Heer
Übung Khaan Quest

Multinationale Kooperation für einen UNUnited Nations-Einsatz

Multinationale Kooperation für einen UNUnited Nations-Einsatz

  • Multinationalität
  • Heer
Datum:
Ort:
Mongolei
Lesedauer:
3 MIN

Bestimmte Ländernamen sind bei vielen sofort mit Assoziationen verbunden. Bei der Mongolei denkt man unweigerlich an Dschingis Khan, an wilde Reiterhorden, die laut eines Songs „weder Blitz noch Donner aufhielt“, an einsame Steppen, wildlebende Tiere und gastfreundliche Nomaden. Es riecht förmlich nach Abenteuer.

Ein Zivilist sitzt in einer mongolischen Jurte. Neben ihm sitzen drei Frauen in traditioneller Kleidung.

Der Dienst in der Mongolei beinhaltete auch Landeskunde, hier der Besuch in einer traditionellen Jurte

Bundeswehr/Karsten K.

Dschingis Khan war der Begründer des Mongolischen Reichs. So ist es nicht verwunderlich, dass die Übung, die im Juni 2022 dort initiiert wurde, Khaan Quest heißt. Sie dient der Zertifizierung mongolischer Soldaten für den bevorstehenden Einsatz bei der United Nations Mission in the Republic of South Sudan (UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan). UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan ist ein Einsatz der Vereinten Nationen (VN) zur Friedenssicherung im jüngsten Staat der Welt. Seit 2011 beteiligt sich auch die Bundeswehr an der UNUnited Nations-Mission und unterstützt damit den Friedensprozess im Südsudan. Die einsatzbezogenen Ausbildungs- und Zertifizierungsmaßnahmen sind auch bei den mongolischen Streitkräften umfangreich. Unterstützung erhalten sie dabei durch befreundete Länder. Die Bundeswehr unterstützte diesmal mit einem Rechtsberater Stabsoffizier, zu Englisch Legal Adviser (LEGAD).

Internationales Ausbilderteam in der Mongolei

Vor einem Gebäudeeingang stehen sieben Soldaten nebeneinander.

Das internationale Ausbilderteam mit den drei mongolischen Rechtsberatern vor dem Peace Support Operations Training Center

Bundeswehr/Karsten K.

Karsten K. ist als Oberregierungsrat, Rechtsberater und Wehrdisziplinaranwalt (WDA) ein Beamter bei der Bundeswehr, genauer gesagt bei der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) im hessischen Stadtallendorf. Dort beschäftigt er sich vor allem mit rechtlichen Fragen von militärischen Evakuierungsmaßnahmen im Auslandseinsatz.

Vom beschaulichen Heimatstandort ging es diesmal für den Juristen in die Five Hills Training Area, einem Übungsgebiet, das rund eine Stunde südwestlich der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar liegt. Die Stadt gilt auch als die kälteste Hauptstadt der Welt. Der Auftrag vor Ort: Zusammen mit einem internationalen Team drei mongolische Rechtsberater auszubilden und zu zertifizieren. Der 35-jährige Deutsche arbeitet dabei eng mit LEGADs aus den USA und Frankreich zusammen. Für seine Aufgaben wird der Oberregierungsrat temporär zum Oberstleutnant und trägt Uniform.

Ausbildung mit Konzept

Die Übung Khaan Quest bestand aus drei Teilen. Sie begann mit einer vorgeschalteten theoretischen Phase, Academics genannt. Dann folgten eine Gefechtsstandausbildung und eine parallel stattfindende Field Training Excercise (FTX). Die Gesamtdauer der Gefechtsstandausbildung betrug 14 Tage und es nahmen rund 120 Soldaten aus der Mongolei, Südkorea, Singapur, Australien, Indien und weiteren Nationen teil. Der Schwerpunkt für den Oberstleutnant der Reserve war es, ein Verständnis für die rechtliche Sicht der UNUnited Nations-Mission zu vermitteln. Dabei geht es um Themen, wie Stationierungsabkommen, Rules of Engagement (RoERules of Engagement), oder völkerrechtliche Grundlagen bei der Operationsführung. Die Regeln der Vereinten Nationen sind in vielen Aspekten noch strenger als nationale Vorgaben. So existieren VN-Verhaltensregeln oder Codes, die teilweise weit über nationale Regelungen hinausgehen. Auch sehen die Vereinten Nationen diverse Meldeverpflichtungen vor. Nationale Vorgaben bleiben aber immer parallel bestehen.

