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Europäische Verteidigung: Praxistest bei der Deutschen Marine

Europäische Verteidigung: Praxistest bei der Deutschen Marine

  • Multinationalität
  • Marine
Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
4 MIN

Die militärische Zusammenarbeit in Europa nimmt immer konkretere Formen an. Die Bundesregierung hat am 18. Oktober Eckpunkte zur Beteiligung Deutschlands an der sogenannten Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit in der EU beschlossen. Hier bietet die Redaktion Marine einen Überblick über maritime Vorhaben.

Zwei Frauen stehen auf dem Oberdeck eines U-Boots und unterhalten sich mit Marinesoldaten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit ihrer norwegischen Amtskollegin in Eckernförde, im deutschen U-Boot-Stützpunkt

Bundeswehr/Steve Back

Die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit ermöglicht es einer Reihe von Mitgliedsstaaten der EU, auch bei Einsätzen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik besonders eng zu kooperieren. Solche internationale Zusammenarbeit lebt die Deutsche Marine als „Bündnismarine“ schon seit Jahrzehnten. Die deutschen Seestreitkräfte haben viele verschiedene Projekte mit europäischen Partnermarinen auf den Weg gebracht. Alle können sie auch als Grundlage für künftige gemeinsame europäische Rüstungsvorhaben dienen – denn hier arbeiten die Fachleute für Sicherheit und Verteidigung auf der praktischen Ebene bereits immer enger zusammen.

Das Spektrum reicht von der umfassenden deutsch-niederländischen Kooperation bei amphibischen Operationen und der Marineinfanterie bis zur Rolle der Deutschen Marine als Ausbilder für die slowakische Militärpolizei im Boarding – dem Entern und Durchsuchen verdächtiger Schiffe.

Niederlande

Am 4. Februar 2016 haben Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre niederländische Amtskollegin Jeanine Hennis-Plasschaert einen „Letter of Intent“ zum Ausbau der maritimen Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Vertiefung der deutsch-niederländischen Marinekooperation konzentriert sich im Kern zunächst auf die gemeinsame Nutzung des Unterstützungsschiffs „Karel Doorman“ und die operative Integration des deutschen Seebataillons in die Niederländische Marine. Beide Seestreitkräfte verfolgen das Ziel, ein gemeinsames Portfolio amphibischer Fähigkeiten zu entwickeln.

Am Anfang der Umsetzung stehen der gegenseitige Personalaustausch, gemeinsame Ausbildung sowie bi- und multinationale Übungen. Ziel dessen ist, Abläufe und Verfahren zu standardisieren und zu harmonisieren, Übungen und Einsatzplanungen zu koordinieren, um künftig jederzeit Seite an Seite in Manövern oder Einsätzen operieren zu können.

Nachdem die erste Übung mit Teilen des Seebataillons und der „Karel Doorman“ im März 2016 unter deutscher Federführung stattfand, erfolgte die zweite Übung im November 2016 unter niederländischer Führung. Die gemeinsame operative Anfangsbefähigung haben deutsche und niederländische Marineinfanterie im September 2017 erreicht.

Norwegen

Der NATO-Partner Norwegen hat im Februar 2017 entschieden, beim Hochtechnologie-Schwerpunkt U-Boote strategisch mit Deutschland zusammenzuarbeiten. Dazu gehört die Absicht, die gleichen Boote zu bauen wie die Bundeswehr und im gesamten Lebenszyklus der neuen Einheiten eng zu kooperieren – von der gemeinsamen Ausbildung bis zum Ersatzteilmanagement.

Die Königliche Norwegische Marine wird jetzt zusammen mit der Deutschen Marine voraussichtlich ab 2019 die Klasse 212A weiterentwickeln und sechs neue U-Boote bauen lassen: vier für Norwegen, zwei für Deutschland. Ab Mitte der 2020er Jahre rechnet man mit ihrer Indienststellung.

