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Amtshilfe in Neuburg: Abstriche statt Besuchergruppen

Amtshilfe in Neuburg: Abstriche statt Besuchergruppen

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Datum:
Ort:
Neuburg an der Donau
Lesedauer:
3 MIN

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Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau sorgt mit seinen Eurofightern nach wie vor für die Sicherheit im deutschen Luftraum. Auch die Übungsflüge finden statt. Gleichzeitig unterstützt das Geschwader seit dem 18. März das Gesundheitsamt Neuburg bei den COVID-19Coronavirus Disease 2019-Tests. Denn die sonst so häufigen Besucherführungen fallen derzeit aus.

Niclas Kottner in Schutzkleidung nimmt den Abstrich einer jungen Frau.

Amtshilfe ganz praktisch: Oberfähnrich Niclas Kottner vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 macht Abstriche für COVID-19Coronavirus Disease 2019-Tests

Bundeswehr/Lena Djokic


Acht Soldaten haben sich sofort freiwillig gemeldet, um zu helfen. Einer von ihnen ist Oberfähnrich Niclas Kottner. Normalerweise würde der 21-Jährige jetzt Besuchergruppen durch die Wilhelm-Frankl-Kaserne und über den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Flugplatz führen und ihnen Arbeit und Aufgaben des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 erklären. Stattdessen fährt er – im Wechsel mit Kameraden – morgens von der Kaserne nach Neuburg, wo das Gesundheitsamt eine Teststation eingerichtet hat.

„Der Amtsarzt hat uns am ersten Tag sehr sorgfältig eingeführt und uns gezeigt, wie die Abstriche gemacht werden müssen. Es ist nicht schwierig, aber man muss sich konzentrieren“, berichtet Kottner. Trotzdem sei es anfangs ein sehr ungewohntes Gefühl gewesen, jemandem ein Stäbchen in Rachen und Nase zu schieben.

Anfangs haben zwei Soldaten sich vormittags und nachmittags abgewechselt, jetzt übernimmt einer immer 14 Tage lang den kompletten Dienst und ist danach zwei Wochen im Homeoffice, während ein anderer übernimmt. 

Zwei Paar Handschuhe, Kittel, Maske und Visier

Falk Rosenkranz bindet den Kittel von Niclas Kottner hinten zu.

Hilfe beim korrekten Ankleiden: Stabsfeldwebel Rosenkranz hilft Niclas Kottner in den Kittel

Bundeswehr/Lena Djokic
Kittel, Handschuhe und Maske hat Niclas Kottner schon an, jetzt setzt er das Visier auf.

Zum Schluss das Visier: Jetzt ist Oberfähnrich Kottner bereit für die ersten Abstriche

Bundeswehr/Lena Djokic

„Wesentlich für uns ist es, die Schutzkleidung sorgfältig anzuziehen“, sagt der Oberfähnrich, der selbst aus dem bayerischen Neuburg stammt. „Dabei unterstützt mich morgens immer Stabsfeldwebel Falk Rosenkranz, der mich auch von der Kaserne in die Stadt fährt. Pro Schicht habe ich einen Kittel, dazu trage ich zwei paar Handschuhe übereinander. Das untere Paar behalte ich die ganze Zeit an, das obere wechsle ich nach jedem Abstrich. Dazu kommen eine FFPfiltering face piece-Schutzmaske und ein Visier.“

Das Gesundheitsamt bestellt diejenigen, die auf das Virus getestet werden sollen, zu festen Terminen. Sie kommen an die im Schreiben angegebene Meldestelle, wo Mitarbeiter des Gesundheitsamts ihre Namen prüfen. Kottner: „Die Abstriche machen wir in einem gesonderten Zimmer. Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt füllt die dazugehörigen Fragebögen mit allen wichtigen Daten aus. Sie fragt auch nach Krankheitssymptomen, ob und wann derjenige verreist war, mit wem er oder sie Kontakt hatte und vieles mehr.“ 

Drei Tests in zehn Minuten

Die Abstriche werden mit einem Tupfer im Rachen und in jedem Nasenloch gemacht, dann in das dazugehörige Röhrchen gesteckt und zum Labor geschickt. „Das Gesundheitsamt informiert die Patienten telefonisch über ihr Ergebnis, wir erfahren es nur indirekt, wenn beispielsweise weitere Kontaktpersonen zu uns zum Test kommen“, sagt Niclas Kottner. Die Arbeit geht inzwischen leicht von der Hand. „Anfangs haben wir etwa alle zehn Minuten eine Person getestet, jetzt haben wir alle viel Übung und können drei Personen in dieser Zeit testen.“

Am Ende jedes Arbeitstags desinfizieren Oberfähnrich Kottner und Stabsfeldwebel Rosenkranz den gesamten Arbeitsplatz und alles, was die Testpersonen angefasst haben könnten, wie Türen und Absperrbänder, damit das Virus keine Chance hat.

Keine Angst vor Ansteckung

Angst, sich selbst mit COVID-19Coronavirus Disease 2019 anzustecken, hat Niclas Kottner nicht – zumindest nicht bei seinem Amtshilfe-Einsatz. „Da müsste ich schon einen groben Fehler machen. Die Wahrscheinlichkeit, sich draußen anzustecken, wenn die Leute den Abstand nicht wahren, ist vermutlich größer“, lächelt er.

Nach seinen 14 Tagen Dienst ist Kottner nun wieder im Homeoffice bei seiner Familie in Landshut. Bislang endet die Amtshilfe für Neuburg am 30. April. Wie es für den Oberfähnrich weitergeht – mit Abstrichen oder in absehbarer Zeit doch wieder mit kleineren Besuchergruppen – hängt wie so vieles in diesem Frühjahr von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

von Stefanie Pfingsten