe, wie beispielsweise die Einsatzverfahren eines Panzervernichtungstrupps.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Diese Gefechtssituation beschreibt ein mögliches Einsatzszenar von Panzergrenadieren in der Sicherung. Aber statt in einem reellen Gefecht befinden sich die Soldaten bei einer Übung am Ende der Spezialgrundausbildung (SGA) – einem wichtigen Abschnitt auf dem Weg zum Panzergrenadier.

Neues Ausbildungskonzept

Soldaten stehen um einen Geländesandkasten, der leitende Offizier steht vor ihnen.

Nach dem Gruppengefechtsschießen bespricht der Leiter der Spezialgrundausbildung, Hauptmann Daniel Carstens, mit den Soldaten ihre Leistungen während der Übung.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Auf dem Truppenübungsplatz in Klietz absolvieren die jungen Infanteristen ein Gruppengefechtsschießen. Es ist gleichzeitig das Ende ihrer dreimonatigen SGA. Unter den Teilnehmern befinden sich Mannschaftssoldaten, Feldwebelanwärter und Offizieranwärter. „Die SGA ist der erste Ausbildungsabschnitt, der die Soldaten truppengattungsspezifisch ausbildet. Seit Oktober dieses Jahres gilt die neue Anweisung der Truppenausbildung, kurz AnTrA 2. Sie beinhaltet ein neues Konzept der Ausbildung zum Panzergrenadier“, erklärt Hauptmann Daniel Carstens, Leiter der SGA. Die Ausbilder der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 371 sind damit beauftragt, den Soldaten wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten an den Waffen- und Waffensystemen der Panzergrenadiertruppe und im Gefechtsdienst zu vermitteln.

Das neue Konzept sieht vor, dass die Soldaten schon während der SGA dienstpostenspezifisch ausgebildet werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel der Panzergrenadier im Vergleich zum Richtschützen eine nur für seine Verwendung bezogene Ausbildung erhält. „Da die AnTrA II noch nicht auf die Truppengattungsvorschrift abgestimmt ist, stellt das die Ausbilder vor große Herausforderungen. Die Vorschrift setzt unter anderem mehr praktische Schießübungen voraus, die die Soldaten erfüllen müssen, um wiederum die geforderten Schießübungen gemäß AnTrA II absolvieren zu dürfen“, erklärt Carstens. Daraus ergibt sich ein höherer Stundenansatz an Ausbildungen bei gleichbleibender Lehrgangsdauer. Dies ist für alle Soldaten, egal ob Ausbilder oder Teilnehmer, sehr anspruchsvoll.

Ein Mix aus Dienstgraden

Soldaten liegen im Abstand nebeneinander und schießen mit einem Gewehr.

Während des Übungsplatzaufenthaltes in Klietz üben die jungen Panzergrenadiere im Schießdrill den Umgang mit dem Maschinengewehr MG5.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Hauptgefreiter und Offizieranwärter (HG OAOffiziersanwärter) Marc Fenchel ist einer von knapp 30 Teilnehmern der truppengattungsspezifischen Ausbildung. Er sagt: „Im Gegensatz zu der ‚normalen‘ Grundausbildung haben wir sehr viel Gefechtsdienst und Schießausbildung. Diese werden durch die Ausbilder sehr gut gestaltet. Damit alle wichtigen Ausbildungsinhalte vermittelt werden können, sind viele Überstunden nötig. Aber wir unterstützen uns gegenseitig.“

Die Teilnehmer der SGA sind bunt gemixt. Neben den verschiedenen Dienstgraden haben die jungen Infanteristen teilweise schon Vorerfahrungen durch längere Dienstzeiten. Einige Soldaten kommen direkt aus der Grundausbildung, während andere die SGA nach einem Laufbahn- oder Verwendungswechsel durchlaufen. „Im Sommer 2020 wurde die Offizierausbildung im Heer umgestellt. Die OAOffiziersanwärter-Bataillone sind aufgelöst und die Ausbildung der Offizieranwärter ging wieder in die Hand der Verbände über“, erklärt Carstens. Dadurch soll den jungen Soldaten von Anfang an die Zugehörigkeit zu ihrer Truppengattung vermittelt werden, sie sich vom ersten Tag an mit der Truppe identifizieren. 

Handwerkzeug der Panzergrenadiere

Soldaten kämpfen aus ihren Stellungen. Ein Panzer hat dahinter Stellung bezogen.

