Luftwaffe
Gedenken

Sie trainierten für die Premiere und stürzten in den Tod

Sie trainierten für die Premiere und stürzten in den Tod

  • Geschichte
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Nörvenich
Lesedauer:
3 MIN

Vier Jets vom Typ Lockheed F-104F „Starfighter“ der Luftwaffe verunglückten am 19. Juni 1962. Alle vier Piloten kamen ums Leben.

Formationsflug von vier Starfighter F-104

Beim Formationsflug wird auf Sicht geflogen. Alle Manöver orientieren sich an den Manövern des Formationsführers.

Bundeswehr/Siwik

Sie trainierten für die Premiere und flogen in den Tod: Vor 60 Jahren, am 19. Juni 1962, stürzten vier Piloten in ihren Lockheed F-104F „Starfighter“ in der Nähe ihres Fliegerhorstes Nörvenich bei einem Übungsflug ab. Die Flugzeugführer, ein Amerikaner und drei Deutsche, probten für einen Festakt. Denn nur einen Tag später sollte die Indienststellung der ersten Starfighter in dem Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ mit einer Kunstflugvorführung im Rahmen einer Flugschau gefeiert werden. Als Gast sollte unter anderem der damalige Verteidigungsminister, Franz Josef Strauß (1915-1988), anwesend sein. Doch es kam ganz anders.

Alle vier waren erfahrene Piloten

Als die vier Flugzeugführer am Nachmittag starteten, galt dieser Flug als Generalprobe für die Veranstaltung am folgenden Tag, dessen Programm sie in der Vergangenheit bereits mehrmals geübt hatten. Wie zeitgenössische Berichte als auch Augenzeugen berichten, sollen die ersten Teile der Flugschau korrekt geflogen worden sein, bis der Kettenführer möglicherweise die Orientierung verlor, die Formation verließ und dabei senkrecht nach unten zog. Doch warum folgten ihm die anderen drei Piloten? Die Oberleutnante Wolfgang von Stürmer, Heinz Frye und Bernd Kuebart zählten zu den ersten Starfighter-Piloten der Luftwaffe und sollten als Fluglehrer bei der Umschulung der Piloten auf die F 104F mitwirken. Sie kannten ihre Maschinen aus dem Effeff. An der technischen Konfiguration der Jets lag es nicht, die Probleme kamen hier mit der Multifunktionsrolle erst Jahre später.

Starfighter F-104 steht auf dem Rollfeld 1962.

Der Starfighter F-104 BB+365 war eines der beteiligten Flugzeuge beim Absturz einer Starfighter-Formation am 19. Juni 1962

Bundeswehr/Storz

Formationsflug braucht Sichtkontakt

Vielmehr wird die Ursache des Absturzes auf den Formationsflug zurückgeführt. Diese Art Flugmanöver gilt unter Piloten als anspruchsvoll, da sie per Sichtkontakt fliegen, mit dem Kettenführer als Ausgangspunkt. Das heißt, jede Bewegung, jedes Zeichen von ihm wird unverzüglich umgesetzt, dabei behalten alle Maschinen den gleichen Kurs wie auch die Geschwindigkeit - die Bordinstrumente spielen so gut wie keine Rolle. Der amerikanische Fluglehrer Captain John Speer verlor in einer Wolke die Formation und zog seine Maschine nach unten. Das wurde den drei deutschen Piloten zum Verhängnis. Sie bemerkten nicht, dass sie begannen, zu tief zu manövrieren. Sie folgten ihrem Kettenführer blind und stürzten mit ihm in den Tod. Wahrscheinlich verschätzte sich der Amerikaner auch in der Leistungsfähigkeit des Starfighters, da es sich um die doppelsitzige Ausführung des Flugzeugtyps handelte, der über ein stärkeres Triebwerk verfügte.

Luftwaffe verzichtet auf Kunstflugstaffel

Daraus folgte, dass die Maschine selbst kleinste Fehler nicht tolerierte. Aus seiner Stärke, also der schnellen Beschleunigung und hohen Geschwindigkeit, konnte bei falscher Beurteilung der Situation die F-104F zur tödlichen Falle werden. Insgesamt führten mehrere Faktoren zu diesem tragischen Ereignis: Das Kunstflugmanöver, das Wetter und die Besonderheit der Version des Flugzeugtyps. Daraufhin verzichtete die deutsche Luftwaffe auf den Betrieb von Kunstflugstaffeln. Die beiden im Aufbau befindlichen Einheiten in Bayern wurden aufgelöst.

Jagdbombers F-104 Starfighter beim Pressetermin 1962.

Pressetermin beim Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" anlässlich des ersten Starts des Jagdbombers F-104 Starfighter in Nörvenich im Juli 1960

Bundeswehr/Storz

Unglück wirft seine Schatten voraus

Der Absturz der vier Starfighter mit tödlichem Ausgang für die Piloten steht am Anfang einer Reihe von Unglücken dieses Flugzeugtyps, der bis zur Außerdienststellung 1991 insgesamt 116 Piloten das Leben kostete. Von den 916 beschafften F-104F stürzten insgesamt 269 Maschinen ab. Doch einen solchen Verlust an Menschen und Maschinen wie an dem 19. Juni 1962 musste die Luftwaffe nicht wieder hinnehmen.

von Thomas Skiba  E-Mail schreiben

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