Heer
Im laufenden Gefecht

Taktik-Weiterbildung der Panzerbrigade 21 in der Senne

Taktik-Weiterbildung der Panzerbrigade 21 in der Senne

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Augustdorf
Lesedauer:
3 MIN

Während einer groß angelegten Weiterbildung hat das Führungspersonal der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ auf dem Truppenübungsplatz Senne die Abläufe auf einem Bataillonsgefechtsstand sowie die Rückführung und Aufnahme eigener Kräfte im Gefecht trainiert. Mit dabei: der Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Heico Hübner. Er verschaffte sich vor Ort einen Eindruck vom Ablauf der Führerweiterbildung.

Zwei Soldaten knien im Vordergrund und beobachten einen Videobildschirm. Weitere Soldaten im Kampfanzug stehen dabei.

Hauptmann York von Oertzen (l. stehend) erläutert die Grundsätze der militärischen Operation „Aufnahme“. Brigadegeneral Stephan Willer und Generalmajor Heico Hübner (beide vorn hockend) beobachten die Videoprojektion aufmerksam.

Bundeswehr/Stefan Hoffmann

 „Über Sieg und Niederlage entscheidet einzig die Strategie.“ Der chinesische General Sunzi formulierte diese schlichte Wahrheit bereits vor über 2.500 Jahren. Bis heute gilt sein Buch „Die Kunst des Krieges“ als eine der ältesten und weltweit bekanntesten militärischen Schriften. Genaue Informationen über die Stärke des Feindes, realistische Einschätzung der zur Verfügung stehenden eigenen Truppenteile sowie die kluge Nutzung von Geländevorteilen nennt der Militärstratege und Philosoph Sunzi als wesentliche Elemente, die den Erfolg auf dem Gefechtsfeld garantieren. Im Kampfeinsatz moderner Heeresbataillone übernehmen Gefechtsstände diese komplexen Planungsaufgaben.

Der Bataillonsgefechtsstand genannt Haupt

Für die groß angelegte Weiterbildung für das Führungspersonal aus allen Verbänden der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ hatte das Panzerbataillon 203, mit Unterstützung der 2. Kompanie des Aufklärungsbataillons aus Ahlen, auf dem Truppenübungsplatz Senne verschiedene Stationen vorbereitet. Sie demonstrierten eindrucksvoll, wie die verschiedenen Gefechtsstände eines gepanzerten Kampftruppenbataillons funktionieren. Im Fokus: der Bataillonsgefechtsstand. Dieser Hauptgefechtsstand ist das Zentrum der Führung und Stabsarbeit, von dem aus das Gefecht des Panzerbataillons koordiniert wird. Zusätzlich werden alle Operationen auf diesem Gefechtsstand geplant. Um dem schnellen und hoch beweglichen Panzergefecht folgen zu können, ist die personelle und materielle Ausstattung von „Haupt“, wie die Panzersoldaten die taktische Schaltzentrale umgangssprachlich nennen, möglichst klein zu halten.

Tarnung und Mobilität

Im Wald stehen mehrere Fahrzeuge und Zelte, die mit grünen Netzen getarnt sind.

Gut versteckt passt sich der Bataillonsgefechtsstand durch den Einsatz von Tarnnetzen der natürlichen Umgebung an.

Bundeswehr/Stefan Hoffmann

Neben dem Hauptgefechtsstand bildet das Panzerbataillon noch einen Unterstützungsgefechtsstand. Hier erfolgen vorwiegend logistische Planungsaufgaben und der Nachschub für die kämpfenden Kompanien mit dem Kampfpanzer Leopard. Oberstleutnant Marco Maulbecker, Kommandeur des Augustdorfer Panzerbataillons, zeigte mit seinen Soldatinnen und Soldaten an verschiedenen Stationen zudem Möglichkeiten der Sicherung, der Raumorganisation um die Gefechtsstände sowie die Planungs- und Arbeitsprozesse. „Gefechtsstände müssen regelmäßig ihren Standort wechseln, um sich feindlicher Aufklärung zu entziehen“, machten die Stationsleitenden bei der Weiterbildung in der Senne mehrfach deutlich. Daher ist die Verlegung von Gefechtsständen immer im Voraus zu erkunden und exakt vorzubereiten. „Die Führungsfähigkeit ist dabei durchgehend zu gewährleisten“, unterstreicht Maulbecker mit seinem Team. Den Bataillonskommandeur sieht man auf „Haupt“ im Übrigen selten. Als Panzerkommandeur führt er das Bataillon von seiner „beweglichen Befehlsstelle“ aus – natürlich verbirgt sich dahinter ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2.

Rückführung und Aufnahme: Taktik auf hohem Niveau

In einem Sandkasten sind Straßen, Wege und Waldstücke maßstabsgerecht dargestellt.

Der Geländesandkasten ist ein bewährtes Ausbildungsmittel, um taktische Abläufe zunächst in der Theorie zu veranschaulichen.

Bundeswehr/Stefan Hoffmann

Das übergeordnete Thema der großangelegten Führerweiterbildung war jedoch die Themenstellung „Rückführung und Aufnahme von Aufklärungskräften“. „Die taktischen Aktivitäten, die Voraussetzung für die Aufnahme der Soldaten sind, zukünftig wieder als ‚besondere Gefechtshandlung‘ bezeichnet, stellen ein hochkomplexes Zusammenwirken von aufnehmender und aufzunehmender Truppe mit dem Ziel der geordneten Rücknahme eigener Kräfte dar und bedürfen eines erheblichen Maßes an Planung und Vorbereitung“, erklärt Oberstleutnant Jörn Dommer vom Panzerbataillon 203. Dies konnte den Teilnehmenden anhand einer erweiterten theoretischen Ausbildung am Geländesandkasten verdeutlicht werden.  „Quintessenz dieses Abschnittes war es, dass wieder einmal nur das ‚Einfache‘ Erfolg haben kann“, betont Dommer in Bezug auf die Erkennungszeichen, die notwendigen Absprachen und einzusetzenden Verbindungselemente der jeweiligen Truppenteile.

Exakte Stabsarbeit notwendig

Mit der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung wird die Thematik „Aufnahme“ auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Übung des Heeres spielen. Generalmajor Hübner sowie Brigadegeneral Stephan Willer, Kommandeur der „Lipperland“-Brigade, verschafften sich persönlich einen Eindruck vom „Herzstück und Gehirn“ eines Panzertruppen-Bataillons. Für beide Generale steht nach ihrem Besuch in der Senne fest: Insbesondere bei komplexen Operationen, wie der Aufnahme eigener Kräfte, führen punktgenaue Planung und exakte Stabsarbeit im Gefecht letztlich zum Erfolg. „Dafür sind funktionierende und geübte Gefechtsstände zwingend erforderlich“, so Willer. Das Panzerbataillon 203 hat eindrucksvoll dargestellt, wie der Einsatz der Gefechtsstände sowie die geordnete Rückführung und Aufnahme eigener Kräfte im Gefecht funktionieren.

Zwei Soldaten im Gefechtsanzug und mit Gewehren stehen vor einem Panzer im Gelände.

Ein Kampfpanzer Leopard 2 steht in Stellung. Auch abgesessen müssen Einsatzräume durch Soldaten überwacht werden.

Bundeswehr/Stefan Hoffmann
von Martin Waltemathe und Jörn Dommer

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