Heer

Feuer aus allen Rohren

Feuer aus allen Rohren

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Baumholder
Lesedauer:
4 MIN

Mit dem 1. Juli 2020 ist die European Union Battlegroup (EUGB) in Bereitschaft. Bis zu 4.100 Männer und Frauen der Bundeswehr sind im kommenden Halbjahr Teil dieser schnellen Eingreiftruppe, den Kern stellen die Fallschirmjäger des Fallschirmjägerregiments 26 aus Zweibrücken. Wenige Tage vor Beginn ihrer Bereitschaftsphase üben sie ein letztes Mal in Baumholder.

Vier Soldaten schießen bei Nacht auf einem Feld mit einem Mörser. Es entsteht ein Feuerball.

Als Teil der European Union Battlegroup müssen die Fallschirmjäger aus Zweibrücken ihre Mörser bei Tag und Nacht bedienen können.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Aus der Entfernung sind Detonationen zu hören, der Boden vibriert spürbar. Auf einem Hang steigen plötzlich Rauchwolken auf. Nacheinander schlagen die Mörserpatronen der Fallschirmjäger ein. Auf einer Wiese in drei Kilometer Entfernung haben sie vor wenigen Minuten ihre Waffen in Stellung gebracht. Gemeinsam mit den Waffenträgern Wiesel gehören die Mörser 120 mmMillimeter, eine Vorderlader-Steilfeuerwaffe, zu den schweren Waffen der EUBGEuropean Union Battlegroup. Mit ihnen gelingt es dem Kommandeur, seine Kräfte zu bündeln oder sie gegebenenfalls schnell zu verlagern. Doch das Zusammenspiel dieser Waffen muss geübt sein. Denn der Faktor Zeit macht die EUBGEuropean Union Battlegroup erst zu dem, was sie ist: eine schnelle Eingreiftruppe, die binnen kürzester Zeit ihre Waffensysteme zur Wirkung bringen kann. 

Fallschirmjäger besonders flexibel

Drei Soldaten stehen auf dem Feld und justieren einen Mörser.

Die Fallschirmjäger sind äußerst flexibel. Nach der Landung mit dem Fallschirm nehmen sie mit ihrem Hauptwaffensystem den Kampf auf.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Für diesen Auftrag zeichnen sich Fallschirmjäger als luftbewegliche Infanterie durch ein hohes Maß an Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Anpassungsfähigkeit aus, entsprechend dem Motto der Division Schnelle Kräfte: „Einsatzbereit. Jederzeit. Weltweit“. Sämtliche Waffen und Fahrzeuge werden als Fracht angelandet. Das Personal selbst gelangt per Fallschirm an den Einsatzort. Haben sie ihre Ausrüstung aufgenommen, können sie direkt nach der Landung den infanteristischen Kampf aufnehmen, bei Tag und bei Nacht. 

Zielsicherheit muss geübt sein

Grüne Mörserpatronen liegen nebeneinander im Gras, Soldaten stehen daneben.

Auf dem Übungsplatz in Baumholder üben die Soldaten den scharfen Schuss mit 120 mmMillimeter-Mörserpatronen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Hier in Baumholder aber fokussieren sich die Fallschirmjäger mit ihrem Training nicht auf die Landung, sondern speziell auf die Waffenwirkung, die rasche Feuerbereitschaft und die Ausbildung der Mörserschützen. Die Mörser 120 mmMillimeter sind eine schlagkräftige Waffe im infanteristischen Kampf. Als Flächenwaffe bieten die steil in die Luft ragenden Rohre mit ihren fast 14 Kilogramm schweren Patronen Unterstützungsfeuer von oben. Sie halten den Gegner in der Deckung oder zerschlagen ihn, bevor es ihm gelingt, eigene Truppe zu bekämpfen. Doch die Bediener der Mörser müssen schnell sein, um nicht selbst zum Ziel zu werden. Regelmäßig müssen sie daher ihre Feuerstellung verlassen. Am Ende zählt für die Soldaten, zielsicher zu sein, auch unter Zeitdruck und viel Bewegung. 

Präzise Arbeit vor dem Schuss

Zwei Soldaten stellen einen Mörser für den scharfen Schuss ein.

