Luftwaffe
Hochtechnologie am Himmel

Der Tornado: 50 Jahre Spitzenleistung in den Diensten der Luftwaffe

Der Tornado: 50 Jahre Spitzenleistung in den Diensten der Luftwaffe

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

Der Tornado ist einer der vielseitigsten und effektivsten Kampfjets der Welt. Entwickelt von einem Konsortium bestehend aus Großbritannien, Deutschland und Italien hat er in der Luftwaffe Geschichte geschrieben. Anlässlich seines 50. Geburtstags wurde nun eine Maschine sonderlackiert.

Ein Tornadojet steht aufgebockt in einer Halle. Das Cockpit ist abgeklebt.

Der Kampfjet wurde für die Lackierung besonders vorbereitet. Antennen und das Cockpit mussten abgeklebt werden. Ein Prüfer kontrollierte regelmäßig den Stand der Arbeiten.

Bundeswehr/Thomas Skiba

Diese Lackierung, die auf einem ausgewählten Flugzeug der Tornado-Flotte zu sehen ist, vereint Elemente der Vergangenheit mit einem Blick in die Gegenwart. Dabei werden die Flaggen der drei ursprünglichen Betreiberländer – Großbritannien, Deutschland und Italien – mit dem charakteristischen Tornado-Logo kombiniert. Die Elemente sind in einem dynamischen Design angeordnet, das die Agilität und Stärke des Tornados symbolisiert. Die Maschine wird auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung) in Berlin zu sehen sein.

50 Jahre Tornado: Innovation und Zuverlässigkeit

Seit seinem Jungfernflug im Jahr 1974 hat der Tornado zahlreiche Herausforderungen gemeistert und Operationen weltweit unterstützt. Ursprünglich konzipiert als taktischer Bomber, hat er sich im Laufe der Jahre zu einem wahren Multifunktionskampfflugzeug entwickelt, das eine Vielzahl von Rollen ausfüllen kann – darunter der Luft-Boden-Angriff im extremen Tiefflug, die Aufklärung und die Elektronische Kampfführung.

Der Tornado galt in den 1980er-Jahren als einer der technologisch am höchsten entwickelten Jets. Er wurde fortlaufend modernisiert und an neue taktische wie technische Entwicklungen angepasst, etwa durch den Einbau einer Luftbetankungsanlage. Ein Novum von Beginn an: das Geländefolgeradar (Terrain Following Radar, TFR). Es ermöglicht einen dem Geländeprofil angepassten extremen Tiefflug in bis zu 60 Meter Höhe – und das unter Allwetterbedingungen. Der elektronisch gesteuerte Autopilot übernimmt dabei die Steuerung. Im reinen Sichtflug und bei manueller Steuerung kann die Flughöhe bis auf 30 Meter weiter verringert werden.

Ein alter Mann im gelben Hemd blickt in die Kamera.
Nils Meister, Testpilot Bundeswehr/Thomas Skiba
„Eine feine Maschine, die keine Macken aufwies.“

Eine Maschine, mehrere Namen

Seine Fähigkeit, sowohl in geringer als auch in großer Höhe zu operieren, gepaart mit seiner Vielseitigkeit bei der Bewaffnung und seiner außergewöhnlichen Manövrierfähigkeit, hat den Tornado zu einem Eckpfeiler der Luftstreitkräfte seiner Betreiberländer gemacht. Von der Unterstützung bei humanitären Einsätzen bis hin zur Durchführung präziser Luftangriffe in Konfliktsituationen hat er seine Effektivität unter Beweis gestellt.

