Luftwaffe

Der Künstler unter den „Nachschiebern“

Der Künstler unter den „Nachschiebern“

  • Chancengerechtigkeit
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
3 MIN

Stabsunteroffizier Fabian Mendrok wurde beim 15. Kunstwettbewerb der Bundeswehr zum Thema „Diversität“ mit dem 2. Platz ausgezeichnet. Schon seit seiner Schulzeit zeichnet er Comics.

Das Kunstwerk: „Diversität“ von Fabian Mendrok

Das Werk: „Diversität“ von Fabian Mendrok

Bundeswehr/Fabian Mendrok


So kann Diversität in der Bundeswehr auf einen Blick aussehen. Dieses Bild, inspiriert von Leonardo da Vincis „Abendmahl“, stammt von Stabsunteroffizier Fabian Mendrok, der dafür jetzt beim 15. Kunstwettbewerb der Bundeswehr ausgezeichnet wurde. „Bereits in der Bibel verkörpert das Abendmahl unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Merkmalen an einem Tisch“, erklärt Mendrok. „Dieser großzügige Tisch soll die Bundeswehr als ganzheitlichen Komplex darstellen. An ihm finden alle Beteiligten ihren ganz individuellen Platz, ungeachtet dessen, woher sie kommen, wie die persönliche, geschlechtliche Gesinnung oder die sexuellen Vorlieben sind.“

Außerdem seien auch körperliche oder geistige Beeinträchtigungen ein nicht unwesentlicher Bestandteil der militärischen Gemeinschaft, ergänzt der Stabsunteroffizier vom Lufttransportgeschwader 62, wo seine Zeichnungen schon länger bekannt sind. Doch wie kam Fabian Mendrok zum Zeichnen und wie entstand die Idee zum Bild?

Über Wunstorf und El Paso zum digitalen Zeichnen

Es ist 2010. Im Häuschen der Tankstelle des Fliegerhorstes Wunstorf macht ein Soldat seine Mittagspause. Doch anstelle Zeitung zu lesen oder mit dem Handy zu spielen, zeichnet er Comics. Fabian Mendrok macht das seit Schulzeiten, einfach so für sich. Doch an diesem Tag fallen seine Zeichnungen dem Informationsfeldwebel des Lufttransportgeschwaders 62 auf. Der ist so begeistert, dass er den jungen Soldaten bittet, einen Comic exklusiv für die nächste Ausgabe der Geschwaderzeitung zu zeichnen. Elf Jahre später zahlt sich dieser Zufall aus: Fabian Mendrok wurde am 15. April 2021 mit dem 2. Preis beim Kunstwettbewerb der Bundeswehr ausgezeichnet.

Ein Soldat sitzt an einem PC

Der Arbeitsplatz von Fabian Mendrok: Er ist einer der Nachschubsoldaten der Technischen Gruppe des LTGLufttransportgeschwader 62

Bundeswehr/Dennis Wrobel


Bei diesem Kunstwettbewerb ging er mit digitalen Zeichnungen an den Start. Und zu diesen kam er wiederum durch seine Integrierte Verwendung in Texas. Für vier Jahre war er auf dem Luftwaffenstützpunkt im Nachschub tätig und kam dort ganz anders als gewohnt, mit dem digitalen Zeichnen auf dem Laptop in Berührung. Die am Computer gezeichneten Comics fanden seit 2018 ihre festen Plätze in den Fluren des Geschwaders.

Der Generalinspekteur steht vor Bilderrahmen an einem Flur und fotografiert diese mit seinem Handy ab

Auch Generalinspekteur Eberhard Zorn war bei seinem Besuch in 2019 von den ausgestellten Werken begeistert und fotografierte sie als Andenken

Bundeswehr/ Doris Lammers

Das „Abendmahl“ als Inspiration

„Es freut mich natürlich sehr, dass meinen Kameradinnen und Kameraden meine Bilder gefallen“, so Mendrok. Ohne die hätte er auch gar nichts von dem Wettbewerb gewusst, bei dem er nun ausgezeichnet wurde. Ein Kamerad brachte ihm den Flyer mit. Das: „Du musst da mitmachen!“, gab es direkt dazu.

Ein Soldat wird beim Zeichnen auf einem Tablet über die Schulter gesehen

Wenn es auch digitales Zeichnen ist, so ist es doch 100 Prozent Handarbeit. Nur das Papier wird durch ein Tablet ersetzt. Jeder Strich erfolgt manuell.

Bundeswehr/Fabian Mendrok


Es folgten ein bisschen Zuspruch und Motivation von außen, dann war der Entschluss gefasst. Mendrok meldete sich bei dem Wettbewerb an, die zündende Idee fehlte ihm aber noch. „Ein Kamerad fragte irgendwann, was ich vom Motiv des Abendmahls halten würde. Und dann habe ich einfach losgemalt.“ Ein paar Wochen später war das Bild fertig.

Ein weiteres Bild zeigt verschiedene A400M als Comic

Ein weiteres Werk von Fabian Mendrok: „A400M Fortschritt“; die Fähigkeiten des A400M in einem Bild

Bundeswehr/Fabian Mendrok

Zur geplanten Preisverleihung im Auslandseinsatz

Für Fabian Mendrok war bereits die Nominierung eine Ehre. „Als ich erfahren habe, dass es meine Zeichnung unter die Top fünf geschafft hat, war ich wirklich stolz. Es wurden immerhin 89 Werke eingesendet.“

Die Preisverleihung war für November 2020 geplant. Die ersten fünf Platzierten waren hierzu in den Deutschen Bundestag nach Berlin eingeladen. Fabian Mendrok selbst hätte nicht teilnehmen können, da er sich zu dem Zeitpunkt im Auslandseinsatz in Afrika befand. Die Corona-Pandemie sorgte aber für eine Verlegung des Termins und so konnte sich Mendrok per digitaler Preisverleihung in diesem Jahr über den zweiten Platz freuen.

Video mit Grußbotschaft zur ersten geplanten Preisverleihung während des Auslandseinsatzes von Fabian Mendrok

Der Kunstwettbewerb der Bundeswehr

Der Kunstwettbewerb der Bundeswehr wird seit 1997 entweder von der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KASKonrad Adenauer Stiftung) oder der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EASEvangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V.) ausgerichtet. Er findet alle zwei Jahre statt. Ziel des Wettbewerbs ist es, die künstlerische Betätigung innerhalb der Streitkräfte zu fördern und gleichzeitig eine intensive Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen des Alltags von Soldatinnen und Soldaten anzustoßen.

Diversität in der Bundeswehr

Die 15. Ausgabe des Kunstwettbewerbs der Bundeswehr legte mit dem Thema „Diversität“ den Fokus auf die Vielfalt innerhalb der Streitkräfte. In der Ausschreibung zum Wettbewerb wurden alle Interessierten aufgerufen, einen Beitrag beizusteuern. Dieser sollte „Vielfalt nicht ausschließlich im Sinne des Dienstgrads, des Geschlechts oder der Truppengattung, sondern insbesondere in Bezug auf Chancengerechtigkeit, Vereinbarkeit von Dienst und Familie, Inklusion und Interkultur“ verdeutlichen.

Fabian Mendrok: „Der Begriff Diversität bedeutet Vielseitigkeit! Die Bundeswehr ist sich dieser vielen unterschiedlichen Seiten bewusst und bietet dennoch jedem Einzelnen eine Chance. Das zeichnet sie als Arbeitgeber aus und stellt die Attraktivität klar in den Fokus.

von Martin  Buschhorn