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Trotz Pandemie: Panzertruppe übt für Litauen

Trotz Pandemie: Panzertruppe übt für Litauen

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Gardelegen
Lesedauer:
3 MIN

„Mit dieser Übung bereiten wir uns final auf unseren Einsatz an der Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization vor. Das nächste Mal werden unserer Soldatinnen und Soldaten ihre Kampfpanzer in Litauen starten“, so Oberstleutnant Peer Papenbroock. Der Kommandeur des bayerischen Panzerbataillons 104 und seine rund 700 Soldaten üben mit 200 Fahrzeugen im Gefechtsübungszentrum Heer (GÜZ), um die Führung der Battlegroup zu übernehmen.

Großaufnahme: die Mündung eines Panzerrohres mit Laseraustattung

Für die Soldaten der zweiten Rotation im Jahr 2020 der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup ist der Kampfpanzer Leopard das Hauptwaffensystem. Er ist mit dem Ausbildungsgerät Duellsimulator (AGDUS) ausgestattet, einem taktischen, laserbasierten Waffentrainingssystem.

Bundeswehr/Marco Dorow

Anfang 2017 startete die NATONorth Atlantic Treaty Organization mit der Verlegung von Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten, so auch nach Litauen. Die Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence), übersetzt verstärkte Vornepräsenz, dient der Sicherung der osteuropäischen Staaten und der Abschreckung bei Bedrohungen des Bündnisgebiets. Deutschland hat die Führung der Battlegroup in Litauen übernommen. Das Personal rotiert im halbjährlichen Rhythmus. Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte stehen die Soldaten des Panzerbataillons 104 im Fokus der Battlegroup in Litauen. Soldaten weiterer nationaler Verbände sowie multinationale Partner werden sie dabei verstärken.

Komplexe Gefechtsszenarien

Im Porträt Oberstleutnant Peer Papenbroock vor einem Kampfpanzer

„Diese letzte Bewährungsprobe vor Litauen ist sehr wichtig für unsere Soldaten“, sagt Oberstleutnant Peer Papenbroock.

Bundeswehr/Marco Dorow

„Diese Übung hier ist der Höhepunkt und das Ende der vorbereitenden Ausbildung auf dem Weg nach Litauen“, sagt Papenbroock. Im GÜZ Heer üben die Soldaten vor ihren Einsätzen in komplex angelegten Gefechtsszenarien. Erst nach dieser Ausbildung ist der Weg in den Einsatz frei. Wegen der Coronakrise sind im Vorfeld Ausbildungen sehr stark eingeschränkt gewesen. Eine ausgefallene Erkundung, etwa in Litauen, kompensiert Papenbroock mit Erfahrungen aus seiner letzten Rotation. Auch dieser Übungsdurchgang im GÜZ, seit dem 21. April, wurde um eine Woche nach hinten verschoben. „Der Weg, den das Gefechtsübungszentrum nun in der Coronakrise beschreitet, ermöglicht uns das Üben als Gefechtsverband“, so Kommandeur Papenbroock.

Ein Kampfpanzer Leopard zieht bei voller Fahrt auf einem sandigen Übungsplatz eine Staubfahne hinter sich her.

Die Besatzungen der Kampfpanzer bleiben auch beim Schlafen im Zelt und beim Essen unter sich, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Bundeswehr/Marco Dorow

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen rund um die Übungstruppe werden Ausbildung und Gesundheitsschutz bestmöglich in Einklang gebracht. Getreu dem Motto „So wenig wie möglich, aber so viel nötig“ wurde die Organisation der Ausbildung im GÜZ infolge verschärfter Hygienevorschriften geändert. Die wohl markanteste Änderung ist die Auflockerung der Soldaten. Das bedeutet: arbeiten und leben in kleineren Gruppen. Große Zelte, die für zehn Personen vorgesehen sind, werden nur mit der Hälfte der Soldaten sowie besatzungsweise belegt. „Der Qualität der Gefechtsausbildung tut das keinen Abbruch“, versichert Papenbroock. „Die Ausbildung ist wichtig, genauso wichtig wie der Gesundheitsschutz unserer Soldaten und auch natürlich deren Angehörigen.“

Im Kampf gegen das Coronavirus kann Schutz durch Maßnahmen der Hygiene erzielt werden — so ein Truppenarzt aus Gardelegen.

Sichern und Verzögern

Zwischen kleinen Bäumen steht ein Kampfpanzer. Die Soldaten beobachten das Gelände.

