Luftwaffe

Der Mann am entscheidenden Knopf

Der Mann am entscheidenden Knopf

  • Resilient Guard
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Büchel
Lesedauer:
2 MIN

Kaum schließt sich die gegen Schall und elektromagnetische Strahlung isolierte Tür der Kabine, wird das monotone Brummen der lauten Generatoren erträglicher. Hauptfeldwebel Christian Ahme hat sich längst daran gewöhnt. Genauso wie an seinen beengten Arbeitsplatz mit dem nur mäßig gepolsterten Stuhl vorne links. Die winzige Kabine teilt er sich mit dem Feuerleitoffizier und dem „Monitor“, dem dritten Mann der Crew.

Eng, abgedunkelt und immer von einem Brummen begleitet - der Arbeitsplatz des Feuerleitfeldwebels ist nur etwas für Profis.

Der Feuerleitfeldwebel Christian Ahme und der Feuerleitoffizier Deniz Wintermeyer an ihren Arbeitsplätzen im Patriot-Feuerleitstand

Bundeswehr/Volker Muth

Alles auf Englisch


Dutzende Schalter gruppieren sich um das wichtigste Instrument im ganzen Feuerleitstand: der grünliche Monitor, auf dem vom Urlaubsjet aus Gran Canaria bis zur russischen SS 20 Rakete alles zu sehen ist. Ein Taster ist dabei speziell gesichert: „Engage“ steht darauf. Wenn der Feuerleitfeldwebel diesen auf Befehl seines Feuerleitoffiziers drückt, schießt wenige Sekunden später eine Flugabwehrrakete aus dem einige hundert Meter entfernten Startgerät.


Mit rund 90 Soldatinnen und Soldaten hat die 2. Staffel der Flugabwehrraketengruppe (FlaRakGrp) 24 aus Bad Sülze, Mecklenburg-Vorpommern auf dem Standortübungsplatz der Eifelkaserne Gerolstein Stellung bezogen. Ihr Auftrag bei der Übung Resilient Guard 2020: Sicherung des Fliegerhorstes Büchel, auf dem das Taktische Luftwaffengeschwader 33 mit dem Tornado-Kampfjet stationiert ist.

Abgesetzt vom Feuerleitstand steht das Startgerät mit den vier Kanistern, in denen im Ernstfall die Flugabwehrraketen lagern.

Möglichst gut getarnt steht das Startgerät (Launcher), dem ein Feuerleitstand und ein Radar zugeordnet ist

Bundeswehr/Volker Muth

Diesmal ohne scharfe Raketen


„Während der Übung drängen sich oft noch Bewerter und Verbindungsleute herein ¬– ab acht Mann kann man sich nicht mehr bewegen“, lacht Christian Ahme. Der Feuerleitfeldwebel ist längst ein Profi im Patriot-Geschäft. Schon 2015 war er bei dem scharfen FlaRak-Einsatz an der türkischen Grenze zu Syrien dabei. Damals waren, wie auch beim scharfen Schuss, den die FlaRak’er regelmäßig auf Kreta üben, die Kanister der Startgeräte (Launcher) mit Lenkflugkörpern bestückt. ¬Hier in der friedlichen Eifel haben Ahme und seine Staffelkameraden, darunter auch fünf Kameradinnen, nur gleich schwere Attrappen dabei. Trotzdem ist der Feuerleitfeldwebel hochmotiviert.


Weil Patriot ein USUnited States-amerikanisches System ist, erfolgt derzeit noch die Ausbildung in El Paso, Texas – natürlich durch amerikanische Lehrer auf Englisch. „Weil noch ein halbes Jahr Taktik-Ausbildung dazu kam, durfte ich eineinhalb Jahre in den USAUnited States of America leben“, erzählt Ahme voller Zufriedenheit. 

Absicherung der Sperrzone mit einer dreifachen S-Draht-Sperre.

Der Bereich um Command-Post, Feuerleitstand, Radar und Generatoren ist Sperrzone und muss gut gesichert werden

Bundeswehr/Volker Muth


Dienstunterbrechung, nicht Dienstschluss im Feriendorf


Nach zwölf Stunden ist seine Schicht zu Ende und Hauptfeldwebel Ahme verlässt blinzelnd seine abgedunkelte Kabine. Vorbei am Waffenkammer-Container und dem Trossbereich, wo sich die Soldaten den Linseneintopf ihrer Einmann-Tages-Kampfration erwärmen lassen, geht er zum Bus. Der bringt ihn in das, als Truppenunterkunft angemietete Feriendorf – welch Ironie. Denn mit Rücksicht auf die Corona-Schutzmaßnahmen sollen die Soldaten nicht in engen Turnhallen hausen. Auf der Rückfahrt stellt er fest, dass er mit der Bundeswehr nicht nur nach Amerika, Türkei und Kreta kommt, sondern auch mal in die bis dato unbekannte, hüglige Eifel. Auch schön.

von Max-Joseph Kronenbitter
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