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Plug & Fight: Deutsche und Briten üben gemeinsam in Litauen

Plug & Fight: Deutsche und Briten üben gemeinsam in Litauen

Datum:
Ort:
Litauen
Lesedauer:
4 MIN

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Wie dockt man mit einem Minimum an Personal, Material und Kampfflugzeugen an das bestehende Einsatzkontingent einer Partner-Luftwaffe an, um gemeinsam in kürzester Zeit einsatzbereit zu sein? Diese Frage beantworten Luftwaffe und Royal Air Force gerade bei einer gemeinsamen Übung des binationalen Projekts „Combined Air Policing GAFGerman Air Force-RAF“ im litauischen Šiauliai.

Ein britischer und ein deutscher Eurofighter in der Luft.

Die gemischten deutsch-britischen QRAQuick Reaction Alert-Teams üben in Litauen verschiedene Manöver und stimmen auch Flugverfahren miteinander ab

UK MoD Crown Copyright 2020/Iain Curlett

Mit zwei Eurofightern des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ sowie lediglich 28 Soldaten und 4,5 Tonnen Material – transportiert in einem A400M – ist die Luftwaffe zur Šiauliai Air Base in Litauen aufgebrochen. Dort begann am 15. Juli die praktische Erprobung des sogenannten „Plug & Fight“-Konzepts zusammen mit dem britischen Einsatzkontingent, das derzeit von Litauen aus die Sicherheit des baltischen Luftraums überwacht.

Kommando mit „leichtem Gepäck“

„Wir haben nur zehn Prozent des Materials mitgenommen, das wir normalerweise einplanen“, sagt der Projektoffizier, Hauptmann Lothar Preuß. „Die ganze Infrastruktur, wie Shelter, Kerosin, Verpflegung, Boden- und Servicegeräte, stellen uns die Briten zur Verfügung.“ Denn auch darum geht es: Nicht nur gemeinsam zu fliegen, sondern sich auch auf technischer Seite zu unterstützen, bei Service und Ersatzteilen – so weit das möglich ist.

Ein deutscher Eurofighter wird von einem Schleppfahrzeug der Royal Air Force in den QRA-Bereich geschleppt.

Die Briten stellen der deutschen Luftwaffe in Litauen ihre gesamte Infrastruktur zur Verfügung, auch Boden- und Servicegeräte

Bundeswehr/Lothar Preuß

Der Hauptvorteil dabei: „So ein Kommando mit ‚leichtem Gepäck‘, das in einen einzigen A400M passt, kann innerhalb von drei bis fünf Tagen zusammengestellt werden, hinfliegen, sich andocken und operieren“, sagt Preuß. „Damit werden die europäischen Luftwaffen wesentlich schneller und effektiver. Ein normal großes Kontingent zusammenzustellen und an Ort und Stelle zu bringen, braucht etwa dreimal so lange.“

Ein A400M auf der Šiauliai Air Base.

Für das „Plug & Fight“-Kontingent passte alles in einen A400M: 28 Soldaten und 4,5 Tonnen Material. Normalerweise werden mehr als 45 Tonnen Material und 50 Soldaten gebraucht

Bundeswehr/Lothar Preuß
Das Material des deutschen Kleinstkontingents wird von der Laderampe des A400M entladen.

Entsprechend schnell ging auch das Entladen nach der Ankunft des deutschen A400M in Šiauliai

UK MoD Crown Copyright 2020/Iain Curlett

Deutsch-britische Alarmrotte

Die Übung ist Teil des Projekts „Combined Air Policing GAFGerman Air Force-RAF“ der beiden Luftwaffen. Bis noch zum 30. Juli üben sie im Umfeld der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission „Baltic Air Policing“. Seite an Seite mit ihren Kampfflugzeugen vom Typ Eurofighter Typhoon die Verfahren und den Einsatz einer gemischten deutsch-britischen Alarmrotte, der sogenannten „Quick Reaction Alert“ (QRAQuick Reaction Alert). Damit bereiten sie das geplante gemeinsame deutsch-britische Kontingent Anfang 2023 im estnischen Ämari vor, ebenfalls bei der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission im Baltikum.

