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Spähtrupp im Drill: Reservisten üben das Gefecht

Spähtrupp im Drill: Reservisten üben das Gefecht

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Datum:
Ort:
Oldenburg
Lesedauer:
4 MIN

„Contact Front!“, hallt es durch den Wald auf dem Standortübungsplatz bei Oldenburg. Nur einen Wimpernschlag später hämmern Sturmgewehre Feuersalven gen Feind. Der Spähtrupp ist auf den Gegner aufgelaufen. Alle reagieren schnell, wiederholen die Feindrichtung, entwickeln sich zum Schützenrudel und erwidern stets das Feuer.

Zwei Soldaten liegen und knien auf dem Waldboden und schießen mit ihren Sturmgewehren.

Mit kühlem Kopf wird der Feind bekämpft.

Bundeswehr/Carl Schulze

Reservistinnen und Reservisten des Unterstützungsbataillons Einsatz 1 üben das Gefecht. Sie gehören zu einem Reservebataillon der 1. Panzerdivision. In Corona-Zeiten fällt die Begrüßung des Stellvertreters des Divisionskommandeurs der 1. Panzerdivision, Brigadegeneral Dieter Meyerhoff, deutlich aus. „Ich bin froh, dass die Ausbildung im Heer wieder sichtbar startet.“

Beförderung bei Sonnenschein

Drei Soldaten stehen nebeneinander. Die beiden außenstehenden legen dem in der Mitte neue Dienstgradabzeichen auf.

Zwei Reservistendienstleistende starten mit neuem Dienstgrad in die Übung.

Bundeswehr/Carl Schulze

Die Übung beginnt im strahlenden Sonnenschein mit Beförderungen. Im Beisein von Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Marco Wolfermann, werden sein Stellvertreter zum Oberstleutnant und ein Fähnrich zum Leutnant befördert. Obligatorisch werden die Beförderungen mit einem dreifach kräftigen „Horrido-Joho“ besiegelt. Schon kurze Zeit darauf stehen die Reservisten wieder voll im Ausbildungsalltag.

Oberstabsgefreiter Matthias Reich* schwitzt. „Nebel!“, ruft der Truppführer über den Gefechtslärm hinweg. Reich weiß, dass er jetzt gefordert ist. Mit geübtem Griff holt er den Nebelkörper aus seinem Kampfanzug und wirft ihn vor die angenommene Ausweichrichtung seines Trupps. Er ist einer von 60 Reservisten, die ein weiteres Wochenende infanteristische Ausbildung beim Unterstützungsbataillon Einsatz 1 in der Henning-von-Tresckow-Kaserne absolvieren.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Zwei Soldaten hocken mit Waffen im Anschlag in einem Waldstück. Zwei andere nutzen den Feuerschutz zum Ausweichen.

Bei drillmäßiger Ausbildung werden Abläufe fast automatisiert. Das verschafft Zeit, um im Ernstfall ungehindert kämpfen zu können.

Bundeswehr/Carl Schulze

„Gute Kommunikation, saubere Abstände“, murmelt Hauptfeldwebel Ralf Halbe* und macht sich eine Notiz. Er ist Ausbilder der Station „Contact Drill“. Er hat eine Klappfallscheibe ausgelöst, die ein Nahsicherer eines Spähtrupps erkannt hat. Halbe ist erfahrener Jägerfeldwebel und im Zivilberuf Physiotherapeut mit eigener Praxis. Er betreibt eine von drei dynamischen Ausbildungsstationen der zweiten Kompanie. Drei Tage vor der eigentlichen Übung hat er, in seiner Freizeit, gemeinsam mit seinem Zugführer das Gelände seiner Ausbildung erkundet und die letzten Details festgelegt. „Das zahlt sich jetzt aus“, erklärt er. Der Spähtrupp arbeitet im dritten Durchgang die Inhalte des Drills flüssig ab. In seiner Abschlussbesprechung findet Halbe lobende Worte und freut sich darauf, dass der Trupp am Nachmittag diese Station nochmals durchlaufen wird, damit er den Reservistendienstleistenden weitere Feinheiten vermitteln kann.

Die Stellung wird genommen

Ein Soldat wirft eine Handgranate. Ein anderer liegt mit einer Waffe im Anschlag hinter ihm und sichert das Gelände.

Ist der Feind fast zum Greifen nah, setzen die Soldaten ihre Handgranaten ein.