Gemeinsam mit Norwegen will Deutschland unter Nutzung verfügbarer Technologien auch eine neue Generation von Flugkörpern entwickeln, um langfristig die Fähigkeit zum Kampf gegen See- und Landziele auf große Entfernungen sicherzustellen.

Die langfristig angelegte, vertiefte Zusammenarbeit der beiden Marinen soll sich neben den Bereichen U-Boote und Lenkflugkörper – und den damit verbundenen angrenzenden Feldern Logistik, Ausbildung und Verfahrensentwicklung – auch auf eine intensivierte Zusammenarbeit in weiteren Bereichen erstrecken. Zum Beispiel eine künftige Seeminenabwehr und neue Langstrecken-Aufklärungsflugzeuge.

Polen

Seit Juni 2016 koordinieren die polnische und die deutsche Marine gemeinsam die Operationen der U-Boote beider Nationen: Die Inspekteure der deutschen und der polnischen Seestreitkräfte haben eine gemeinsame „Submarine Operating Authority“ eingerichtet. Die polnisch-deutsche Marinekooperation wird damit immer enger.

Auch wird die Deutsche Marine in einem nächsten Schritt mit Personalaustausch und der Einschiffung polnischen Marinesoldaten auf unseren U-Booten dazu beitragen, dass die Polnische Marine in der Übergangszeit zu einer neuen Generation von U-Booten ihre Fähigkeit zur Unterwasserseekriegsführung erhalten kann.

Schweden

Die engere deutsch-schwedische Marinekooperation hat 2016 mit der „Baltic Commanders Conference“ am 8. und 9. März begonnen. Die versammelten Marinebefehlshaber der Ostseeanrainerstaaten, darunter Dänemark, Schweden, Polen und Deutschland kamen überein, die Zusammenarbeit ihrer Seestreitkräfte zu vertiefen.

Darauf aufbauend haben 2017 das deutsche 1. Korvettengeschwader aus Warnemünde und das 31. Korvettengeschwader der „Kungliga Flottan“, der schwedischen „Königlichen Flotte“, aus Karlskrona einen intensiven Austausch begonnen. Aber auch die Schwerpunktübung des Generalinspekteurs der Bundeswehr, das Manöver „Northern Coasts“, hat dieses Jahr der Gastgeber Schweden für die europäischen Partner ausgerichtet.

Ostseeraum

Ein rundes Abzeichen auf einer olivgrünen Uniform.

Verbandsabzeichen des Führungsstabs German Maritime Forces

Bundeswehr/Steve Back

Seit Herbst 2016 baut die Marine im Marinekommando Rostock den German Maritime Forces Staff (DEU MARFORGerman Maritime Forces Staff) auf. Er wird das Kernstück eines künftigen, im Bedarfsfall zu aktivierenden, multinationalen Hauptquartiers für maritime Operationen vor allem in der Ostsee werden.

Die deutsche Dienststelle mit multinationalem Anteil kann bei Bedarf personell deutlich aufwachsen. Sie wird dann zum sogenannten Baltic Maritime Component Command (BMCC). Besonders die Anrainerstaaten der Ostsee – Schweden, Polen, Dänemark, Finnland und die baltischen NATO-Partner – werden in den Betrieb des BMCC eingebunden.

Litauen, Slowakei, Kroatien, Estland

Die Deutsche Marine unterstützt – gemäß „Framework Nations Concept“ der NATO – auch zum Beispiel Litauen, die Slowakei, Kroatien und Estland in vielen Einzelaspekten. Litauische und slowakische Soldaten haben 2017 beim Seebataillon in Eckernförde geübt, um anschließend im Mittelmeer bei der EUNAVFOREuropean Union Naval Forces MEDMediterranean Operation Sophia auf deutschen Schiffen als Boardingspezialisten arbeiten zu können. Minentaucher auch aus Eckernförde haben gemeinsam mit der kroatischen Marine geübt. Und noch für den Spätherbst 2017 ist ein bilaterales Manöver der deutschen und estnischen Minenjagdboote geplant.

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