Wer den besten Blick auf das mögliche Kampfgebiet hat und den Gegner als Erster aufklärt, kann auch zuerst schießen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Ausbildung in der Letzlinger Heide läuft auf Hochtouren. Landes- und Bündnisverteidigung stehen für die Soldaten auf dem Ausbildungsplan. 22 Kampfpanzer, verstärkt durch acht Schützenpanzer Marder stellen im Kern den Gefechtsverband für diesen Übungsdurchgang. Für das Gefecht trainieren die Soldaten die einzelnen Phasen eines Gefechtes. Die Sicherung ist eine sehr frühe Phase. Es gilt: Sehen, aber nicht gesehen werden. „In der Sicherung beobachten wir auf möglichst große Entfernungen das Gelände.“ Es komme darauf an, die generischen Kräfte früh aufzuklären und, wenn es sein muss, zu bekämpfen, beschreibt Feldwebel Maik Schumann*. „Der gesamte Gefechtsverband übt die einzelnen Phasen des Gefechtes immer wieder. Die Übung gipfelt in einem Gefecht gegen einen realen Gegner“, sagt Schumann. Die für Litauen geplante Battlegroup muss sich gegen den Ausbildungsverband des GÜZ beweisen. Das Besondere: Alles geschieht unter dem strengen Auge der Ausbilder, die immer bei der Truppe sind.

Ein Lkw zieht einen Anhänger. Unter dem Anhänger werden Minen auf dem Gelände verlegt.

Mit dem Minenverleger sperren Pioniere ganze Geländeabschnitte. Der Gegner verliert dadurch Angriffsschwung.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Sicherungslinie der Kampfpanzer steht. „Jetzt beginnen die Pioniere die Vorbereitungen für die Verzögerung“, sagt der 27-jährige Kampfpanzerkommandant. Mit der Verzögerung solle ein möglicher Angriffsschwung des Gegners geschwächt oder auch in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Die Pioniere verlegen dazu mit dem Minenverlegesystem 85 Panzerabwehrminen. Gerade diese Fähigkeit, das Verlegen dieser Minen, spielt bei der Landes- und Bündnisverteidigung eine besondere Rolle. Damit werden ganze Geländeabschnitte für einen Gegner unpassierbar gemacht.

Die Ausbildung in der Letzlinger Heide läuft auf Hochtouren. Landes- und Bündnisverteidigung stehen für die Soldaten auf dem Ausbildungsplan

Nur der Angriff bringt den Erfolg

Frontalaufnahme: Ein Kampfpanzer steht in einer Stellung.

Entlang des Gefechtsstreifens können die Soldaten mit ihren Kampfpanzern aus vorbereiteten Feuerstellungen kämpfen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Sichern oder Verzögern beschreiben den Verlauf eines Gefechtes. „Im Angriff werden wir, das Bataillon, das Gefecht entscheiden“, ist Schumann zuversichtlich. Er blickt bereits auf zwei Jahre Erfahrung als Panzerkommandant zurück. Der Leopard 2 ist weltweit der modernste Kampfpanzer. Er ist das Waffensystem der Panzertruppe des Heeres. Geschwindigkeit und Feuerkraft sind seine Merkmale, bis zu fünf Kilometer beträgt seine Kampfentfernung.

In diesen Tagen wächst der Gefechtsverband rund um Kommandeur Papenbroock auf seiner letzten Bewährungsprobe im GÜZ weiter zusammen. Gemeinsam als Gefechtsverband und unter Einhaltung der vorgegebenen Verfahrensweisen zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus stellen sich die Soldaten für ihren Einsatz als EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup auf.

*Name geändert

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Zwei Soldaten stehen vor einem Zelt und sprechen miteinander.

Generalleutnant Alfons Mais und Oberstleutnant Peer Papenbroock inspizieren in der Coronakrise die Unterkünfte der Soldaten. Sie haben doppelten Platz. Die Zehn-Mann-Zelte werden maximal zur Hälfte belegt.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Kampfpanzer in voller Fahrt von vorn

Den Kampfpanzer Leopard zeichnen Geschwindigkeit und Feuerkraft aus.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Lkw zieht einen Minenanhänger hinter sich her. Zwei Soldaten überwachen das Auslegen der Minen.

Das Minenverlegesystem 85 wurde in der Bundeswehr wieder aktiviert. In der Landes- und Bündnisverteidigung spielt es eine wichtige Rolle.

Bundeswehr/Marco Dorow
Aufnahme über einen Panzerturm hinweg: Ein Schiedsrichterfahrzeug mit weißen Kreuzen steht am Rand eines Übungsgeländes.

Ausbilder und Schiedsrichter begleiten mit ihren Fahrzeugen die Übungstruppe auf Schritt und Tritt.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Panzer fährt mit voller Geschwindigkeit einen sandigen Übungsweg entlang. Hinter ihm entsteht eine große Staubwolke.

Mit 1.500 PS, bei einem Gewicht von 60 Tonnen, ist der Kampfpanzer Leopard der Schnellste auf dem Gefechtsfeld.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Pionierpanzer steht am Rand einer ausgehobenen Grube. Der ausgefahrene Baggerarm ist voll Erde.

Ein Pionierpanzer Dachs bereitet mit seinem Baggerarm die Stellungen für die Panzer vor.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Pionierpanzer schiebt mit seinem Schiebeschild Erdreich vor sich her.

Minenverlegen oder Erdarbeiten – Pioniere sind als Kampfunterstützer immer dicht bei der Kampftruppe.

Bundeswehr/Marco Dorow

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von René Hinz

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