Bundeswehr/Carl Schulze

800 Meter entfernt erklärt Feldwebel Marc Pall* seinem Trupp den Ablauf der Station „Nehmen einer Stellung“. Das unübersichtliche, mit Unterholz und Blaubeeren bewachsene Gelände macht es den Soldaten nicht einfach. Trotzdem leitet Hauptgefreiter Alina Enders* den Trupp sicher in Richtung der Bodenwelle, die ihr als Zwischenziel vorgegeben wurde. Aus der Ruhe der Annäherung wächst schnell die Dynamik des Angriffs auf. Dann geht alles ganz schnell. Die Handgranate wird geworfen, detoniert und der Sturmtrupp nutzt diesen Moment aus, um im schnellen Vorgehen die Stellung zu nehmen.

Auch hier folgt die Abschlussbesprechung mit dem bewährten Blick ins Gelände. Dieses Mal ist der Kompaniechef zur Dienstaufsicht dabei. „Wichtig ist mir, dass der Trupp das Prinzip von Feuer und Bewegung erkannt hat und das Gelände optimal für sich nutzt. Das ist hier hundertprozentig umgesetzt worden.“ Major Ulf Grund* ist zufrieden. Ihm ist anzumerken, wie stolz er auf seine Soldaten ist, die ihre Freizeit für diese Ausbildung opfern.

Ausbildung zum Jäger

Auf dem Waldboden liegend beobachtet ein Soldat das dicht bewachsene Gelände vor ihm.

Noch ist es ruhig. Wird der Gegner ausgemacht, geht es sehr schnell und kann hektisch werden, doch heißt es kühlen Kopf bewahren.

Bundeswehr/Carl Schulze

„Im Bataillon sind wir mittlerweile so weit, dass wir in der Ausbildungskompanie die Reservisten zum Jäger ausbilden und die Soldaten dann in der Jägerkompanie weiter spezialisieren. Das gibt die notwendige Ausbildungstiefe und hat den Vorteil, dass auch das Führungspersonal in seinen Funktionen üben kann“, erklärt der Kompaniechef.

Auch Wolfermann legt noch einmal Wert auf die infanteristischen Grundfertigkeiten. „Achtet auf das kleine Einmaleins. Der Linksschütze geht links am Baum vorbei, der Rechtsschütze geht rechts am Baum vorbei.“ Seine Offiziere um ihn herum nicken. Sie wissen, was für den Kommandeur wichtig ist. „Und nehmt die jungen Ausbilder in die Pflicht. Wir müssen sie gründlich ausbilden und gezielt fördern“.

In seinem Kampfstand beobachtet Gefreiter Ralf Thomas Hiller* angestrengt das Vorfeld. Ihm ist klar, wie verantwortungsvoll seine Aufgabe als Alarmposten ist. Als ausgebildeter Stabsdienstsoldat hat er sich freiwillig für die Jägerausbildung gemeldet, um, wie er sagt „wieder grüne Ausbildung zu machen. Das hat mir schon in der Grundausbildung am besten gefallen.“ Er ist zum ersten Mal dabei, fühlt sich aber bereits im Bataillon gut aufgehoben. „Ich hoffe, dass ich auch an der zweiwöchigen Übung im September teilnehmen kann. Meinen Abteilungsleiter muss ich aber noch überzeugen“, erzählt er lächelnd.

Spagat zwischen Armee und Beruf

Das Bataillon hat zwar einen kleinen Kern länger dienender Reservisten, aber die übergroße Mehrheit der Angehörigen kommt meist direkt vom zivilen Arbeitsplatz zur Bundeswehr. Major Dr. Marc Keller*, der Chef der Ausbildungskompanie, ist sich dieses Spagats, den die Reservistendienstleistenden absolvieren, bewusst. „Ich merke jedes Mal, dass es einige Stunden dauert, bis alle wieder den Schalter von zivil auf den Dienst in der Bundeswehr umgelegt haben. Das ist aber nicht zu ändern. Wir tun alles, um auch die zivilberufliche Expertise bestmöglich für unseren Ausbildungsbetrieb zu nutzen“.

Schon in zwei Wochen werden die Kameraden des Unterstützungsbataillon Einsatz 1, das mittlerweile ein fester Bestandteil der 1. Panzerdivision geworden ist, wieder im Dienst sein. Die Coronapandemie hatte auch hier zur Folge, dass seit März keine Ausbildung mehr stattfinden konnte. Das hat die Geduld der Reservistendienstleistenden auf eine harte Probe gestellt. Aber jetzt geht es unter Einhaltung der erforderlichen Auflagen wieder voran, damit die ausgefallenen Übungs- und Ausbildungswochenenden schnell nachgeholt werden können.

Weitere Informationen bei Oberstleutnant Marco Wolfermann,
Tel: 0441 360 5390
oder 1.PzDivUstgBtlEins1@bundeswehr.org

*Namen redaktionell geändert

von Ulf Geisler

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