Zentrales Mittelmeer: EUNAVFOR MED Irini
Die Bundeswehr überwacht die Einhaltung des Waffenembargos gegen Libyen durch luft-, satelliten- und seegestützte Mittel.
Die Bundeswehr überwacht die Einhaltung des Waffenembargos gegen Libyen durch luft-, satelliten- und seegestützte Mittel.
Die Bundeswehr beteiligt sich seit dem 7. Mai 2020 an der EU-Mission EUNAVFOR MED Irini im zentralen Mittelmeer. Kernauftrag ist, das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen durch luft-, satelliten- und seegestützte Mittel umzusetzen.
Seit der libyschen Revolution vom 17. Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land beim Übergang zu einer Demokratie. Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes konkurrieren zwei Regierungen miteinander: Der westliche Teil wird von der international anerkannten Einheitsregierung kontrolliert, im Osten hat eine Gegenregierung die Vorherrschaft übernommen, die durch die Milizen unter General Chalifa Haftar unterstützt wird. Seitdem 2020 ein Waffenstillstand vereinbart wurde, konnten politische Fortschritte erzielt werden. Dennoch ist die Lage weiterhin instabil.
Aufgrund dessen brachte der damalige Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, eine stärkere Rolle der EU zur Kontrolle des Waffenembargos der Vereinten Nationen gegen Libyen sowie eine mögliche Überwachung eines Waffenstillstandsabkommens ins Gespräch. An einer Konferenz im Januar 2020 in Berlin nahmen zahlreiche EU-Mitgliedstaaten, internationale und regionale Organisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Mittelmeerländer teil, die sich alle für eine friedliche Lösung des Libyen-Konflikts einsetzten.
Beim Treffen der EU-Außenministerinnen und -Außenminister am 17. Februar 2020 in Brüssel wurde eine neue Militäroperation im Mittelmeer beschlossen. Diese konzentriert sich auf die Umsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum Waffenembargo gegen Libyen und beendet gleichzeitig die Operation EUNAVFOR MED Sophia.
Am 31. März 2020 wurde die neue Operation mit dem Namen European Union Naval Force Mediterranean Irini (EUNAVFOR MED Irini) gestartet. Die Europäische Union verstärkt dadurch ihre Anstrengungen zur Durchsetzung des Waffenembargos der Vereinten Nationen gegen Libyen und trägt somit zum Friedensprozess im Land bei.
Einsatzgebiet der Bundeswehr bei EUNAVFOR MED Irini (Infografik)
Bundeswehr | Stand: Mai 2026 | Kartenbasis: © Mapcreator/OpenStreetMapDie Einheiten der Operation Irini haben den Auftrag, den Waffenschmuggel im Einsatzgebiet gemäß UN-Resolution 1970 aus dem Jahr 2011 sowie den nachfolgenden Resolutionen, insbesondere Resolution 2292 von 2016 zum Waffenembargo gegen Libyen, durchzusetzen. Das Mandat basiert auf Kapitel VII der Charta der Vereinten Nationen und erlaubt es den eingesetzten Kräften, im Einsatzgebiet Schiffe anzuhalten und zu kontrollieren, wenn der begründete Verdacht besteht, dass sie Waffen oder zugehöriges Material transportieren.
Mit dem Beschluss 2020/472 des Rates der Europäischen Union wurde die Krisenbewältigungsoperation EUNAVFOR MED Irini erstmals mit der Umsetzung der Aufgaben im Zusammenhang mit den UN-Resolutionen beauftragt. Durch den Ratsbeschluss 2025/488 wurde die Mission bis zum 31. März 2027 verlängert.
Das Mandat für die Beteiligung deutscher Streitkräfte durch den Deutschen Bundestag läuft noch bis zum 30. November 2026. Die Zustimmung für eine Verlängerung steht noch aus.
Kernauftrag der Mission ist, das UN-Waffenembargo gegen Libyen mithilfe von Luftfahrzeugen, Satelliten und Schiffen durchzusetzen. Schiffe vor der libyschen Küste sollen aufgespürt, angehalten und durchsucht werden. Darüber hinaus überwachen die internationalen Kräfte über Patrouillenflüge Verstöße, die über Luft- und Landwege begangen werden.
Weitere Aufgaben der Mission sind die Informationsbeschaffung zu illegalen Exporten von Erdöl, Rohöl und raffinierten Erdölprodukten aus Libyen, zu kriminellen Netzwerken im Menschenhandel und Menschenschmuggel sowie die Weitergabe der Aufklärungsergebnisse an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten.
Zudem unterstützt EUNAVFOR MED Irini beim Aufbau von Kapazitäten der libyschen Küstenwache und Marine und der Ausbildung von Strafverfolgungsaufgaben und Seenotrettung. Die Operation wird derzeit von Konteradmiral Marco Casapieri geleitet und hat ihren Sitz in der italienischen Hauptstadt Rom.
Zur Einsatzbereitschaft gehört zwingend ein ständig aktuelles Lagebild, aber auch die Beobachtung des Einsatzes eigener und verbündeter Kräfte – auch um rechtzeitig zu erkennen, ob ein Einsatz reibungslos verläuft oder möglicherweise Gefahren birgt
Bundeswehr
Bei der medizinischen Versorgung von Menschen in See kommt es auf Minuten an. Deshalb müssen die Abläufe der Rettungskette sitzen. Hubschrauber sind dabei die schnellste Möglichkeit, Verwundete ins Krankenhaus zu transportieren.