Das Gruppengefecht der Panzergrenadiere wird durch den Schützenpanzer Marder verstärkt, um den gepanzerten Feind zu vernichten.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Während der SGA lernen die Teilnehmer das grundlegende Handwerkszeug der Panzergrenadiertruppe. Dazu bildet der Alpha-Zug der 4. Kompanie die jungen Soldaten in den ersten Wochen an Waffen- und Geräten aus, Schießübungen im Nahbereich folgen – am Heimatstandort im sächsischen Marienberg. Auf dem Übungsplatz in Klietz kommen nun weitere Ausbildungsthemen hinzu. Einen großen Schwerpunkt bilden die Schießausbildung auf weite Entfernungen und der Schießdrill. „Wir bilden die Soldaten unter anderem im Schießdrill am Maschinengewehr MG5 aus. Wenn sich die Gruppe in der Verteidigung befindet, ist das MG die schwere Waffe und bildet die Hauptfeuerkraft der abgesessenen Gruppe“, erklärt Feldwebel Hannes R.*, Ausbilder in der 4. Kompanie. Zu den typischen Waffen der Panzergrenadiertruppe zählen auch die Panzerfaust 3 und die Granatpistole. Immer wieder trainieren die Ausbilder die Soldaten im Umgang mit diesen Waffen. „Die Drillausbildung ist wichtig, da die Teilnehmer ihre Waffen in- und auswendig kennen müssen, um diese im Kampf zweckmäßig einsetzen zu können“, sagt R.

Auf der Schießbahn in Klietz findet die SGA schließlich ihren Höhepunkt und gleichzeitig auch ihren Abschluss. Während des Gruppengefechtsschießens müssen die Soldaten ihr erlerntes Wissen hinsichtlich der Taktiken und Abläufe in den Stellungen anwenden. Unter den Augen der Ausbilder demonstrieren sie ihre Schießfähigkeiten und den Umgang mit den Waffen und Waffensystemen. „Es ist ein absolutes Highlight in der Gruppe und im Einsatz mit dem Schützenpanzer Marder zu kämpfen“, erklärt HG OAOffiziersanwärter Fenchel. Während der SGA haben die künftigen Panzergrenadiere ihr Hauptwaffensystem, den Schützenpanzer Marder, in den Grundzügen kennengelernt. „Der ständige Wechsel der Kampfweise mit dem Schützenpanzer Marder, also zwischen dem aufgesessenen (auf dem Panzer) und dem abgesessenen Kampf (zu Fuß), ist auf die Dauer körperlich sehr anstrengend, hat aber dennoch großen Spaß gemacht“, sagt Fenchel.

Der Wille entscheidet

Ein Soldat steht in seiner Stellung, neben ihm liegt die Panzerfaust. Das Vorfeld ist eingenebelt.

Während des Gruppengefechtsschießens werfen die Ausbilder Nebeltöpfe, um den feindlichen Angriff zu simulieren.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Wie wichtig die körperliche Fitness eines Panzergrenadiers ist, wird den Teilnehmern während der SGA jeden Tag aufs Neue bewusst. Der dynamische und abgesessene Kampf vor und nach den kurzen Ruhephasen auf dem Schützenpanzer Marder stellt eine hohe körperliche Belastung dar. „Es ist wichtig, dass die Teilnehmer bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen, denn sonst obsiegt der eigene Körper über die Leistungsbereitschaft und den Willen“, erklärte Carstens. „Motivation und Willen sind Grundvoraussetzung für jeden Soldaten, der in der Kampftruppe eingesetzt werden will.“

Am Ende des Gruppengefechtsschießens zieht der Leiter der SGA sein Fazit: „Ich bin grundsätzlich zufrieden mit der Leistung der jungen Soldaten. Trotz der knappen Ausbildungszeit im Vergleich zu den vielen Ausbildungsthemen haben alle stets ihr Bestes gegeben.“ Für die Lehrgangteilnehmer heißt es nun Abschied nehmen, da sich jetzt ihre Wege trennen. HG OAOffiziersanwärter Fenchel und die übrigen Offizieranwärter beginnen ab Januar den mehrwöchigen Fahnenjunkerlehrgang in Munster. Die Feldwebelanwärter und die Mannschaftssoldaten werden ebenfalls an weiteren, verwendungsbezogenen Ausbildungen teilnehmen und Lehrgänge besuchen. Doch trotz der verschiedenen Wege haben die jungen Infanteristen alle ein gemeinsames Ziel: Sie wollen voll ausgebildete Panzergrenadiere werden.


*Name redaktionell geändert


von Elisabeth Rabe