Heer

Mit Feuer und Präzision

Mit Feuer und Präzision

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
3 MIN

Im scharfen Schuss schließt die 7. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 aus dem niedersächsischen Seedorf die Dienstpostenausbildung Mörserschütze für zehn Soldaten ab. Auf dem niedersächsischen Truppenübungsplatz in Bergen geben die Kameraden noch einmal alles.

Grasfläche vor Wald, drei Soldaten in Bildmitte beim Abschuss des Mörsers

Mit einem beeindruckenden Knall verlässt das Geschoß das Rohr, der Druck der Detonation ist deutlich spürbar.

Bundeswehr/Markus Mader

Acht Wochen lang werden die jungen Fallschirmjäger durch die erfahrenen Ausbilder der 7. Kompanie in die Technik und Handhabung des Waffensystems Mörser eingewiesen. Viel Theorie fordert die Teilnehmer und die praktische Ausbildung treibt den Schweiß auf die Stirn der jungen Soldaten. Denn mit 160 Kilogramm ist der Mörser kein Leichtgewicht. Ein Mörsertrupp besteht in der Regel aus vier Soldaten - dem Truppführer und jeweils einem Richt-, Lade- und Munitionsschützen. Um sich Richtschütze nennen zu dürfen, müssen die Fallschirmjäger alle Aufgaben im Mörsertrupp beherrschen. Zum Abschluss muss jeder von ihnen mit Gefechtsmunition als Richtschütze auf befohlene Ziele wirken. Im scharfen Schuss auf dem Übungsplatz Bergen zeigt sich, ob die angehenden Mörserschützen ihr Handwerk innerhalb von acht Wochen erlernt haben. Jederzeit handhabungssicher am Mörsersystem müssen Mörserschützen bei Tag und Nacht, unter Belastung und unter Zeitdruck sein. Um dieses Ausbildungsziel zu erreichen, nutzen die Ausbilder ihr ganzes methodisches Geschick und ihre Erfahrung bei der Vermittlung des Fachwissens.

Einer der Teilnehmer ist Feldwebel Kai Heidekraut. Er ist 29 Jahre alt und bereits ausgebildeter Fallschirmjägerfeldwebel. Sein Ziel: Mörsertruppführer in der 7. Kompanie. Dafür benötigt er die bestandene Dienstpostenausbildung zum Mörserschützen. Später wird er noch den dreimonatigen Truppführerlehrgang im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein besuchen, um letztendlich seinen Wunschdienstposten besetzen zu können. „Eine schöne, vielseitige und verantwortungsvolle Aufgabe. Unser Regiment verlässt sich auf unsere zielgenaue Feuerunterstützung“, erklärt Heidekraut sichtbar voller Stolz.

Schnell und präzise Stellung beziehen

Grasfläche vor Wald, drei Soldaten in Bildmitte bauen Mörser auf, einer hat rote Armbinde. Vorne runde Bodenplatte.

Der Mörsertrupp macht sich für den ersten Schuss bereit. Schnell sind die Soldaten feuerbereit.

Bundeswehr/Markus Mader

Schnell feuerbereit sein, das zeichnet den Mörsertrupp aus. Ist die zugewiesene Stellung erreicht, müssen alle Einzelteile aus dem Truppfahrzeug Wolf ausgeladen werden. Für den Aufbau wird als erstes die massive Bodenplatte in den Boden getrieben, um eventuelle Unebenheiten auszugleichen. Im nächsten Schritt wird der Mörser aufgebaut. Das Waffensystem besteht aus vier Baugruppen: dem Rohr, dem Zweibein, der Bodenplatte und dem Rundblickperiskop. Jeder Handgriff sitzt und so ist alles schnell in Position gebracht. Nun folgt das Einrichten des Mörsers mithilfe eines RK76, das steht bei den Fallschirmjägern für Richtkreis. Der RK 76 ist ein optisches Richtmittel, versehen mit einem Kompass. Mit dem Richtkreis wird die Himmelsrichtung auf das Richtmittel des Mörsers, das Rundblickperiskop, übertragen. Der Mörsertrupp kann nun die befohlene Himmelsrichtung des Schusses festlegen. Abschließend müssen die Soldaten die benötigte Munition für den scharfen Schuss vorbereiten. Dies verkürzt die Reaktionszeit zwischen dem Erhalt eines Feuerkommandos und dem Brechen des Schusses. Sind all diese Tätigkeiten abgeschlossen, ist der Mörser feuerbereit.