Deutsches Engagement sehr geschätzt

Auf einem grauen Tisch liegt eine Ausweiskarte aus Plastik und eine Gedenkmünze aus Metall.

Andenken an eine unvergessliche Zeit. Seit 22 Jahren beteiligt sich die Mongolei mit Stolz an UNUnited Nations-Missionen. Für den Einsatz als Ausbilder erhält Karsten K. dafür den Coin als Auszeichnung und Erinnerungsstück.

Bundeswehr/André Forkert

Die Ausbildung durch deutsches Personal ist in der Mongolei kein Einzelfall: „Parallel zu meiner Übung waren auch deutsche Gebirgsjäger im Land“, berichtet Karsten K. Seit 2019 bilden deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr den Kern einer neuen Gebirgsjägertruppe für die Mongolei im Land aus. „Wir Deutschen sind in der Mongolei hoch angesehen. Unsere Tätigkeit wird hier sehr geschätzt“, sagt der Ausbilder dankbar. Ein Highlight, gleich zu Beginn der Ausbildungszeit: Mit einem Besuch zeigten der Verteidigungsminister und sogar der Präsident der Mongolei ihre Wertschätzung gegenüber den ausländischen Soldaten.

Auch wenn die mongolischen Soldaten wissbegierig waren, die Ausbildung sollte dennoch eine Herausforderung werden. Nur einer der drei mongolischen Rechtsberater hatte ein abgeschlossenes juristisches Studium. Daher musste das Team neben der Zertifizierung noch viel Wissen vermitteln. „Für mich persönlich war das aber auch ein absoluter Zugewinn und eine gute Vorbereitung. Ich bin derzeit für den Einsatz bei der United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission (MINUSMAMultidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali) in Mali eingeplant“, so der Rechtsberater der Division Schnelle Kräfte.

In Uniform am anderen Ende der Welt

Mehrere Soldaten stehen in einem Hausflur eines militärischen Gebäudes und unterhalten sich.

In der Five Hills Training Area werden auch die mongolischen Rechtsberater ausgebildet. Die Einrichtung entspricht westlichem Standard und wird mit viel Aufwand durch die Alaska National Guard der U.S. Army gebaut und betrieben.

Bundeswehr/Karsten K.

Für die internationalen Ausbilder ging es während ihrer Zeit in der Mongolei auch auf Erkundungstour. Die Mongolei bietet von wilden Bergen, über endlose Wüsten und Steppen bis hin zu wunderschönen Wasserfällen und Seen eine sehr abwechslungsreiche Natur. Sie ist der Lebensraum für wildlebende Tiere wie Yaks, Przewalski-Pferde, Schneeleoparden, der Gobibär oder die Saiga-Antilope. Neben der Natur war für das Ausbilderteam aber gerade der Einblick in die mongolische Kultur ein unvergessliches Erlebnis und wertvoll: „Eine echte Besonderheit war die Nachstellung des ,Naadam‘, also der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag. Dieser wird mit traditionellen Speisen, Pferderennen, Bogenschießen und Ringen begangen“, erinnert sich Karsten K. nach seiner Rückkehr an seine Erlebnisse am anderen Ende der Welt.

von André Forkert
  • Transportpanzer der UN-Mission auf einer verwüsteten Straße mit herumliegendem Müll
    United Nations Mission in the Republic of South Sudan

    Südsudan

    Die Nachfolgemission der Vereinten Nationen in der Republik Südsudan (UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan) dient der Sicherung des Friedens in der Region.

    • UNMISS
  • Das Wappen zeigt auf heeresgrauem Grund einen goldenen Adler im Sturzflug, hinter ihm weist ein schwarzer Pfeil nach oben.

    Division Schnelle Kräfte

    Erfahren Sie mehr über die Division Schnelle Kräfte aus dem hessischen Stadtallendorf, ihre Soldatinnen und Soldaten und ihre Waffen.

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