Bundeswehr/Daniel Angres
Gemeinsames Training während des Einsatzes: Die Boardingteams, die die Schiffe im Mittelmeer kontrollieren, sind oft multinational besetzt – hier mit deutschen und litauischen Marinesoldaten
Bundeswehr/Daniel Angres
Auch beim Boarding kommt es auf Teamwork mit internationalen Partnern an. Denn nicht immer herrschen gute Wetterverhältnisse.
Bundeswehr/Kerstin Brandt
Mehrmals während des Irini-Einsatzes legen die Schiffe zur Nachversorgung von verschiedenen Versorgungsgütern in Häfen im Mittelmeer an. Als Schiffsbesatzung gemeinsam an einem Strang zu ziehen, garantiert den Erfolg der Mission.
Bundeswehr/Daniel Angres
Das Sanitätspersonal übt während des Irini-Einsatzes regelmäßig, um für Ernstfälle gewappnet zu sein – zum Beispiel bei simulierten Operationen. Die Schiffslazarette sind auch für größere chirurgische Eingriffe ausgestattet.
Bundeswehr/Daniel AngresWas macht die Bundeswehr bei EUNAVFOR MED Irini, wie viele Soldatinnen und Soldaten sind dort stationiert und welche Nationen unterstützen die EU-Mission? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier:
Der Kernauftrag ist die Umsetzung des UN-Waffenembargos durch Luftfahrzeuge, Satelliten und Schiffe. Das beinhaltet das Entdecken, Anhalten und Durchsuchen von verdächtigen Schiffen im Einsatzgebiet. Ein weiterer Auftrag ist die Beobachtung und Dokumentation illegaler Ausfuhren von Erdöl, Rohöl und raffinierten Erdölerzeugnissen aus Libyen.
Das Mandat des Deutschen Bundestages läuft bis zum 31. März 2027.
Die Mandatsobergrenze für das deutsche Einsatzkontingent für die Operation Irini wurde durch den Bundestag auf 300 Soldatinnen und Soldaten festgelegt.
Die deutschen Soldatinnen und Soldaten sind sowohl im EU-Hauptquartier in Rom, an Bord des Flaggschiffes auf See und an Bord der eigenen seegehenden Einheit eingesetzt. In Einsatzkontingenten ohne eingesetzte seegehende Einheit werden die Einsatzflüge von Deutschland aus durchgeführt.
Bei der Ausrüstung achtet die Bundeswehr besonders darauf, den Soldatinnen und Soldaten das bestmögliche Equipment für den Einsatz zur Verfügung zu stellen. Eine speziell für das Einsatzland zugeschnittene persönliche Ausrüstung gewährleistet den bestmöglichen Schutz für die Soldatinnen und Soldaten vor Ort.
Weitergehende Informationen zu den seegehenden und fliegenden Einheiten bei EUNAVFOR MED Irini finden Sie unter: Ausrüstung und Technik der Marine
Grundsätzlich dauert ein Kontingentzeitraum insgesamt vier Monate. Beim Kontingentwechsel können noch circa zwei Wochen Übergabezeit hinzukommen. Die seegehenden Einheiten haben zusätzlich noch den langen Anmarschweg von Deutschland in das Operationsgebiet zu bewältigen.
Das Einsatzgebiet von EUNAVFOR MED Irini erstreckt sich im Mittelmeer auf die Hohe See außerhalb der Küstenmeere Libyens und Tunesiens. Hinzu kommen der Luftraum über diesen Gebieten sowie angrenzende Seegebiete, die zur Umleitung und Übergabe von Schiffen in einen europäischen Hafen benutzt werden. Davon ausgenommen sind Malta sowie das umschließende Seegebiet innerhalb von 15 Seemeilen. Das Operationsgebiet entspricht ungefähr der Größe der Bundesrepublik Deutschland.
Die Bundeswehr beteiligt sich als Ersatz für den außer Dienst gegangenen Seefernaufklärer P-3C Orion mit einem zivilen Luftfahrzeug, welches mit Fähigkeiten zur luftgestützten Seeraumüberwachung ausgestattet ist. Die Sensorik wird durch militärisches Personal bedient. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung im Einsatzgebiet geleistet. Deutschland ist darüber hinaus nach Italien der zweitgrößte Truppensteller im Operationshauptquartier in Rom. Hinzu kommt Personal auf dem Flaggschiff im Einsatzgebiet.
Derzeit beteiligen sich sieben europäische Nationen mit rund 1.000 Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilpersonal an der Operation. Die Führung über den maritimen Verband wechselt halbjährlich zwischen Italien und Griechenland.
Keine.
Die Schiffe der Deutschen Marine haben mehrere Möglichkeiten, Informationen von anderen Schiffen zu erhalten. Diese gehen von der Abfrage, dem sogenannten Hailing, bis zum sogenannten Besuch an Bord, dem Boarding.
Welche es sind und wo die Unterschiede liegen erfahren Sie unter: Irini: Von der Abfrage zum Boarding
Die Besatzungen der eingesetzten Schiffe retten bei Bedarf Menschen aus Seenot. Dies ist für alle Seefahrer Verpflichtung nach dem Seerechtsübereinkommen und dem Übereinkommen zum Schutz menschlichen Lebens auf See.
Post an Soldatinnen und Soldaten im Irini-Einsatz kann über das EU-Hauptquartier in Rom mit folgenden Adressangaben geschickt werden:
Dienstgrad, Vorname, Name
EU-Hauptquartier Rom
über Feldpost
64298 Darmstadt
Ansprechstelle für Vertreterinnen und Vertreter der Medien
Unter folgender Rufnummer erreichen Sie uns. Außerhalb der Dienstzeiten stehen hier die Sprecherin bzw. der Sprecher vom Dienst bereit.