Luftwaffe

Der geplante Himmel: Jubiläum der zivil-militärischen Luftraum-Koordinierung

Der geplante Himmel: Jubiläum der zivil-militärischen Luftraum-Koordinierung

  • Zivil-Militärische Zusammenarbeit
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Deutschland
Lesedauer:
2 MIN

Man kann ihn nicht sehen und nicht anfassen. Er ist ein rares Gut und über Deutschland zudem komplex und überfüllt. Sowohl der zivile als auch der militärische Flugverkehr haben berechtigte Ansprüche an ihn und wollen ein Stück vom Kuchen abbekommen. Die Rede ist vom Luftraum über Deutschland, dessen tägliche Nutzung militärische und zivile Airspace-Manager und -Managerinnen vom Zentrum Luftoperationen und der Deutschen Flugsicherung (DFS) GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung seit nunmehr 25 Jahren gemeinsam koordinieren.

Ein Soldat und eine Frau in Zivil sitzen am Schreibtisch und schauen auf Bildschirme

Zivile und militärische Airspace-Manager koordinieren die Zuteilung der Übungslufträume. Häufig müssen die Mitarbeiter ein hohes Maß an Kreativität aufweisen, um allen Betroffenen gerecht zu werden

DFS


Mitte der 1990er-Jahre einigten sich die EU-Verkehrsminister auf eine gemeinsame Koordinierung der Luftraumnutzung für militärische und zivile Zwecke. Mit der durch die Bundeswehr und DFS betriebenen Airspace Management Cell (AMC) war Deutschland als Vorreiter ganz vorne mit dabei. Heute ist die in der Unternehmenszentrale der DFS betriebene AMC zwar eine der kleinsten, gehört jedoch von ihren Leistungskennziffern zu den besten weltweit.

Dies liegt zum einen an der deutschen Philosophie, den Luftraum als ein Kontinuum, als Ganzes zu betrachten und nicht in einen zivilen und einen militärischen Luftraum zu unterteilen, zum anderen besticht es durch die Kreativität der zivilen und militärischen Airspace-Manager.

Freie Streckenwahl der Airlines senkt Treibstoffkosten

So einfach wie noch vor zehn Jahren, als während der militärischen Nutzung von Lufträumen die Luftstraßen durch diesen Bereich für die zivile Luftfahrt einfach temporär geschlossen wurden, ist es heute nicht mehr. Zum Beispiel wurde im Himmel über Deutschland das Netz aus Luftstraßen in weiten Teilen abgeschafft, insbesondere, um den Airlines eine freie Streckenwahl zu ermöglichen. Die kürzeren Wegstrecken sparen den Airlines Treibstoffkosten und der Umwelt CO₂-Ausstoß.

Die Grundlagen für die effiziente Luftraumbewirtschaftung bilden der Bedarf der fliegenden Verbände der Bundeswehr sowie die Anfragen zu Lufträumen der Aircraft Operators oder der Flugsicherungskontrollzentralen, sofern diese vom Standardbedarf abweichen. Beide Luftraumnutzer melden ihren Bedarf spätestens am Vortag an die AMC. Ist ein militärischer Übungsluftraum nicht oder nur teilweise für den nächsten Tag geplant, wird er der allgemeinen Luftfahrt zur Verfügung gestellt.

Landkarte mit Ansicht zur Nutzung des Luftraumes über Deutschland und der angrenzenden Länder.

Die aktuelle und geplante Luftraumnutzung ist unter „WebAUP“ auf der Webseite der DFS für jeden einsehbar

DFS

Tägliche Balance zwischen militärischer und ziviler Luftraumnutzung

In der AMC werden die zivilen und militärischen Belange von den Airspace-Managern sowohl innerhalb Deutschlands als auch mit den grenznahen europäischen Nachbarn koordiniert. Der daraus resultierende tägliche Airspace Use Plan (AUPAfghanische Uniformierte Polizei ) wird bis spätestens 16 Uhr des Vortags an Eurocontrol in Brüssel geschickt und dort zusammen mit den AUPs der anderen europäischen AMCs veröffentlicht.

Am Flugtag selbst wird es dann noch einmal spannend. Der militärische Flugbetrieb ist unter anderem stark vom Wetter abhängig. So müssen die Airspace-Manager häufig ein alternatives „Luftraum-Kaninchen aus dem Hut zaubern“. Aber auch die Airlines sorgen dafür, dass es in der AMC nie langweilig wird. Warten diese zum Beispiel noch auf einen Fluggast mit „Senator-Status“, muss die Planung eventuell erneut angepasst werden. Eine gute AMC hat für jede Situation noch „ein Ass im Ärmel“, um sowohl „Oma Erna“ pünktlich in den Urlaub zu bringen als auch die Anforderungen an die Verfügbarkeit der militärischen Übungslufträume zu erfüllen. Letztlich läuft es immer auf eine Konsenslösung hinaus, eine optimierte Balance zwischen militärischer und ziviler Luftraumnutzung.

von Manuel Bahr