Die Luft brennt

Grasfläche vor Wald, drei Soldaten in Bildmitte vor dem Abschuss des Mörsers

Der Mörsertrupp der 7. Kompanie im Feuerkampf in der Lüneburger Heide auf dem Truppenübungsplatz Bergen

Bundeswehr/Markus Mader

Jetzt wird es ernst. Über Funk kommt das Feuerkommando für den Mörser. Hochkonzentriert geht der Trupp an die Arbeit. Der Richtschütze stellt die befohlenen Werte am Periskop ein, der Ladeschütze bringt den Mörser in die entsprechende Richtung. Gleichzeitig bereitet der Munitionsschütze die Munition vor und übergibt diese an den Ladeschützen, der das Geschoß im Rohr ansetzt. Im Rohr ansetzen bedeutet, dass das Geschoß von oben, fast komplett in das Rohr eingeführt und festgehalten wird und dann auf den Befehl: „Feuer!“ ins Rohr gleitet und durch den Aufschlag zündet. Mit einem dumpfen aber lauten Knall bricht der Schuss. Die Bodenplatte wird durch die entstehenden Kräfte der entzündeten Treibladung am Mörsergeschoss vollständig in den Boden der Lüneburger Heide getrieben. Ein großer Feuerball entsteht über dem Rohr und man spürt die Druckwelle in der Luft. Routiniert wird nachgerichtet und sofort der nächste Abschuss vorbereitet. Ein beeindruckendes, dynamisches Zusammenspiel aller Truppsoldaten.

Feuerunterstützung für die Infanterie

Sechs Soldaten knien und stehen um zwei Mörsergranaten. Eine weiß, eine grün mit roter Spitze

Die Teilnehmer werden immer wieder in Ausbildungen eingebunden, gerade im Umgang mit scharfer Munition ist es besonders wichtig.

Bundeswehr/Markus Mader

Jeder Handgriff sitzt, die Ausbildung zum abschließenden scharfen Schuss ist erfolgreich. Alle Teilnehmer konnten die Ausbildung zum Mörserschützen mit Erfolg abschließen und damit die Voraussetzung für die Folgeausbildung schaffen. Für die Fallschirmjäger ist die unmittelbare Feuerunterstützung eine entscheidende Fähigkeit im Einsatz. Damit leistet der Mörserzug, als Hammer des Regiments, einen großen Beitrag zur Einsatzbereitschaft des Fallschirmjägerregiments 31.

“Die Fähigkeit, reaktionsschnelles Steilfeuer in allen Operationsarten und Intensitäten jederzeit unmittelbar verfügbar zu haben, ist für jeden Auftrag des Regiments von entscheidender Bedeutung. Nur wir können von Beginn an die Unterstützung unserer Infanterie mit Steilfeuer sicherstellen. Ich bin stolz auf die Leistung meiner Männer”, sagt Hauptmann Matthias Brommund, Zugführer des Fallschirmmörserzuges, zum Abschluss der Dienstpostenausbildung.

von Markus Marder

Infobox

Der Fallschirmmörserzug der 7. Kompanie ist die regimentseigene Steilfeuerkomponente. Mit dem Mörser 120 Milimeter ist der Zug in der Lage, als reaktionsschnelles Steilfeuer auf Einzel- und Flächenziele, in oder hinter einer Deckung, auf eine Entfernung von 450 bis 6.350 Metern, zu wirken. Dabei können sie mit dem Mörser bei Tag, Nacht und jeder Witterung eingesetzt werden. Der gesamte Zug ist vollständig im Fallschirmsprung befähigt und luftverlastbar. Daher kann er schnell durch Transporthubschrauber und Transportflugzeuge der Bundeswehr an neue Einsatzorte gebracht werden. So wird das Regiment bereits zu Beginn eines Gefechtes befähigt, mit effektivem Steilfeuer zu wirken.

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