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So arbeitet der Bundeswehr-TÜV

So arbeitet der Bundeswehr-TÜV

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Datum:
Ort:
Seedorf
Lesedauer:
4 MIN

Kurz nach dem Jahreswechsel klopft der Technische Materialprüftrupp fristgerecht beim Fallschirmjägerregiment 31 an die Tür. Der Auftrag: Fahrzeuge und Waffen der Fallschirmjäger aus Seedorf auf Herz und Nieren prüfen. Vier Wochen haben die Spezialisten in Uniform dafür veranschlagt.

Ein Soldat mit Mund-Nasenschutz hält Waffenteile in der Hand.

Hauptfeldwebel Daniel Fischer, Waffenprüfer des technischen Materialprüftrupps, untersucht den Verschluss der Pistole P8 auf Mängel.

Bundeswehr/Markus Mader

Pünktlich zu Beginn des neuen Kalenderjahres 2021 erhält das Fallschirmjägerregiment 31 Besuch vom Technischen Materialprüftrupp aus dem niedersächsischen Oldenburg. Ein mehrköpfiges Team, bestehend aus Fahrzeug- und Waffenspezialisten, führt an rund 140 Kraftfahrzeugen und circa 1.000 Waffen eine Technische Materialprüfung (TMPTechnische Materialprüfung) durch. Bei der TMPTechnische Materialprüfung wird Material unterschiedlichster Bauart über einige Wochen intensiv geprüft. Das zivile Pendant zum TMPTechnische Materialprüfung ist der allseits bekannte TÜV in Deutschland, der Technische Überwachungsverein.

Prüfung von Waffen und Fahrzeugen

Die Fahrzeuge der Bundeswehr unterscheiden sich in Bauart und Anforderungsprofil jedoch deutlich von den zivilen Fahrzeugen. Auch die Prüfung militärischer Waffen mit ihren speziellen Anforderungen gehört nicht zum Alltagsgeschäft eines TÜV-Prüfers. Die Spezialisten des Materialprüftrupps hingegen sind hierfür ausgebildete Soldaten. Sie sind der Garant dafür, dass bundeswehreigene Material stets verkehrs- und handhabungssicher zu erhalten.

Da verwundert es nicht, dass ihre Prüfintervalle, alle zwei Jahre, identisch mit denen des TÜVs sind. „Der Materialprüftrupp erfüllt in der Bundeswehr eine Aufgabe mit hoher Verantwortung. Hier geht es um die Gewährleistung der Sicherheit im Umgang mit Fahrzeugen und Waffen. Die Sicherheit der Soldaten im Rahmen ihres Dienstes im In- und Ausland, aber auch um die Sicherheit aller übrigen Verkehrsteilnehmer“, sagt Hauptmann Martin Richter, der Technische Offizier.

Der Technische Offizier

Ein Soldat sitzt an seinem Arbeitsplatz und schaut auf den Bildschirm.

Hauptmann Martin Richter ist der Technische Offizier des Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf und für die technische Einsatzbereitschaft des Regiments verantwortlich.

Bundeswehr/Markus Mader

Richter ist seit 13 Jahren Soldat und im Regimentsstab als Technischer Offizier (TO) eingesetzt. Seiner Verantwortung unterliegt die technische Einsatzbereitschaft des Fallschirmjägerregiments 31. Daher verwundert es nicht, dass der 31-Jährige der Hauptverantwortliche für die Durchführung der TMPTechnische Materialprüfung ist. Mithilfe der Schirrmeister kümmert er sich um den reibungslosen Ablauf. Diese erfahrenen Feldwebel sind allesamt von der Handwerkerinnung geprüfte KfzKraftfahrzeug-Meister (Kraftfahrzeugmeister). In ihren Kompanien sind sie für die Wartung und Pflege des ihnen zugewiesenen Materials verantwortlich und arbeiten eng mit dem TO zusammen.

„Mithilfe der TMPTechnische Materialprüfung verschaffen wir uns einen Überblick über die materielle Einsatzbereitschaft unseres Verbandes. Dieses Wissen ist für unseren Regimentskommandeur sehr wichtig“, sagt Richter. Der Technische Offizier erkennt am Ergebnis der TMPTechnische Materialprüfung, wie viele Fahrzeuge oder Waffen erhebliche Mängel aufweisen. Dies spiegelt unter anderem den Umgang der Soldaten mit dem vom Dienstherrn zur Verfügung gestellten Material wider. „So stelle ich den Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen zu diesen Tätigkeiten fest und kann hier zukünftig gezielt gegensteuern. Unser Ziel ist die ständige Einsatzbereitschaft des Fallschirmjägerregiments 31. Durch konsequent gut ausgebildete Soldaten im Aufgabengebiet der Materialerhaltung erreichen wir eine gleichbleibend hohe Einsatzbereitschaft von Waffen und Gerät“, macht der Technische Offizier deutlich.

