Heer

Sie bleibt dran

Sie bleibt dran

  • Führung
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat die Infanterieschule des Heeres in der Saaleck-Kaserne in Hammelburg für zwei Tage besucht, um sich ein Bild von der Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten vor Ort zu verschaffen. Sie kam in verschiedenen Runden mit Trainingsteilnehmern ins Gespräch.

Ein Soldat und eine Zivilistin in graublauem Hosenanzug und weißem Shirt sprechen miteinander.

Brigadegeneral Michael Matz führt die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, durch das Gelände der Infanterieschule.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Es war nicht der erste Termin der Politikerin nach der Sommerpause. Aber „Sie sind immer ganz vorn“, sagt die Wehrbeauftragte lächelnd, als Brigadegeneral Michael Matz, General der Infanterie und Kommandeur der Infanterieschule, sie in Hammelburg begrüßt. 26 Grad und strahlender Sonnenschein erwarten Eva Högl am Lagerberg, dort wo die Saaleck-Kaserne liegt. Der erste Tagesordnungspunkt ist ein Führungsgespräch mit dem General. Dabei geht es um verschiedene Schwerpunkte und auch einen kleinen Rückblick auf den letzten Besuch vom Januar 2021.

Auch die Corona-Pandemie spielt in dem Gespräch eine Rolle. „89 Prozent der Angehörigen der Infanterieschule und meiner Ausbildungsstützpunkte sind bereits erstgeimpft. Zufrieden stimmt mich das jedoch nicht“, so Matz. Er ergänzt: „Die letzten zehn Prozent sind immer die schwierigsten. Ich vergleiche das gern mit Schulnoten. Eine ,Zwei‘ zu schreiben, ist machbar. Die Note ,Eins‘ jedoch zu erreichen, erfordert einen exponentiell höheren Lernaufwand. Aber wir stellen uns der Herausforderung.“ Der Ruf nach einer generellen Impfpflicht stößt bei der Wehrbeauftragten auf Zustimmung: „Es wäre eine gute Idee, diese Impfungen mit ins Basisschema aufzunehmen, da die Forschung mittlerweile weit fortgeschritten ist und Erfahrungswerte vorhanden sind.“

Ausbildung von Spezialkräften

Ein Mann in blauem Sportshirt spricht mit einer Zivilistin. Sie stehen an einer Sprunggrube mit Sand.

Nicht nur der General kommt bei dem Besuch von Eva Högl zu Wort, sondern auch die Trainingsteilnehmer, Ausbilder und wie hier der Sportlehrer zukünftiger Spezialkräfte.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Auch das Thema Infrastruktur am Lagerberg ist ihr bekannt und sie sei dahingehend „sehr sensibilisiert“, wie sich Högl ausdrückt. „Da muss endlich etwas passieren“, betont sie. Beide stellen fest, dass die an anderen Standorten bereits praktizierte modulare Bauweise ein Lichtblick sei. Dabei werden dauerhafte Gebäude in Form montagefertiger Raumzellen vorgefertigt, um dann an der Baustelle schnell und unkompliziert zusammengefügt zu werden.

Thema war auch die erfolgreiche Übernahme des Ausbildungsstützpunktes Spezialkräfte Heer am Standort Calw. Denn Calw „ist ein Teil von uns“, so der Brigadegeneral. Der Übergang war nahtlos und für den einzelnen Soldaten nicht spürbar, da bereits vorab sehr viele Arbeitsbeziehungen zwischen Hammelburg und Calw bestanden und auch schon früher die zukünftigen Kommandosoldaten am Standort Hammelburg Ausbildungsabschnitte absolvierten.

„Die Soldaten sind sehr gut vorbereitet. Wenn jemand nicht mehr hier ist dann auf eigenen Wunsch. Wir haben bisher niemanden abgelöst“, so der Sportlehrer. Dies läge aber auch an der Ausbildung und daran, dass die Trainingsteilnehmer konzentriert arbeiten. „Zudem versuchen wir auch permanent, die Ausbildung zu verbessern. Wichtig dabei ist es, immer flexibel zu bleiben.“

Abseilübung am Kletterturm

Ein Soldat und eine Zivilistin stehen vor einem großen Metallgerüst, auf dem und unter dem Soldaten stehen.

Die Soldatinnen und Soldaten der Sanitätsstaffel Einsatz üben am Kletterturm das Abseilen aus der Höhe. Brigadegeneral Michael Matz und die Wehrbeauftragte Eva Högl schauen zu.

Bundeswehr/Andrea Rippstein

Genauso flexibel wie die Ausbilder des Ausbildungsstützpunktes Spezialkräfte sind Matz und Högl, als sie spontan vom Ablauf abweichen und sich eine Sanitätsausbildung nebenan ansehen. Vier Züge der Sanitätsstaffel Einsatz aus Hammelburg, Niederstetten, Roth und Wildflecken trainieren gerade am Kletterturm das Abseilen – Voraussetzung für sicheres Handeln in unwegsamem Gelände.

Im Anschluss an ihren Rundgang nimmt sich die Anwältin der Soldaten, wie Högl in ihrer Funktion als Wehrbeauftragte auch genannt wird, Zeit, um mit den Soldaten zu sprechen. In verschiedenen Gesprächsrunden geht es um deren Anliegen und Probleme. Jeder aus der Truppe, ob Wehrdienstleistender oder Offizier, darf sich jederzeit direkt an sie wenden, ohne den Dienstweg einhalten zu müssen.

von Thomas Heinl

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