Damit die Soldaten sicher ihr Ziel bekämpfen können, muss jeder von ihnen sorgfältig arbeiten, auch unter Zeitdruck.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Rasch beziehen die Infanteristen mit ihren „Wölfen“, dem leichten Geländewagen der Truppe, ihre Feuerstellung. Zunächst setzen die Fallschirmjäger ihren Mörser aus den insgesamt gut 170 Kilogramm schweren Einzelteilen wie ein Puzzle aus Stahl zusammen. Die massive Bodenplatte wird in den Erdboden gerammt. Dann werden alle Mörser, meistens drei bis vier an der Zahl, optisch per Richtkreis und Kompass in eine einheitliche Grundrichtung gebracht.

Wenige Tage vor Beginn ihrer Bereitschaftsphase der EUEuropäische Union-Battlegroup übt der Mörserzug des Fallschirmjägerregiments 26 ein letztes Mal in Baumholder.

Mit dem Grundmörser in der Mitte schießen sich die Beobachter regelrecht auf das Ziel ein. Sie haben Sichtkontakt zum Ziel und sind vorne nah am Gegner eingesetzt. Dazu erhält der Mörsertruppführer die Einstelldaten per Funk und gibt diese an den Richtschützen und den Ladeschützen weiter. Ist der Mörser feuerbereit, reicht der Munitionsschütze die Mörserpatrone weiter. 

Die Erde bebt

Zwei Soldaten schießen mit einem Mörser und gehen in Deckung.

Bei jedem Schuss wackelt sogar das Fahrzeug neben den Soldaten. Die Druckwelle geht durch den Körper.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Auf Befehl wird die Patrone angesetzt, sprich von oben fast komplett in das Rohr eingeführt und gehalten. Bei dem Ruf „Feuer!“ lässt der Ladeschütze die Patrone von oben fallen. Die Detonation ist so stark, dass die 64 Kilogramm schwere Bodenplatte in den Boden geschossen wird. Dreck und Staub fliegen durch die Luft. Der Mörser muss dabei durch das Personal stabilisiert werden. Besondere Herausforderung: Bei Nässe kann der Mörser durch die Explosion regelrecht in den Boden wandern. Der Trupp muss den Mörser auch unter schlechten Witterungsbedingungen funktionsfähig halten.

Darauf müssen die Soldaten achten

Soldaten schießen mit mehreren Mörsern auf einem Feld.

Damit kein Schütze gefährdet wird, müssen alle die Sicherheitsbestimmungen beachten und besonderen Gehörschutz tragen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Die Detonation des Sprengstoffs geht durch den ganzen Körper, die Soldaten brauchen eine entsprechende Schutzausstattung. So trägt das Personal doppelten Gehörschutz. Die Soldaten benötigen jedoch künftig noch den dazu passenden Gefechtshelm, um beides in der Kombination tragen zu können. Um sich selbst nicht zu gefährden, müssen alle Soldaten den genauen Ablauf beachten. Denn jeder kleinste Fehler kann fatale Folgen haben. Nach dem Loslassen der Patrone gehen sie nach unten und schützen sich, bis die Patrone mit enormer Kraft das Rohr verlassen hat.

Näher als eine Panzerhaubitze

Aus drei Feuerstellungen auf einem Feld schießen Soldaten mit ihren Mörsern.

Die enorme Feuerkraft des Mörsers nützt den Soldaten auch auf vergleichsweise geringer Entfernung - eine einzigartige Fähigkeit.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Durch den Sprengstoff wird die Patrone bis zu 3.400 Meter hoch in den Himmel geschossen. Ein durchschnittlicher Flug dauert circa 35 bis 45 Sekunden. Der Mörser verschiebt sich durch die Detonation. Dadurch muss die Waffe ständig nachjustiert werden, um die eigenen Soldaten nicht zu gefährden. Vorteil: Durch das indirekte Feuer können Ziele auf einer minimalen Entfernung von 500 Metern bekämpft werden. So nah schafft das nicht einmal eine Panzerhaubitze. Für die Fallschirmjäger und die gesamten Krisenreaktionskräfte der EUEuropäische Union ist dies eine entscheidende Fähigkeit.

von Peter Müller

Aufbau eines Mörser

Ein Hubschrauber startet auf einem freien Feld. Genau unter ihm hocken mehrere Soldaten am Boden.

European Union Battlegroup

Deutschland stellt ab Juli für sechs Monate die Führung und den Kern der Eingreiftruppe der Europäischen Union.