Der Kraftfahrzeugprüfer

Ein Soldat mit gelber Leuchtjacke steht in einer beleuchteten Werkstattgrube unter einem Lkw.

Stabsfeldwebel Marcus Menge prüft während der Technischen Materialprüfung ein Fahrzeug auf Herz und Nieren.

Bundeswehr/Markus Mader

Stabsfeldwebel Marcus Menge ist Soldat im 28. Dienstjahr und Kraftfahrzeugprüfer. Nach der Schule hat er eine Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker (KfzKraftfahrzeug-Mechatroniker) abgeschlossen. Wie alle jungen Männer seiner Generation folgte darauf der Wehrdienst bei der Bundeswehr. Beim Militär hat ihn das Fieber gepackt und so ist er bei der Bundeswehr geblieben. Inzwischen ist er Berufssoldat.

Nach seinem damaligen Abschluss als KfzKraftfahrzeug-Meister gehört er nun schon seit sechs Jahren zum Materialprüftrupp in Oldenburg. Seit über elf Jahren darf er sich „amtlich anerkannter Prüfer mit Teilbefugnis“ nennen. Der Weg dorthin erforderte eine langjährige Ausbildung mit zahlreichen Prüfungen. Die Voraussetzungen sind eine bestandene Meisterausbildung, der Erwerb aller Fahrerlaubnisklassen und die zweijährige Ausbildung zum amtlich anerkannten Prüfer mit Teilbefugnis.

„Anders als der TÜV arbeite ich eng mit den Kraftfahrern zusammen und biete ihnen unmittelbar die Möglichkeit an, Mängel abzustellen. Außerdem gebe ich ihnen aus meiner langjährigen Erfahrung heraus während der Prüfung Tipps und Ratschläge zur Bedienung des Kraftfahrzeugs“, erzählt der 47-Jährige. „So dient die Prüfung gleich der Weiterbildung der Soldaten und somit der Verbesserung der Materialbewirtschaftung. Mein Ziel ist es, nach Erkennen eines Mangels die Einsatzbereitschaft des Fahrzeugs so schnell wie möglich wiederherzustellen“, sagt der Stabsfeldwebel voller Tatendrang.

Der Waffenprüfmeister

Ein Soldat hält ein kleines, schwarzes Prüfgerät in der Hand, um ihn herum sind auf Tischen Gewehre aufgebaut.

Hauptfeldwebel Daniel Fischer muss als Waffenprüffeldwebel jede Waffe der Infanterie beherrschen und somit auch das Scharfschützengewehr G22 A2.

Bundeswehr/Markus Mader

Die Waffen sind für die Soldaten ständige Begleiter des Dienstalltags und im Ernstfall ihr Lebensversicherung. Jeder Soldat muss sich jederzeit auf die Funktionsfähigkeit seiner Waffen 100 Prozent verlassen können. Die Pflege der Waffen erfolgt hauptsächlich durch den Bediener selbst und er verantwortet sie auch. Stellt er einen Defekt fest, so meldet er diesen und wird durch die Waffeninstandsetzung des Regiments unterstützt. Auch die Waffensysteme werden im Zweijahresintervall geprüft. Dies macht der Waffenprüffeldwebel. Er ist der Spezialist mit dem Blick auf jedes kleinste Einzelteil. So erkennt er auch verdeckte Mängel.

Hauptfeldwebel Daniel Fischer ist Waffenprüffeldwebel für Infanteriewaffen. In Seedorf ist der 35-Jährige bekannt, denn bevor er zum Technischen Materialprüftrupp nach Oldenburg wechselte, war er Waffenfeldwebel im Regiment. Inzwischen ist der Berufssoldat seit zwei Jahren Prüfer für Infanteriewaffen und Waffensysteme der Bundeswehr. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe begutachtet er die unterschiedlichsten Waffenvarianten bis ins letzte Detail. Gern gibt er den Soldaten hilfreiche Tipps für die Wartung und Pflege ihrer Waffen, die so von seinen vielfältigen, fundierten Erfahrungen profitieren. „Ich bin gern in Seedorf, nirgendwo anders hat man so ein breites Spektrum an Waffen. Hier ist alles an Infanteriewaffen vertreten und ich kann mich ganz und gar meiner Arbeit widmen“, sagt Fischer stolz.

Die Technische Materialprüfung im Fallschirmjägerregiment 31 ist wichtig für die Feststellung der Einsatzbereitschaft des Verbandes und ein sehr arbeitsreiches Event für alle Beteiligten. War die TMPTechnische Materialprüfung früher noch ein Schwerpunktthema der Verbände, ist sie mit 16 bis 20 Wochen jährlich ein fortwährender Begleiter geworden.

von Markus Mader

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