Das Flugzeug hieß zuerst NKF (Neues Kampfflugzeug), dann MRCAMulti-Role Combat Aircraft (Multi Role Combat Aircraft, Mehrzweckkampfflugzeug), dann Panavia und schließlich Tornado. Mit jeder Entwicklungsstufe kam ein neuer Name. Wieso der Jet schließlich nach einem Wirbelsturm benannt wurde, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, doch kann davon ausgegangen werden, dass sich die Namensgebung an der Zusatzbezeichnung britischer Kampfflugzeuge orientierte. So taufte die Royal Air Force ihre Bomber und Erdkampfflugzeuge regelmäßig nach zerstörerischen Wetterphänomenen. Die anderen Luftwaffen übernahmen für ihre MRCAMulti-Role Combat Aircraft den Zusatz.

Tribut an die Vergangenheit und die Zukunft

Auf der aktuellen Sonderlackierung finden sich auch Symbole und Embleme von Luftwaffenverbänden und Einheiten, die den Tornado im Laufe der Jahre betrieben oder noch heute betreiben. Dies ist eine Hommage an die Männer und Frauen, die den Tornado im Dienst geflogen und zu seiner Erfolgsgeschichte beigetragen haben. Unter anderem verewigten sich die beiden Testpiloten der ersten Stunde, der Brite Paul Millet und der Deutsche Nils Meister, mit ihrer Unterschrift. „Das MRCAMulti-Role Combat Aircraft – Tornado hieß der Jet erst später – ließ sich genauso fliegen, wie wir es auf dem Simulator trainiert hatten. Eine feine Maschine, die keine Macken aufwies“, erinnert sich der mittlerweile 93-jährige ehemalige Testpilot Meister.

Auf einem Plakat ist ein Tornado in der Sonderlackierung von links, rechts, unten und oben zu sehen.

Die Lackierung vereint Elemente der Vergangenheit mit einem Blick auf die Gegenwart. Designt wurde das Farbbild von Thomas Marschik.

Bundeswehr/Thomas Skiba
Neun Frauen und Männer stehen und knien vor einem Tornadojet.

Das Team um Grafikdesigner Thomas Marschik (l.) und Stabsfeldwebel Christian W. (r. h.) setzte die Idee der Sonderlackierung innerhalb von zwei Wochen um. Gearbeitet wurde im Zwei-Schicht-Modus.

Bundeswehr/Thomas Skiba

Designer und Lackierer als unschlagbares Duo

Die Sonderlackierung dient nicht nur als visuelle Feier des Erststarts vor einem halben Jahrhundert. Sie erinnert auch an die Bedeutung des Tornados in der Geschichte der Luftfahrt. Verantwortlich für das Design zeichnet sich der Grafikdesigner Thomas Marschik. Praktisch umgesetzt wurde die Lackierung durch das Team von Stabsfeldwebel Christian W. „Wir wollten bewusst weg von der klassischen P1-Darstellung, so wird die Lackierung der Prototypen beim Erstflug genannt, die in Rot-Weiß gehalten war“, sagt Marschik. 

Zielsetzung sei viel mehr gewesen, die Entwicklungs- und Einsatzzeit des Jets als Motivabfolge abzubilden, so der Designer weiter. Vom Erstflug über den Kalten Krieg mit seinen unterschiedlichen Tarnmustern schlagen Marschik und das Team um Stabsfeldwebel W. den Bogen in die Gegenwart des aktuellen Corperate Designs.

Noch immer im Einsatz

In den Hochzeiten des Kalten Kriegs flogen in den Geschwadern der Luftwaffe und der Marine circa 350 Tornados. Ausgelegt war die Zelle für 8.000 Flugstunden, was für eine robuste Auslegung spricht. Derzeit kommt die Tornadoflotte auf durchschnittlich 6.500 Flugstunden. Damals war der Jet Spitzentechnologie, doch nach stolzen 50 Jahren ist auch die in die Jahre gekommen. Aktuell stehen noch 80 Jets im Dienst der Luftwaffe. Sie sollen bis 2030 außer Dienst gestellt werden. Die vielseitigen Aufgaben des Tornados übernehmen künftig gleich zwei Maschinen: der Eurofighter und die brandneue F-35.

von Thomas Skiba