Beide Seiten sind von der Übung angetan. Wing Commander Stu Gwinnutt, Kontingentführer des EAW 135 der Royal Air Force auf der Šiauliai Air Base, sagte: „Wir freuen uns sehr, unsere Freunde der deutschen Luftwaffe hier in Litauen begrüßen zu dürfen. Die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit ist eine großartige Gelegenheit, um in einer operativen Umgebung zu lernen.“

Und Oberstleutnant Andreas Beckmann, Kontingentführer des deutschen Anteils aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“, betont: „Auf taktischer Ebene stellt sich eine Rotte, eine Zweier-Formation, aus Flugzeugen derselben Nation zusammen. Hier ist es uns möglich, dies auch binational zu üben, um der NATONorth Atlantic Treaty Organization im QRAQuick Reaction Alert-Betrieb zwei Jagdflugzeuge unterschiedlicher Nationen im ständigen Bereitschaftsstatus zur Verfügung zu stellen. Daher bietet dies eine einzigartige Chance, unsere Fähigkeiten sowohl aus Sicht der Piloten als auch aus Sicht unserer Techniker zu verbessern.“

Die Übung ist von Anfang an sehr gut gelaufen“, sagt Lothar Preuß. „Wir haben an den ersten sieben Tagen insgesamt elf Flüge durchgeführt und hatten bei unseren beiden Maschinen keinen einzigen Flugausfall.“ Nach einigen Einweisungsflügen üben gemischte QRAQuick Reaction Alert-Teams in unbewaffneten Maschinen jetzt täglich verschiedene Abfang- und andere Manöver. Denn auch die fliegerischen Abläufe sind bei jeder Luftwaffe etwas anders. „Wichtig ist, dass die Teams durch die Zusammenarbeit Vertrauen zueinander und in die Fähigkeiten des jeweils anderen entwickeln“, so Hauptmann Preuß.

Ein deutscher Eurofighter und ein britischer Typhoon rollen nach einem Übungsflug auf dem Taxiway zurück.

Zweimal täglich sind die Teams in der Luft. Danach geht es zurück in die Shelter

Bundeswehr/Lothar Preuß
Ein deutscher Eurofighter im Shelter wird von Soldaten inspiziert.

Im Shelter werden die Eurofighter inspiziert

Bundeswehr/Lothar Preuß

Im Oktober geht es weiter

Deshalb wird das „Plug & Fight“-Konzept im kommenden Oktober andersherum geübt: Dann sichert die deutsche Luftwaffe im Zuge der Verstärkung der NATONorth Atlantic Treaty Organization Baltic Air Policing Mission vom estnischen Ämari aus den Luftraum über den NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedsländern des Baltikums und die Briten werden mit einem Kleinstkontingent anreisen. „Unsere Soldaten machen sich jetzt schon Notizen, was wir alles tun können, um das Konzept weiter zu verbessern“, sagt Preuß. Auch der regelmäßige deutsch-britische Staffelaustausch soll künftig weiter belebt werden.

Ein deutscher Eurofighter rollt aus dem QRA-Bereich. Im Hintergrund ein britischer Typhoon.

Die gemeinsame „Plug & Fight“-Übung in Litauen werden Deutsche und Briten im Oktober in Ämari wiederholen. Dann sind die Deutschen die Gastgeber

Bundeswehr/Lothar Preuß

Nicht alle Ersatzteile können getauscht werden

Woran Preuß und das gesamte Projektteam schon seit über einem Jahr arbeiten, ist der vereinfachte Austausch von Ersatzteilen zwischen den Luftwaffen. Zwar gibt es Komponenten, die grundsätzlich nie einer anderen Nation zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise Teile für Systeme der Kommunikationsverschlüsselung. Kleinteile wie Dichtungen oder einzelne Schrauben sind im Allgemeinen unproblematisch. In vielen anderen Bereichen aber sind besondere Anträge und Absprachen zwischen den zertifizierenden Behörden notwendig. „Da muss auf allen Ebenen Überzeugungsarbeit geleistet werden“, so der Projektoffizier. Aber schließlich sei der Eurofighter ja auch ein komplexes Waffensystem.

Ein erfolgreiches „Plug & Fight“-Konzept wird die multinationalen Fähigkeiten der europäischen Eurofighter-Nationen deutlich verbessern und damit auch sicherheitspolitische Signale senden. Das Projekt leistet somit letztlich einen Beitrag zur Verbesserung der Interoperabilität von Luftstreitkräften und damit zur Steigerung des Prinzips der Abschreckung und Verteidigung der NATONorth Atlantic Treaty Organization.


von Christoph Kaiser & Stefanie Pfingsten

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