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Panzerprofis empfangen königlichen Besuch in Augustdorf

Panzerprofis empfangen königlichen Besuch in Augustdorf

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Datum:
Ort:
Augustdorf
Lesedauer:
3 MIN

Im Jahr 1916 tauchten erstmalig gepanzerte Kettenfahrzeuge auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges auf. Die massiven Stahlkolosse wurden aus Gründen der Geheimhaltung zunächst „Tank“ genannt. Heute, gut 100 Jahre später, tauschen sich in Augustdorf deutsche und britische Soldaten über ihre modernen Gefechtsfahrzeuge als Verbündete aus.

Ein deutscher Soldat schaut aus einer Panzerluke, ein britischer Soldat spricht mit ihm und sitzt dabei auf dem Panzer.

Bei der Besichtigung der Großwaffensysteme fachsimpeln die Soldaten über die Feuerkraft des Schützenpanzers Puma.

Bundeswehr/Katharina Flor

Die ersten gepanzerten Fahrzeuge hatten mit den heutigen Waffensystemen noch nicht viel gemein. Zunächst zur Unterstützung der Infanterie und zum Überwinden von Gräben und Stacheldrahtverschlägen konzipiert, entwickelten sich aus den schwerfälligen und unbeweglichen Tanks nur zwei Jahrzehnte später Panzerverbände als selbstständig operierende Einheiten. Hier liegen auch die Wurzeln des britischen Verbandes, der zuletzt das deutsche Panzerbataillon 203 zu einem Informationsaustausch in der Rommel-Kaserne in Augustdorf besuchte. Die Stammlinie des Royal Tank Regiments reicht sogar bis in die frühe Geschichte der Panzer zurück. Bis heute bilden Kampfpanzer das gepanzerte Rückgrat aller Landstreitkräfte. Der regelmäßige Austausch zwischen den NATO-Soldaten fördert die Interoperabilität und das gegenseitige Verständnis unter den Partnerstreitkräften.

Die Queen als Schirmherrin

Ein britischer Soldat sitzt im Panzer an der Heckluke, ein deutscher Soldat kniet davor und erklärt.

Was kann der Puma? Ein deutscher Panzergrenadier (r.) beantwortet seinem britischen Kameraden Fragen zum neuen Schützenpanzer der Brigade.

Bundeswehr/Katharina Flor

Wertvolle Gelegenheit für den Austausch: 20 Offiziere und Feldwebel nutzten ihren Aufenthalt auf dem nordrhein-westfälischen Truppenübungsplatz Senne für einen Besuch bei ihren deutschen Panzerkameraden. Oberstleutnant Marco Maulbecker begrüßte die britische Delegation zu einem fünfstündigen Informationsprogramm in der Rommel-Kaserne. Nach dem obligatorischen Corona-Schnelltest und einem Stehkaffee eröffneten Vorträge zum Auftrag und der Gliederung eines Panzerbataillons der Bundeswehr sowie zur Ausbildung des Offiziernachwuchses das Besuchsprogramm.

Das Royal Tank Regiment ist mit seinen Truppenteilen in Tidworth, in der Grafschaft Wiltshire im Süden Großbritanniens stationiert. Der gegenwärtige Ehrenoberst, also der Schirmherr des Regiments, ist die Queen selbst. Hauptwaffensystem des Regiments sind der Kampfpanzer Challenger 2 und der Schützenpanzer Warrior. Aktuell bereiten sich die britischen Soldaten in Deutschland auf ihre nächste Mission als NATO-Battlegroup in Estland ab September vor. Damit sind auch sie Teil der anerkannten Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence), der Beistandsinitiative an der Ostflanke der NATO.

Zusammenarbeit wieder intensivieren

Ein britischer Soldat und zwei deutsche Soldaten führen vor einem Panzer ein Gespräch.

Panzerprofis unter sich: das Royal Tank Regiment der britischen Streitkräfte zum Informationsbesuch in Augustdorf

Bundeswehr/Katharina Flor

Am späten Vormittag hatten die britischen Panzersoldaten die Gelegenheit, das Flaggschiff des Panzerbataillons 203, den Kampfpanzer Leopard 2, aus der Nähe kennenzulernen. Dabei entwickelten sich intensive Fachgespräche zwischen den Panzerprofis aus beiden Nationen. Über 300 Kampfpanzer Challenger 2 stehen aktuell im Dienst des britischen Heeres. Der deutsche Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Marco Maulbecker, zeigte sich zufrieden mit dem Besuch der Kameraden aus Großbritannien: „Wir versuchen, die Verbindung zu unseren Kameraden der britischen Panzertruppe wieder zu intensivieren“, erklärt der Kommandeur die Hintergründe des Zusammentreffens in Augustdorf. „Das Interesse an unserer Arbeit und unseren Verfahren ist groß“, freut sich Maulbecker.

Stippvisite im Simulationszentrum

Der gemeinsame Auftrag sowie nahezu identische Einsatzgrundsätze im Gefecht schüfen sofort ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Panzersoldaten, weiß der Generalstabsoffizier zu berichten. Die Besucher interessierten sich auch für den modernen Schützenpanzer Puma vom Panzergrenadierbataillon 212. Zudem präsentierten Soldatinnen und Soldaten der Sanitätsstaffel aus der Rommel-Kaserne einen Transportpanzer Fuchs, der für den Transport und die medizinische Versorgung von Verwundeten ausgestattet ist. Eine Gemeinsamkeit, denn der Fuchs wird bei den Briten, allerdings in einer anderen Konfiguration, ebenfalls eingesetzt. Zum Abschluss gingen die britischen Soldaten auf Stippvisite in das Simulationszentrum der Kaserne. Voll digital kann hier das Gefecht simuliert werden. Vom Schießen mit dem Gewehr bis zum Angriff eines Panzerzuges mit vier Leoparden können die Rechnersysteme jedes denkbare Szenario für die Ausbildung erzeugen. Nach über drei Wochen in der Senne geht es für die „königlichen“ Panzerbesatzungen nun wieder in die Heimat nach Südengland. 

von Martin Waltemathe

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