Heer

Universalschlüssel für alle Fälle

Universalschlüssel für alle Fälle

  • Spezialisierte Kräfte
  • Heer
Datum:
Ort:
Baumholder
Lesedauer:
2 MIN

Sie brechen in Häuser ein, überwinden jede Art von Hindernissen mit besonderen Werkzeugen und Methoden – die Spezialisierten Soldaten des Fallschirmjägerregiments 26. Ihr Vorgehen üben die Fallschirmjäger regelmäßig beim Orts- und Häuserkampf auf dem Übungsplatz Baumholder.

Ein Soldat mit Helm, Schutzbrille, Mund- und Gehörschutz hält eine schwarze Schrotflinte vor seiner Brust.

Im urbanen Kampf ist der Breacher für die Öffnung der Türen zuständig. Er hat die Flinte als Türöffner bei sich.

Bundeswehr/Sergej Jarosch

In wenigen Minuten beginnt die Operation. Spezialisierte Kräfte sollen ein Objekt nehmen. Das Ziel: ein unscheinbares Holzhaus, in dem sich etliche bewaffnete Kämpfer verstecken. Alle Räume des Hauses müssen geklärt, sprich vom Feind befreit werden. Die Operation beginnt mit einer Überraschung für den Feind. Mit einer Sprengladung verschaffen sich die Trupps in kürzester Zeit einen Zugang in das Gebäude. Raum für Raum kämpfen sich die Spezialisierten Kräfte mit Erweiterter Grundbefähigung, kurz EGBErweiterte Grundbefähigung, durch die verschachtelten Räume. Hinter jeder Ecke lauern Gefahren. Plötzlich gelangen sie an eine verschlossene Tür. Wieder ein Fall für den Breacher, übersetzt Brecher. Er ist der Spezialist, wenn es darum geht, den Weg freizumachen durch Türen und Barrikaden, die den Soldaten den Weg versperren sollen.

Ungewöhnlicher Türöffner

Der Türöffner der Bundeswehr im Einsatz

Der Spezialist nutzt hierfür verschiedene Öffnungsmöglichkeiten. Unterschieden wird zwischen den sprengmechanischen Öffnungsverfahren, bei denen die Tür mit Sprengstoff, mit einer Art explosiven Schere, zerteilt wird. Daneben gibt es noch mechanische Verfahren, sprich der Öffnung mit Ramme oder Fußtritt. Es gibt aber noch eine weitere Methode – das ballistische Verfahren. Hier wird ein Werkzeug benutzt, das eher ungewöhnlich ist und sonst nicht als Türöffner verstanden wird. Die Schrotflinte, auch als Pumpgun bekannt, ist für die Spezialisten nämlich keine Waffe, sondern durch ihre brachiale, punktuelle Power ein nützliches Werkzeug, versperrte Türen zu öffnen. Sie ist bei den Spezialkräften und Spezialisierten Kräften der Bundeswehr aber auch bei Polizeieinheiten weltweit verbreitet.

So wird die Pumpgun für den Einsatz vorbereitet

Eine schwarze Schrotflinte liegt vor einem Waffenkoffer auf dem grauen Boden.

Die Remington 870 der EGBErweiterte Grundbefähigung-Kräfte ist eine handelsübliche Schrotflinte, die aber grundsätzlich von den Spezialisten nur als Türöffner mit spezieller Zinkmunition genutzt wird.

Bundeswehr/Andreas Schmitt

Um die Tür zu öffnen, belädt der Breacher seine Flinte vom Typ Remington 870 mit insgesamt vier Schuss. In jeder der ungefähr daumenbreiten Patronen stecken gut 1.000 bar Druck, die bei der Zündung des Inhalts nach vorne aus der Mündung freigesetzt werden. Die Flinte ist in wenigen Schritten geladen. Zunächst repetiert der Schütze die Waffe mit der typischen Bewegung des Vorderschafts nach vorne. Durch eine kleine Öffnung an der Unterseite werden die Patronen dann einzeln eingeschoben. Auffällig: Die Waffe ist ruppig, grob und es bedarf einiger Kraft, um sie zu bedienen. Das ist eher untypisch für eine Waffe, aber verständlich, denn es handelt sich bei der Flinte nicht um ein filigranes Präzisionsgewehr, sondern schließlich um ein Werkzeug.

Flinte versus Tür

Ein Soldat hält eine schwarze Schrotflinte an die Tür und schießt sie auf.

In der Regel genügen vier Schuss aus der Flinte, um eine verschlossene Tür ballistisch zu öffnen.

Bundeswehr/Carl Schulze

Jede Tür hat Angriffspunkte, wie etwa Scharniere aus Stahl oder der Schlosskasten, die Türen in ihrem Rahmen verankern. Ist die Tür versperrt, wird das Schloss nach hinten rausgeschossen. Dazu setzt der Schütze die Flinte im 45 Grad-Winkel von oben direkt an die Tür an. Sorgfältig muss er dabei auf seine Fußposition achten, um sich nicht selbst zu gefährden. Dann folgen vier Schuss, die der Schütze von oben nach unten in eine zusammenhängende Reihe platziert. Die Kraft der Patrone reicht aus, um Metall wegzuschießen. Manchmal genügt es aber auch einfach, die Türklinke zu nutzen.

von Peter Müller

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