Heer

Mit Gewehr und Schraubenschlüssel

Mit Gewehr und Schraubenschlüssel

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bayern
Lesedauer:
3 MIN

Es ist noch dunkel. Motorengeräusche durchdringen die Stille. „Marschkolonne fährt!“, ertönt in allen Funkgeräten. Jetzt weiß der Marschgruppenführer, dass alle Fahrzeuge unterwegs sind. Knapp 50 Großfahrzeuge des Gebirgsversorgungsbataillons 8 aus Füssen rollen für eine Übung ins Oberallgäu. Das Ziel: der Übungsplatz Bodelsberg.

Zwei Militärfahrzeuge mit Tarnnetzen stehen neben mehreren Nadelbäumen.

Die Fahrzeuge des Kompaniegefechtsstandes haben sich gegen feindliche Sicht mit Tarnnetzen geschützt.

Bundeswehr/Gebirgsversorgungsbataillon 8

Bei der einwöchigen Übung „Logistischer Gefechtsparcours“ sollen die 120 Soldaten der 4. Kompanie des Gebirgsversorgungsbataillon 8 aus Mittenwald möglichst alle logistischen Verfahrensabläufe unter Gefechtsbedingungen verinnerlichen. In einem fiktiven Angriffsszenario soll ein Gefechtsverband mit allen notwendigen Nachschubgütern versorgt werden.

Bereits am späten Vormittag erreichen die ersten Gebirgsversorger den Standortübungsplatz Bodelsberg bei Durach. „Klar zum Gefecht!“ Auf Befehl des Gruppenführers erfolgt das Durchladen der auf den Fahrzeugen befestigten Maschinengewehre. Die Fahrzeuge fahren in die ihnen zugewiesenen und vorerkundeten Räume. Wenige Minuten nach Ankunft der letzten Marschgruppe steht die Funkverbindung innerhalb des gesamten Versorgungspunktes. Das oberste Ziel dieser Übung ist die schnellstmögliche Herstellung der Arbeitsbereitschaft, um die Kampfverbände zügig mit Kraftstoff und Munition beliefern zu können. Als Übungseinlage greifen immer wieder mal feindliche Kräfte die Sicherungssoldaten der Gebirgsversorgungstruppe an. Diese müssen dauerhaft abgewehrt werden, sodass der Zutritt in den Versorgungspunkt verwehrt bleibt und der logistische Auftrag weiter erfüllt werden kann. Dafür wird rund um die Uhr im Schichtbetrieb gearbeitet.

Reparieren und kämpfen

Ein Soldat mit Waffen und Ausrüstung steht in einem Mischwald.

Der Bereich des Versorgungsstützpunktes wird mit Alarmposten und Streifen abgesichert, um sich vor Überraschungen durch den Feind zu schützen.

Bundeswehr/Gebirgsversorgungsbataillon 8

Einige Soldaten sind mit dem logistischen Auftrag beschäftigt: Sie reparieren kaputte Fahrzeuge, bereiten den Nachschub der Munition vor und bringen ihn an seinen Bestimmungsort. Andere wiederum liegen in vorbereiteten Stellungen und schützen den Versorgungspunkt vor feindlichen Angriffen. „Vier feindliche Kräfte im Norden, 400 Meter vor eigener Stellung aufgeklärt“, meldet der Alarmposten dem Zugführer. Dieser informiert daraufhin alle: „Alarmstellungen beziehen! Feuer auf mein Kommando!“ Eingeteilte Soldaten werden als Feindkräfte eingesetzt und ein mehrminütiger Feuerkampf beginnt. In dieser Situation kommen einige Soldaten an ihre Grenzen. Das militärische Verhalten wird durch den Kompaniechef, Major Denis Esser ausgewertet: „Wir sind stolz auf Euch. Das Meldeverhalten, die Motivation und auch die einzelnen Verfahrensabläufe können sich sehen lassen.“ Solche Übungen für die Landes- und Bündnisverteidigung gewinnen, neben den Auslandseinsätzen, immer mehr an Bedeutung. Besonders die jungen Soldaten des Gebirgsversorgungsbataillons 8 waren noch nie mit einer solchen Lage konfrontiert. Daher ist ein ausgewählter Kreis aus den Reihen des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall und aller Stabsabteilungen aus Füssen am Mittwoch und Donnerstag bei den Soldaten der 4. Kompanie aus Mittenwald zu Gast. Sie wollen sehen, wie ein Versorgungspunkt aufgebaut und betrieben wird.

Entfernung spielt keine Rolle

Ein Mischwald mit Wegen aus der Vogelperspektive mit getarnten und nichtgetarnten Militärfahrzeugen der Bundeswehr

Um sich vor feindlichen Überraschungen auch aus der Luft zu schützen, werden die Fahrzeuge sorgfältig mit Tarnnetzen abgehängt. Der Unterschied zu den Nichtgetarnten ist deutlich zu sehen.

Bundeswehr/Thomas Petrasch

Der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Oberst Maik Keller, ist mit den Leistungen seiner Soldaten sehr zufrieden. Er begutachtet den Bataillonsgefechtsstand auf dem Übungsplatz Niederried in unmittelbarer Nähe zur Allgäu-Kaserne. „Wir sind sehr überrascht, wie gut die Kommunikation zwischen dem Versorgungspunkt und dem Bataillonsgefechtstand trotz der Entfernungen funktioniert“, sagt ein Stabsoffizier. Durch die Unterstützung der Fernmeldestaffel der 1. Kompanie stehen verschiedene Kommunikationswege zur Übermittlung von Aufträgen und Lagebildern zur Verfügung. „Sie leisten Großartiges. Das Zusammenspiel zwischen den beiden aufgebauten Einrichtungen in Niederried und dem Übungsplatz Bodelsberg wird mehr als deutlich. Jeder Besucher kann sich ein Bild machen, wie die logistischen und kommunikativen Abläufe innerhalb des Versorgungspunktes funktionieren. „Trotz der aktuellen Situation aufgrund der Corona-Pandemie haben Sie die Übung unter stetiger Einhaltung der erforderlichen, teils unangenehmen Maßnahmen absolviert. Nehmen Sie die positiven Erfahrungen für weitere Übungen ins nächste Jahr mit.“ Mit dieser Ansprache beendet Oberstleutnant Sascha Müller, der Kommandeur des Gebirgsversorgungsbataillons 8, die Übung.

von Marcel  Becker

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